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13 Fusstritte, 37 Faustschläge, 4 Knüppelhiebe

Zehn Polizisten wurden in den USA vom Dienst beurlaubt, nachdem ein TV-Sender das Video einer brutalen Verhaftung eines 30-jährigen Mannes zeigte.

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Das verstörende Video von der Verhaftung des 30-jährigen Weissen auf NBC News. (Video: NBC News)

Erneut sorgt ein Fall von Polizeigewalt in den USA für Aufsehen. Ein TV-Sender filmte aus einem Helikopter, wie mehrere Polizisten in Südkalifornien einen weissen Flüchtigen vom Pferd holten und auf ihn einschlugen. Die zehn beteiligten Beamten wurden vom Dienst suspendiert. Es erscheine, als ob in dem Fall übermässige Gewalt angewendet worden sei, gab der Sheriff vom San Bernardino County, John McMahon, bekannt. Er sei «beunruhigt und aufgewühlt» über das, was in einem Video zu sehen sei, das ein Hubschrauberteam des Fernsehsenders KNBC-TV aufgenommen hatte, sagte McMahon. Eine interne Untersuchung sei eingeleitet worden.

Nun ermittelt die Bundespolizei FBI gegen die Polizisten, wie der US-Sender CNN berichtete. Ihnen wird vorgeworfen, die Bürgerrechte des Mannes verletzt zu haben.

Auf dem Video ist zu sehen, wie die Polizisten den vorbestraften Verdächtigen mit einem Taser traktierten, 13 Mal auf ihn eintraten, ihn 37 Mal mit den Fäusten und vier mal mit Gummiknüppeln schlugen. Anschliessend liessen sie ihn 45 Minuten am Boden liegen, bevor er in ein Spital gebracht wurde. Der Vorfall ereignete sich in der 130 Kilometer nordöstlich von Los Angeles gelegenen Stadt Apple Valley.

Debatte über Polizeigewalt

Die brutale Festnahme fand nur wenige Tage nach einer in die Schlagzeilen geratenen Aktion eines Polizisten in South Carolina statt, die ebenfalls von einem Video eingefangen wurde. In einer Handy-Aufnahme ist zu sehen, wie der Beamte Michael Slager einem fliehenden Schwarzen achtmal in den Rücken schiesst und ihn so tötet.

Der Vorfall hatte die Debatte über übermässige Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA neu entflammt. Diese hatte seit den tödlichen Polizeischüssen auf den unbewaffneten dunkelhäutigen Teenager Michael Brown in Ferguson im vergangenen August zu landesweiten Protesten geführt. Auch das Opfer in South Carolina war schwarz.

Spektakuläre Flucht

Die Festnahme in Kalifornien folgte am Donnerstag auf die spektakuläre Flucht eines 30-Jährigen, nachdem die Polizei einen Durchsuchungsbefehl im Zuge einer Ermittlung zu Identitätsraub ausführen wollte. Der Mann floh zunächst per Auto und anschliessend mit einem gestohlenenPferd. Kilometerweit verfolgten ihn die Polizisten zu Fuss.

Das Video zeigt, wie der in grellem Rot gekleidete Mann von dem Pferd fällt. Ein Polizist richtet dann seinen Elektroschocker auf ihn. Der 30-Jährige streckt Beine und Arme von sich und nimmt schliesslich seine Hände in einer Kapitulationsgeste hinter seinem Rücken zusammen. Zwei Beamte treten ihm daraufhin dennoch gegen den Kopf und zwischen die Beine. Wenig später kommen andere Polizisten dazu.

«Das hier ist noch nicht vorbei»

Zwei Polizisten zogen sich Abschürfungen und leichte Knie- und Rückenverletzungen zu, als sie von dem Pferd getroffen wurden. Der 30-Jährige, der ebenfalls Hautabschürfungen sowie blaue Flecken erlitt, wurde wegen des Verdachts der Täterflucht, Diebstahls eines Pferdes, Besitzes von gestohlenem Eigentum und rücksichtslosen Fahrens festgesetzt.

Als der Festgenommene am Freitag das Gefängnis mit seinen Anwälten verliess, berichteten seine Verteidiger KNBC-TV, ihr Mandant habe ein äusserst angeschwollenes Auge, Spuren von Schlägen im Gesicht und auf dem ganzen Körper und Schmerzen.

«Er erinnert sich, dass er geschlagen wurde, und er erinnert sich, dass er keinen Widerstand geleistet hat, dass er ruhig gelegen hat und (Aufforderungen) sofort nachkam», sagte Anwältin Sharon Brunner. «Er sagte, dass er nicht einmal einen Muskel bewegt hat, weil er nicht wollte, dass er weiterhin geschlagen wird, dennoch ist es immer noch passiert.» Anwalt Jim Terrell fügte hinzu, dass der 30-Jährige berichtet habe, ein Polizist habe ihm ins Ohr geflüstert: «Das hier ist noch nicht vorbei.»

(AP/sda)

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