Madonna wird in Sydney Eintritt in ihre Afterparty verwehrt

In der australischen Metropole ist ein Streit um strikte Regeln für das Nachtleben entbrannt. Das bekommen selbst Popstars zu spüren.

Zu spät für das Fest nach dem Auftritt: Madonna und ihre Entourage stolpern über das neue Gesetz.(Reuters/Eduardo Munoz/4. Mai 2019)

Zu spät für das Fest nach dem Auftritt: Madonna und ihre Entourage stolpern über das neue Gesetz.(Reuters/Eduardo Munoz/4. Mai 2019)

Wenn schon Madonna und Justin Bieber nicht auf ihre eigenen Partys gelassen werden, dann gibt es ein Problem. In Sydney drängt sich seit geraumer Zeit der Eindruck auf, dass mit dem Nachtleben etwas im Argen liegt. Drastische Vorgaben für Bars und Clubs im Kampf gegen durch Alkohol befeuerte Gewalt haben die Feierlaune in der australischen Millionenmetropole spürbar getrübt. Jetzt stehen die vor fünf Jahren beschlossenen Gesetze auf dem Prüfstand – und es tobt ein Streit um Sydneys Party-Seele.

Entsprechend gross war die Aufmerksamkeit, als Sydneys Gastronomie- und Club-König Justin Hemmes vor einem Ausschuss des Regionalparlaments aussagte. Die tagsüber pulsierende Innenstadt verwandle sich abends in eine «Geisterstadt», klagte der Geschäftsmann, dessen Gastronomie-Imperium dutzende Restaurants, Bars und Diskotheken betreibt.

Hemmes schilderte absurde Situationen, weil Clubs nach 01.30 Uhr nachts keine Gäste mehr einlassen dürfen. So hätten seine Türsteher Madonna nach einem Konzert in Sydney nicht auf ihre eigene After-Show-Party lassen dürfen – weil die Popdiva erst um 01.45 Uhr angekommen sei. Die Sängerin sei daraufhin mitsamt ihrem Anhang wieder abgezogen. «Das ist eine internationale Peinlichkeit», sagte der Club-Betreiber. Das gleiche Schicksal habe Popstar Justin Bieber getroffen.

Die sogenannten Lockout Laws waren 2014 eingeführt worden. Zuvor war am Silvesterabend ein 18-Jähriger im Ausgehviertel Kings Cross bei einem Streit auf offener Strasse erschlagen worden. Der Fall löste eine Debatte über die grassierende Gewalt von Betrunkenen aus.

Nach 01.30 Uhr keine Gäste mehr erlaubt

Seit Einführung der neuen Gesetze dürfen Bars und Clubs in der Innenstadt von Sydney und angrenzenden Stadtteilen nach 01.30 Uhr keine Gäste mehr einlassen. Nach 03.00 Uhr darf kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden. Diese und weitere strikte Massnahmen haben zu einem teils deutlichen Rückgang der Gewalt durch Betrunkene geführt.

Doch für Barbesitzer hatten die Lockout Laws schwerwiegende Folgen: Weil die Kundschaft ausblieb und der Umsatz zurückging, mussten viele Läden dichtmachen. Auch wenn der Ausdruck «Geisterstadt» übertrieben erscheint: Sydneys Nachtleben, darin sind sich die meisten Beobachter einig, hat erheblich an Anziehungskraft eingebüsst. Unter Feierwütigen hat sich Katerstimmung breit gemacht – und das nicht wegen zu viel Alkohols.

In einer Rangliste des Ausgehmagazins «Time Out» der 48 attraktivsten Städte der Welt landete Sydney im Frühjahr auf einem mageren 39. Platz. Besonders bitter für die Sydneysider, wie die Bewohner der Metropole genannt werden: Der ewige – und immer schon etwas coolere – Rivale Melbourne schaffte es auf Platz 2.

Inzwischen prüft der Bundesstaat New South Wales, in dem Sydney liegt, eine Lockerung der Gesetze. Ein im Mai eingerichteter Ausschuss des Regionalparlaments wurde schon mit hunderten Eingaben überflutet. Die Stadtverwaltung schlägt in ihrer Einschätzung dramatische Töne an: Die Lockouts Laws hätten «schwerwiegende negative Auswirkungen» auf Sydneys kulturelles Leben, den internationalen Ruf der Stadt und die Tourismusindustrie. Hunderttausende junge Besucher blieben seit Einführung der Gesetze aus.

Die Worte des Polizeigewerkschafter

Doch auf der anderen Seite gibt es gegen eine Lockerung der Gesetze massiven Widerstand. So fürchten Ärzte und Polizisten einen erneuten Anstieg der Gewalt durch Betrunkene. Der Polizeigewerkschafter Pat Gooley argumentierte im «Sydney Morning Herald», die Gesetze retteten Leben. Die Statistiken seien eindeutig, insbesondere, was den berühmt-berüchtigten Stadtteil Kings Cross angehe: Weniger brutale Angriffe, weniger Verletzte in der Notaufnahme der Krankenhäuser, weniger «auseinandergerissene Familien».

Kritiker halten dagegen, das Problem habe sich lediglich verlagert. Tatsächlich ist die Zahl der mutmasslich alkoholbedingten Gewalttaten in anderen Ausgehvierteln gestiegen, in denen die Lockout Laws nicht gelten.

Der Streit um Sydneys Nachtleben dürfte noch einige Zeit weitergehen. Die Parlamentskommission will Ende September Empfehlungen vorlegen.

fal/afp

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt