Als Ausserrhodens Frauen politisch mündig wurden

Vor genau 30 Jahren sagten die Männer an der Landsgemeinde Ja zum Frauenstimmrecht. Aline Auer erinnert sich an den Kampf.

Unermüdlicher Kampf für Frauenrechte: Aline Auer. (Video: Tamedia)

Politikerinnen, Politiker und Prominente hatten jahrelang für die politische Gleichberechtigung der Frauen in Ausserrhoden gekämpft. Am 30. April 1989 wurde die Abstimmung an der Landsgemeinde in Hundwil trotzdem zur Zitterpartie: Nur mit knappem Mehr befürworteten die Ausserrhoder Männer das Frauenstimmrecht.

Es sei ein «grossartiger, erhabener Moment» gewesen, erinnert sich heute Aline Auer, die an vorderster Front für das Frauenstimmrecht in Ausserrhoden gekämpft hatte. Einige Männer seien nach dem äusserst knappen Ja vom Landsgemeindeplatz in Hundwil davongelaufen, sagt die 69-Jährige.

Nachher sei es mit der Frauensache «in grossen Schritten vorwärts gegangen». 1990 wurden zwei Frauen in die damals noch siebenköpfige Ausserrhoder Regierung gewählt. Auch im Kantonsrat waren die Frauen rasch sehr gut vertreten. Das ist bis heute so geblieben.

Erfolglose Anläufe seit 1970

Vor dem historischen Entscheid von 1989 hatte sich die Ausserrhoder Landsgemeinde zwischen 1970 und 1984 fünf Mal gegen das Frauenstimmrecht ausgesprochen. 1972 wurde zwar die Möglichkeit des Frauenstimmrechts auf Gemeindeebene gutgeheissen, das kantonale Stimmrecht aber gleichzeitig abgelehnt.

1976 und 1979 schickten die Ausserrhoder zwei weitere Initiativen bachab. Und 1984 sagte die Landsgemeinde Nein zu einer Urnenabstimmung über das kantonale Frauenstimmrecht.

Ende der Landsgemeinde

An der Landsgemeinde Ende April 1990 in Trogen durften die Frauen dann erstmals im Ring mitentscheiden. Das Bild änderte sich wenig, die Frauen machten die Landsgemeinde etwas bunter, und das traditionelle Landsgemeindelied ertönte in neuer, zweistimmiger Fassung.

Acht Mal fand die Ausserrhoder Landsgemeinde mit Frauen und Männern statt. 1997 beschloss der Kanton in einer Urnenabstimmung die Abschaffung dieser direkt-demokratischen Tradition. Jenen Schritt bereuen einige Ausserrhoderinnen und Ausserrhoder bis heute.

Machtwort aus Lausanne

Dem kleinsten Schweizer Kanton Appenzell Innerrhoden wurde das Frauenstimmrecht am im November 1990 von oben verordnet, nachdem die Männer dies an der Landsgemeinde vom 29. April 1990 noch abgelehnt hatten. Das Bundesgericht hiess daraufhin eine staatsrechtliche Beschwerde gut: Das reine Stimm- und Wahlrecht für Männer verletze die von der Bundesverfassung garantierte Gleichberechtigung von Frau und Mann, stellte es fest.

Am 28. April 1991 nahmen dann erstmals Frauen an der Innerrhoder Landsgemeinde teil. Im Gegensatz zu Ausserrhoden hielt Innerrhoden bis heute an dieser Tradition fest.

sda

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