Schiff ahoi mit Gölä

Stadt Bern

Im Interview spricht Marco Pfeuti alias Gölä über seinen Segeltörn durch die stürmische Nordsee, seine Abneigung gegenüber Livekonzerten und darüber warum er nur noch in Mundart singt.

Gölä am Steuer einer Jacht auf dem Bielersee.

Gölä am Steuer einer Jacht auf dem Bielersee.

(Bild: Rob Lewis)

Markus Ehinger@ehiBE

Warum geben Sie nur ein Konzert in diesem Jahr?
Gölä: Ich versuche immer, so wenig wie möglich live zu spielen.

Damit Sie attraktiver und rar bleiben?
Das passiert wohl automatisch, habe ich gehört. Ich spiele und singe einfach nicht gerne vor Leuten.

Warum nicht? Das machen doch alle Sänger gerne.
Ich bin nicht wie jeder. Vor allem bin ich kein Künstler.

Wie verdient denn heute ein Musiker überhaupt noch Geld? Das passiert doch heute fast nur noch dank Liveauftritten.
Das weiss ich auch nicht. Ich mache Musik zur Freude. Aber am meisten Freude bereitet mir das Schreiben von Liedern und wenn ich im Studio die Musik aufnehmen kann. Aber raus vor die Leute? Das bräuchte ich eigentlich nicht, wenn ich nicht unbedingt Geld benötigte, um Beton zu verlochen.

Warum geben Sie Ihr einziges Konzert ausgerechnet in Erlach am Bielersee?
Jedes Jahr gibt es Veranstalter, die einem für ein Konzert anfragen. Und dann geht man halt dorthin, wo einem am meisten bezahlt wird.

Da haben Sie danach für ein Jahr ausgesorgt?
(lacht) Nicht ganz. Es gibt schon noch andere Geldquellen. Ich besitze Liegenschaften, in denen ich Wohnungen vermiete. Zu diesen Liegenschaften schaue ich gut, ich baue auch daran. Ab und zu renoviere ich alte Gebäude, die ich dann wieder verkaufe. Es ist schon nicht so, dass ich ein Konzert gebe und danach an der Sonne liegen kann.

Schreiben Sie momentan Songs?
Nein. Das neue Album, das im Herbst erscheint, ist fertig. Momentan «wärche» ich auf dem Bau.

Sie bleiben jetzt endgültig bei der Mundart?
Ja. Englisch singe ich nicht mehr. Englisch durfte ich mit den Bellamy Brothers ausleben. Hochdeutsch habe ich soeben mit Peter Maffay gesungen, und meine Fans wollen sowieso nur Mundart, also mache ich das. Probiert habe ich alles andere und man darf im Leben ja auch mal etwas versuchen. Wenn man merkt, dass das nicht funktioniert, muss man etwas anderes machen.

Sie stehen also dazu, dass anderes «in die Hosen ging».
Ich bin wie fast jeder Mensch auf dieser Welt ein Dienstleistungsunternehmen. Meine Fans wollen Mundart, also gebe ich ihnen Mundart.

Sie haben im letzten Jahr den Hochseesegelschein gemacht. Schippern Sie jetzt statt über den Bielersee oder den Thunersee über die Weltmeere?
Ich war während des ganzen Januars auf dem Meer. Ich habe zusammen mit drei Freunden mein Schiff gezügelt vomMarkermeer, durch die Nordsee, durch den Englischen Kanal, zur Biskaya über Gibraltar bis ins Mittelmeer zum Zielhafen von Roses in Spanien.

Im Januar ist es wohl nicht ganz so gemütlich.
Im Januar sollte man tatsächlich eigentlich nicht in der Nordsee segeln. Aber wir haben es trotz Hagel und Sturm überlebt. Am «strübste» war der Start der Reise. Wir sind direkt in einen Sturm gefahren und haben uns bis Dover in England dauernd übergeben. Das war wie zwei Tage ununterbrochen Europapark Rust. Zwei meiner Freunde mussten aufgeben, zu zweit haben wir das Schiff bis Dover gebracht. Dort mussten wir es flicken, sodass es nicht mehr überall reinregnete – damit wir keine «Tropfsteinhöhle» mehr hatten. Später stiegen die zwei anderen Freunde wieder ein.

Wasser kann Ihnen also nichts anhaben. Was bedeutet Ihnen Wasser eigentlich?
Sehr viel! Im Alter immer mehr, weil man merkt, dass man Mühe bekommt beim Wasserlassen (lacht laut). Spass beiseite. Mir hat Wasser schon als Kind viel bedeutet. Ich ging schon als Schüler fischen. Ich bin zwischen zwei Bächen und der Aare aufgewachsen. Ich bin auch schon mein ganzes Leben lang gerne auf dem Wasser beim Segeln.

Haben Sie zur Region Bielersee eine Beziehung?
Nein, wir haben schliesslich auch im Oberland Seen. Aber es ist hier am Bielersee schon sauschön. Ein Vorteil ist hier, dass gleich drei Seen miteinander verbunden sind. Im Sommer werden diese Seen auch mal warm, sodass man baden kann. Und fischen kann man hier ausserdem viel besser.

Das neue Album erscheint im Oktober. Gibt es schon Ideen für eine weitere CD?
Bei mir ist das anders. Ich gehe jetzt wieder «wärche», und nach einem halben oder einem ganzen Jahr nehme ich dann wieder die Gitarre hervor, und dann gibt es wieder ein Album. Ich gehe auf dem Bau «wärche» bis mir das «Wärche» verleidet, und dann «fägt» es auch wieder noch mehr, Musik zu machen.

Berner Zeitung

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