Zum Hauptinhalt springen

So verhandelte Malta die Befreiung der Geiseln

Die Flugzeugentführung mit 117 Menschen an Bord ist in Malta unblutig beendet worden. Die Malteser zeigten dabei eiskaltes Verhandlungskalkül.

Die Malteser verlangten die Freilassung der Geiseln: Nach und nach liessen die Entführer Geiseln frei. (23. Dezember 2016)
Die Malteser verlangten die Freilassung der Geiseln: Nach und nach liessen die Entführer Geiseln frei. (23. Dezember 2016)
Jonathan Borg/AP, Keystone
Einer der mutmasslichen Entführer schwenkt kurz eine grüne Flagge, die an Gaddafis «Jamahiriya»-Flagge erinnert.
Einer der mutmasslichen Entführer schwenkt kurz eine grüne Flagge, die an Gaddafis «Jamahiriya»-Flagge erinnert.
TVM via AP, Keystone
Was die Entführer eigentlich fordern, ist nicht bekannt.
Was die Entführer eigentlich fordern, ist nicht bekannt.
Jonathan Borg (AP), Keystone
1 / 9

Aufatmen nach vier Stunden Nervenkrieg: Die Entführung eines libyschen Flugzeugs mit mehr als 100 Menschen ist in Malta ohne Gewalt zu Ende gegangen. Die zwei Entführer ergaben sich am Freitag maltesischen Sicherheitskräften. Zuvor hatten die beiden Männer bereits alle 109 Passagiere und die Crewmitglieder freigelassen.

Bei den Entführern wurden eine Handgranate und eine Handfeuerwaffe gefunden. Das sagte der maltesische Regierungschef Joseph Muscat am Freitag vor den Medien. Bei der Durchsuchung des Flugzeugs sei eine weitere Waffe entdeckt worden.

Grüne «Jamahiriya»-Flagge geschwenkt

Wie Libyens Aussenminister Taher Siala sagte, handelt es sich bei den Entführern um Anhänger des ehemaligen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, der während der Nato-Intervention im Jahr 2011 getötet wurde. Demnach wollten die zwei Entführer eine politische Partei gründen und in Malta Asyl beantragen.

Einer der Männer hatte in der Flugzeugtür die grüne, alte libysche «Jamahiriya»-Staatsflagge geschwenkt, die nach dem Sturz und Tod Gaddafis 2011 abgeschafft wurde.

Überblick der Verhandlungen

Muscat hat bei einer Pressekonferenz den Sicherheitskräften für die gute Arbeit gratulierte, speziell dem Kommandeur der maltesischen Streitkräfte, Brigadier Jeffrey Curmi, der die Verhandlungen geleitet hatte.

Die maltesischen Behörden hätten den Entführern gesagt, sie würden nur auf Verhandlungen eingehen, wenn zuerst alle Passagiere befreit würden. Nachdem alle Passagiere und zwei Crew-Mitglieder freigelassen worden waren, hätten die Entführer darum gebeten, dass zwei Vermittler an Bord kämen. Die Behörden hätten diese Aufforderung zurückgewiesen. Nach weiteren Verhandlungen gaben die Entführer schlussendlich auf und liessen auch die vier verbleibenden Crew-Mitglieder frei.

Der Premierminister informierte während der ganzen Episode über seinen Twitter-Account. Auch die Meldung, dass die Geiselnahme beendet ist, wurde zuerst über diesen Kanal bekannt.

Auf Inlandflug entführt

Der Airbus der staatlichen libyschen Fluglinie Afriqiyah Airways war ursprünglich am Freitag auf einem Inlandflug von Sabha nach Tripolis. Doch Flug 8U209 änderte den Kurs und landete um etwa 11.30 Uhr auf dem Flughafen in der maltesischen Hauptstadt Valetta.

An Bord waren inklusive der Entführer 111 Passagiere, darunter 82 Männer, 28 Frauen und ein Kind. Auch ein Angehöriger des libyschen Parlaments hatte sich an Bord befunden, meldete der Nachrichtensender al-Arabiya.

Der Flughafenbetreiber hatte zunächst über eine «unrechtmässige Störung» informiert. Libyens international anerkannte Regierung bestätigte die Entführung, wie die amtliche Nachrichtenagentur Lana meldete.

Drohung mit Sprengsatz

Die zwei Entführer drohten Medienberichten zufolge das Flugzeug in die Luft zu sprengen. Auch die unabhängige libysche Nachrichtenseite Alwasat berichtete von einer Drohung mit einem Sprengsatz. Darüber habe der Captain den Tower auf Malta informiert.

Auf Fernsehbildern war nach der Festnahme zu sehen, wie bewaffnete Soldaten das Flugzeug untersuchten. Der anfangs völlig unterbrochene Flugverkehr war am Freitagnachmittag bereits teilweise wieder aufgenommen worden noch bevor sich die Entführer ergeben hatten. Flüge in die und aus der Schweiz waren nicht betroffen.

«Sicherheitslücken passieren überall»

Ein libyscher Abgeordneter übte Kritik an der Flughafensicherheit am Abflugsort. Ihn überrasche nicht, dass eine vom Flughafen Tamanhet in Sabha gestartete Passagiermaschine entführt worden sei, weil die Sicherheitsmassnahmen an dem Airport «chaotisch» seien, sagte der aus der Stadt stammende Parlamentarier Salah Kalma. «Es ist sehr einfach, (den Flughafen) zu betreten, ohne durch die elektronischen Schranken zu gehen», sagte er. Rund um das Flughafengebäude gebe es keine Zäune oder Wachmänner.

Libyens Transportminister Milad Matuk verteidigte die einheimische Flughafensicherheit. «Sicherheitslücken passieren überall und Libyen ist keine Ausnahme», sagte er.

afp/sda/fal

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch