«Wenn ich das Flugzeug stehlen wollte, dann hätte ich es dort getan»

Teile des Funkverkehr zwischen der Boeing 777 und der Bodenkontrolle sind bekannt geworden. Ein Pilot bezeichnet derweil den Ort, an dem die Maschine abdrehte, als ideal für eine Entführung.

Die Kommunikation zwischen den Piloten des Malaysia Airlines Flugs MH370 und der Bodenkontrolle verlief vor dem Verschwinden der Maschine normal. Das zeigen Auszüge aus einem Transkript des Funkverkehrs. Kopilot Fariq Abdul Hamid gab routinemässige die Position, die Steigung und die Flughöhe der Boeing 777-200 durch. «Er verhielt sich eher lässig und hielt sich manchmal nicht an die offiziellen Sprachregelungen», schreibt die Online-Seite der britischen Zeitung «The Telegraph». Seine Äusserungen liessen jedoch nicht darauf schliessen, dass das Flugzeug verschwinden würde.

Potentiell auffällig könnte lediglich eine zweifache Mitteilung sein. Um 1.07 Uhr habe Hamid eine Flughöhe von 35'000 Fuss gemeldet. Dasselbe hatte er jedoch schon sechs Minuten zuvor kommuniziert. Der zweite Funkspruch sei deshalb überflüssig gewesen. Der ehemalige Boeing-777-Pilot Steve Landells erachtet das aber nicht als verdächtig. Hamid könnte die erste Meldung auch vergessen haben oder nicht sicher sein, ob er die Flughöhe bereits gemeldet hatte.

Für einen anderen Piloten, Stephen Buzdygan, der den selben Flugzeugtyp für British Airways geflogen hatte, ist der Ort, an dem die Maschine offenbar den Kurs geändert hatte, jedoch ideal für eine eine Entführung: «Wenn ich das Flugzeug stehlen wollte, dann hätte ich es dort getan». Das Flugzeug ging während der Übergabe zwischen den Flugkontrollzentren Malaysias und Vietnams verloren. Zwei Minuten nach dem letzten Funkspruch schaltete jemand den Radartransponder ab. Das Flugzeug verschwand von den zivilen Radars. Es drehte scharf ab, und flog westwärts weiter. «Zwischen den Flugkontrollzentren kann es einen toten Raum geben», erklärt Buzdygan.

Schlechtes Wetter behindert Suche

Mehrere Flugzeuge hatten die Suche nach der vermissten Passagiermaschine der Malaysia Airlines heute fortgesetzt. Sie hätten die mutmasslichen Trümmerteile, die auf Satellitenbildern im Indischen Ozean gesichtet wurden, jedoch noch nicht gefunden, sagte der stellvertretende Premierminister Australiens, Warren Truss. Die Suche soll am Samstag fortgesetzt werden.

Schlechtes Wetter erschwerte die Bemühungen der Suchtrupps. Drei australische Maschinen, dazu eine amerikanische und eine weitere aus Neuseeland waren am Freitag bei Regen, Nebel und dichten Wolken über dem Tausende Quadratkilometer grossen Gebiet auf halber Strecke zwischen Australien und der Antarktis unterwegs. Dort waren zwei mögliche Wrackteile von 24 und fünf Metern Länge gesichtet worden.

Am Samstag sollen sich nach Truss' Angaben zwei chinesische Flugzeuge dem Einsatz anschliessen, für Sonntag werden zwei japanische Maschinen erwartet. Eine kleine Schiffsflotte aus China dürfte noch etwas länger brauchen, bis sie in dem Suchgebiet eintrifft. «Wir tun alles was wir können und wir werden nicht aufgeben», sagte Truss. Die Aktion wird durch die grosse Entfernung vom Festland erschwert: Den Flugzeugen bleibt nach der Ankunft im Suchgebiet Treibstoff für etwa zwei Stunden, bevor sie den Rückflug antreten müssen.

«Bislang beste Spur»

Der Leiter der Schifffahrtsbehörde AMSA, John Young, sprach am Donnerstag von der bislang besten Spur, schränkte aber auch ein, dass die Teile nicht zum vermissten Flugzeug gehören müssen. Der australische Premierminister Tony Abbott sagte, man suche mit höchstem Einsatz nach möglichen Trümmern. «Wir haben alles, was wir haben, auf die Gegend konzentriert, um herauszufinden, was es mit diesen Trümmern auf sich hat», sagte er bei einem Staatsbesuch in Papua-Neuguinea.

Mike Yardley, Generalmajor der neuseeländischen Luftwaffe, zeigte sich zuversichtlich, dass die Teile gefunden werden, wenn sie nicht inzwischen untergegangen sind. «Ich war schon früher an solchen Missionen beteiligt, wenn es ein paar Tage gedauert hat, um zu Ergebnissen zu kommen», sagte er.

Chinesischer Präsident «am Boden zerstört»

Der malaysische Verteidigungsminister Hishammuddin Hussein stellte sich auf eine lange Suche nach den mutmasslichen Wrackteilen ein. Er sagte, er wolle am Wochenende mit US-Verteidigungsminister Chuck Hagel über weitere Hilfe der USA sprechen.

Abbott sprach auch mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Dieser sei «am Boden zerstört». Von den 227 Passagieren der vermissten Maschine waren 154 aus China. Malaysische Staatsvertreter trafen in Peking die Angehörigen der chinesischen Insassen der Maschine. Diese sagten nach einem zweistündigen Briefing, es gebe keine Neuigkeiten.

Die Passagiermaschine der Malaysia Airlines war am 8. März auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking verschwunden. Von den 227 Passagieren und den zwölf Besatzungsmitgliedern fehlt trotz einer der grössten Suchaktionen in der Geschichte der Luftfahrt bis heute jede Spur.

«Wir suchen mit höchstem Einsatz»

Australien sucht nach Worten seines Premierministers Tony Abbott mit höchstem Einsatz nach möglichen Trümmern des vermissten malaysischen Passagierflugzeugs. «Wir haben alles, was wir haben, auf die Gegend konzentriert, um herauszufinden, was es mit diesen Trümmern auf sich hat», sagte er am Freitag bei einem Staatsbesuch in Papua-Neuguinea.

Er räumte aber auch ein, dass es sich bei den beiden auf Satellitenfotos entdeckten Objekten im Indischen Ozean auf halbem Weg zwischen Australien und der Antarktis «auch um einen Container handeln kann, der von einem Schiff gefallen ist. Wir wissen es nur nicht».

chk/AP/sda

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