Die fatalen letzten Sekunden von Flug OZ 214

Sieben Sekunden vor der Bruchlandung der Boeing 777 in San Francisco war im Cockpit klar: Das Tempo ist zu tief. Der Durchstarteversuch kam zu spät. Was die ersten Auswertungen ans Licht bringen.

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Die Maschine sei zu langsam geflogen, sagte die Chefin der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB, Deborah Hersman. Ersten Ermittlungen zufolge versuchte der Pilot von Flug OZ 214, die Boeing 777 im letzten Moment vor dem Aufprall durchzustarten. Damit verdichten sich Hinweise, dass menschliches Versagen das Unglück ausgelöst haben könnte.

Der ansonsten erfahrene Flugzeugführer habe noch nie zuvor eine Maschine des verunglückten Typs auf die Landebahn des Flughafens von San Francisco gesetzt, sagte heute eine Sprecherin des südkoreanischen Verkehrsministeriums in Sejong. «Der Pilot befand sich für Flüge mit einer Boeing 777 noch im Übergangstraining.»

Der Flug nach San Francisco sei aber für Piloten im Training nicht ungewöhnlich. Der betroffene Pilot habe zuvor eine solche Maschine neunmal gelandet und 43 Flugstunden mit einer Boeing 777 hinter sich gehabt. Nach Angaben der Fluggesellschaft Asiana hatte der 46-Jährige insgesamt etwa 10'000 Flugstunden absolviert.

Langsame Anfluggeschwindigkeit

Weder die amerikanischen noch die südkoreanischen Behörden wollten bisher von einem Pilotenfehler sprechen. Hersman betonte aber, dass die Anfluggeschwindigkeit deutlich unter den notwendigen 253 Kilometern pro Stunde gelegen habe.

Die Ermittlungen könnten sich nach Angaben des südkoreanischen Verkehrsministeriums noch über Monate, vielleicht Jahre hinziehen. Ein gemeinsames Team von Ermittlern des Ministeriums, die in die USA geflogen waren, und Vertretern der US-Behörden hatte danach die insgesamt vier Piloten im Cockpit der verunglückten Maschine zum Hergang der Unfalls befragt.

Der vorläufigen Auswertung des Flugschreibers zufolge forderte ein Mitglied der Cockpit-Besatzung sieben Sekunden vor der fatalen Bruchlandung, die Fluggeschwindigkeit zu erhöhen. Ein vom Fernsehsender CNN veröffentlichtes Video deutet an, dass die Boeing 777 viel zu tief flog, bevor sie die Landebahn erreichte.

Der Mitschnitt der Funkaufnahmen aus dem Cockpit gebe keinen Anlass zu glauben, dass die Maschine einen technischen Defekt gehabt habe. Auch dass ein wichtiges Navigationssystem am Boden abgeschaltet war, hätte nicht zu dem Absturz führen dürfen, sagte Hersman. Das System sei wegen des guten Wetters nicht notwendig gewesen. Die US-Sicherheitsbehörde NTSB wertet seit Sonntag die Flugschreiber der Maschine aus, die seit 2006 für die Fluggesellschaft im Einsatz war.

Sechs Passagiere weiterhin in Lebensgefahr

Mindestens sechs Insassen waren laut einer Krankenhaussprecherin auch gestern Abend noch in kritischer gesundheitlicher Verfassung. Insgesamt überlebten 305 Menschen; zwei junge Chinesinnen kamen ums Leben. Mehr als 180 Menschen wurden verletzt. Die Boeing 777-200 war nach einem zehnstündigen Flug von Seoul ohne Vorwarnung auf der Landebahn des internationalen Airports der Westküstenmetropole aufgeschlagen. Sie brach auseinander und brannte grösstenteils aus.

«Wir haben sehr viel Glück gehabt, dass wir so viele Überlebende haben», sagte der Bürgermeister der Stadt, Ed Lee. «Das hätte viel schlimmer sein können.» Der Flughafen liegt am Ufer der Bucht von San Francisco. Möglicherweise seien die Räder gegen eine Begrenzung geprallt, so dass der Pilot die Kontrolle über den Flieger verloren habe, meinten Beobachter.

rbi/sda

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