Verwöhnt, ausfällig, verbittert

Eine neue, unautorisierte Biografie porträtiert Prinz Charles als griesgrämigen Egoisten. Sie wird in Grossbritannien seit Tagen heftig debattiert.

Soll Kritik nicht ertragen können: Prinz Charles. Foto: AP, Keystone

Soll Kritik nicht ertragen können: Prinz Charles. Foto: AP, Keystone

Jean-Martin Büttner@Jemab

Für Aussenstehende wirkt er schrullig, aber engagiert, konservativ zwar, aber nicht ohne Humor, melancholisch, aber umgänglich. Prince Charles, der unter der kalten Erziehung seines Vaters gelitten hatte, geriet nach der Scheidung von Lady Diana und nochmals nach ihrem Tod heftig in die Kritik. Aber seine Heirat mit Camilla Parker Bowles, eine Liebesbeziehung, besänftigte viele Briten wieder.

Und jetzt das: Wie britische Medien berichten, porträtiert der aggressiv recherchierende Journalist Tom Bower den Prinzen und ewigen Königsanwärter in harten Strichen. Der Mann sei vom Luxus besessen, eitel, paranoid, neidisch auf seine Söhne, verbittert, weinerlich und für Kritik nicht zugänglich. Auch habe er keine Ahnung vom Leben seiner Landsleute, dafür bezeichne er sein eigenes Leben als «utter hell», die reine Hölle. Das Buch wird in Grossbritannien seit Tagen debattiert.

Exzessive Hauskäufe

Bower hat schon unautorisierte Biografien über Tony Blair, Richard Branson und Mohamed al Fayed publiziert. Für seine Recherche über Charles will er mit 120 Leuten gesprochen haben, die mit dem Royal arbeiteten; mit Charles selber sprach er nicht. Dessen Sprecher haben bislang nicht auf die Kritik reagiert.

Bower zufolge gibt der Prince of Wales bedenkenlos Geld aus. Er tritt gern als Wohltäter auf, verlangt von den Sponsoren aber enorme Zuwendungen, von denen er einen Teil als eigene Spesen deklariert. Vom Ölmagnaten Armand Hammer erhielt er, über mehrere Jahre verteilt, 40 Millionen englische Pfund. Der Royal ist auch für seine exzessiven Hauskäufe bekannt.

120 Leute arbeiten für ihn, vier sind allein dazu angestellt, ihn umzukleiden, und das bis zu fünfmal am Tag. Das alles scheint ihn nicht zu besänftigen. «Sogar mein Büro hat nicht die richtige Temperatur», soll er einem Assistenten gesagt haben. «Warum muss ich das aushalten? Es macht mein Leben unerträglich.»

Er fühlt sich ungeliebt

Die erstaunlichste Enthüllung in Bowers Buch betrifft Prince Charles’ Verhältnis zur Öffentlichkeit: Er scheint besessen von der Meinung anderer. Der 69-Jährige fühlt sich ungeliebt, weniger beachtet als sein Sohn William und die Königin, seine «Mama down the road». Wiederholt habe er das Radio beworfen, weil es etwas Schlechtes über ihn berichtete. Er ertrage keine Kritik und bekomme bei schlechten Zustimmungsraten Wutanfälle. Nur ein Drittel der Briten möchte ihn als König haben.

Tom Bower wurde für seine Aussagen sehr kritisiert. Er hat sie lächelnd hingenommen und sein nächstes Projekt angekündigt: eine Biografie von Labour-Chef Jeremy Corbyn. Dieser sei, liest man, nicht amused.

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