Selbstmordattentäterin war arbeitslose Akademikerin

In Tunesiens Hauptstadt hat sich eine Frau in die Luft gesprengt. Ziel des Anschlags waren offenbar Polizisten. Tote hat es keine gegeben.

Explosion in der Innenstadt: In Tunis hat sich eine Frau in die Luft gesprengt. (29. Oktober 2018)

Explosion in der Innenstadt: In Tunis hat sich eine Frau in die Luft gesprengt. (29. Oktober 2018)

(Bild: Twitter/Zohra Rabtaoui)

Die tunesischen Behörden haben die Selbstmordattentäterin identifiziert, die sich am Montag in der Innenstadt von Tunis in die Luft gesprengt hatte. Der Sprengsatz sei von einer 30 Jahre alten arbeitslosen Akademikerin gezündet worden, sagte Justizsprecher Sofiène Sliti am Dienstag in Tunis.

Die junge Frau sei bislang nie als potenzielle Extremistin aufgefallen. Die Attentäterin hatte den Angaben zufolge einen Hochschulabschluss in Wirtschaftsenglisch, war aber – so wie viele andere Absolventen in Tunesien auch – arbeitslos. Laut Medienberichten verdingte sie sich gelegentlich als Schäferin, um ihrer Familie zu helfen. Festnahmen im Zusammenhang mit dem Fall gab es nach Angaben des Justizsprechers bis Dienstag nicht.

Rückkehr zur Normalität

Bei dem Selbstmordattentat waren am Montag auf einer belebten Geschäftsstrasse 15 Polizisten und zwei Jugendliche verletzt worden – keiner von ihnen schwer. Am Dienstag kehrte wieder Normalität ein: Cafés und Geschäfte in der bei Einheimischen und Touristen beliebten Avenue Habib Bourguiba hatten geöffnet.

Der Anschlag war der erste in Tunesiens Hauptstadt seit dem 24. November 2015, als zwölf Mitglieder der Präsidialgarde bei einem Selbstmordattentat getötet wurden. Seit dem politischen Umbruch im Jahr 2011 wurden in Tunesien dutzende Menschen, vor allem Touristen und Mitglieder der Sicherheitskräfte, bei Anschlägen getötet.

Trotz von der Regierung propagierter Fortschritte im Kampf gegen den Terrorismus gilt seit der Attacke in Tunis im November 2015 der Ausnahmezustand. Er wurde Anfang Oktober erneut um einen Monat verlängert.

Für 2019 sind Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Tunesien angesetzt. Tunesiens Wirtschaft stagniert, die hohe Arbeitslosigkeit bei Hochschulabsolventen und anderen jungen Leuten sorgt für grossen Unmut.

red/fal/afp

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt