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Sgarbi darf wohl bald den nächsten Richter anlächeln

Nur wenige Stunden dauerte die Verhandlung gegen Helg Sgarbi. Doch der Sex-Erpresser dürfte bald wieder vor Gericht stehen.

Mit zehminütigem Blitzlichtgewitter empfangen: Helg Sgarbi (2. von rechts) am 9. März im Landgericht München.
Mit zehminütigem Blitzlichtgewitter empfangen: Helg Sgarbi (2. von rechts) am 9. März im Landgericht München.
Keystone
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Nach dem Prozess, der nur vier Stunden dauerte, zeigte sich das wahre Gesicht des Schweizer Gigolos: Charmant lächelnd und adrett gekleidet nahm er sein Urteil entgegen. Sechs Jahre muss Sgarbi hinter Gitter; wegen Betrugs in vier Fällen und versuchter Erpressung in zwei Fällen. Kaum war das Urteil verkündet, stellte sich Sgarbi schützend vor seinen Mentor, den Sektenführer Ernano Barretta. «Herr Barretta ist ein ehrenwerter Mann, er hat diese Schlammschlacht nicht verdient.»

Viele Fragen bleiben jedoch nach dem Urteil offen: Sgarbi sagte kein Wort, wo sich die Gelder der vier Frauen befinden, die er um den Finger gewickelt hatte. Und schon gar nicht rückte der smarte Gigolo mit den Videos raus, mit denen er BMW-Erbin Susanne Klatten und drei weitere Frauen erpresste. Auch die Rolle, die der Italiener Barretta spielt, ist nach wie vor unklar. So haben die Ermittler auf dessen Anwesen in Italien Bargeld in der Höhe von 400'000 Euro gefunden.

Klatten-Gelder wahrscheinlich gefunden

Der deutsche Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sagt in der Onlineausgabe der «Süddeutschen Zeitung», dass es sich dabei «mit hoher Wahrscheinlichkeit» um das erpresste Geld handelt, das Klatten gezahlt hatte. Zudem entdeckte die Polizei zwischen zwei Wänden eine Plastiktüte mit 1,8 Millionen Franken. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, das auch dieses Geld aus den Erpressungsfällen stammt.

«Jetzt ist Italien am Zug», sagt Steinkraus-Koch. Nachdem sich die Italiener geweigert haben, Barretta an Deutschland auszuliefern, soll ihm nun in Italien der Prozess gemacht werden. Schon am 24. März muss der Guru in Pescara vor Gericht antraben, er ist wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt.

Sgarbi mit Barretta verbandelt

Die Beweise gegen Barretta wiegen schwer: So logierte er im Münchner Holiday-Inn in einem Nebenzimmer, als Sgarbi sich mit Klatten traf und heimlich Videoaufnahmen machte. Und als die Polizei Sgarbi verhaftete, war er mit Barretta unterwegs. In seiner Jacke fanden die Ermittler zudem die Telefonnummer Klattens und diejenigen anderer Opfer. Die Zeitung schätzt, Sgarbi selbst könnte auch wieder angeklagt werden. Damit droht Sgarbi erneut eine Verurteilung für die Straftaten; allerdings nur für diejenigen, die er in Italien beging.

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