«Auch ich wurde von Bill Cosby vergewaltigt»

Die Vorwürfe gegen Komiker Bill Cosby sind jahrzehntealt, doch seit kurzem mehren sich die Berichte über sexuellen Missbrauch. Jetzt hat sich auch ein bekanntes US-Model zu Wort gemeldet.

«Am nächsten Morgen wachte ich auf und trug nicht meinen Schlafanzug»: Model Janice Dickinson. (4. November 2013)

«Am nächsten Morgen wachte ich auf und trug nicht meinen Schlafanzug»: Model Janice Dickinson. (4. November 2013)

(Bild: AP Photo)

Ein prominentes Model aus den USA hat wie zuvor mehrere weitere Frauen Missbrauchsvorwürfe gegen Bill Cosby erhoben. Gemäss dem US-Portal Vox.com ist sie bereits die 15. Frau, die den US-Komiker eines sexuellen Übergriffs bezichtigt.

Janice Dickinson sagte in einem Interview des Nachrichtenmagazins «Entertainment Tonight», der sexuelle Übergriff habe im Jahr 1982 im kalifornischen Lake Tahoe stattgefunden, wo Cosby damals einen Auftritt absolviert habe.

(Video: Youtube/Entertainment Tonight)

Cosby wurde nie konfrontiert

Dickinson sagte, Anschuldigungen der Vergewaltigung gegen den Fernsehstar habe sie schon in ihrer Autobiografie von 2002 erhoben. Doch hätten Cosby und dessen Anwälte sie und ihren Verlag gedrängt, die Details aus dem Buch zu streichen.

In Lake Tahoe habe sie sich mit Cosby auf dessen Wunsch hin getroffen, gab die heute 59-Jährige Dickinson an. Er habe ihr bei ihrer Gesangskarriere helfen wollen. Schon früher seien sie sich einmal begegnet, als ihr Agent sie Cosby vorgestellt habe. Damals habe sie sich Hoffnungen auf ein Engagement in der Fernsehserie «Die Bill Cosby Show» gemacht, mit der der Komiker in den 80er Jahren weltweit bekannt wurde.

Dickinson sagte, nach dem Abendessen seien Cosby und sie in ihrem Hotelzimmer gewesen, wo er ihr Rotwein serviert und eine Tablette gegeben habe, nachdem sie wegen Bauchschmerzen danach gefragt habe. «Am nächsten Morgen wachte ich auf, hatte keinen Schlafanzug an und erinnerte mich daran, dass ich von diesem Mann vergewaltigt worden war, bevor ich ohnmächtig wurde.» Sie habe Cosby nie mit dem Vorfall konfrontiert. An die Öffentlichkeit trete sie nun, weil es das Richtige sei und ihr all das tatsächlich widerfahren sei, fügte Dickinson hinzu.

In ihren Memoiren schrieb Dickinson, sie sei an jenem Abend vor Cosbys Hotelzimmertür getreten, als er sie nach dem Abendessen eingeladen habe. Dort habe sie seine Offerte jedoch wegen Erschöpfung abgelehnt, woraufhin Cosby entgegnet habe: «Nach allem was ich für dich getan habe, bekomme ich das hier?» Dann habe ein verärgerter Cosby die Tür vor ihrer Nase zugeknallt, schrieb Dickinson damals.

Netflix legt Cosby-Sendung auf Eis

Der mittlerweile 77 Jahre alte Komiker wurde nie strafrechtlich wegen Missbrauchsvorwürfen angeklagt. 2006 legte er eine Zivilklage mit einer Frau wegen eines angeblichen Zwischenfalls zwei Jahre zuvor bei.

Die Missbrauchsvorwürfe gegen Cosby waren in den vergangenen Wochen erneut aufgekommen, als der Komiker Hannibal Buress ihn als «Vergewaltiger» bezeichnet hatte. Kurz darauf erhoben zwei andere Frauen Anschuldigungen gegen Cosby, eine von ihnen die Schauspielerin Barbara Bowman in einem Artikel der Online-Ausgabe der «Washington Post.» Cosby liess über seinen Anwalt John P. Schmitt ausrichten, er werde sich nicht zu «jahrzehntealten, entehrenden» Vorwürfen äussern.

Nur wenige Stunden nach Dickinsons Interview gab der Streaming-Kanal Netflix bekannt, die für den 27. November geplante Premiere der Sondershow «Bill Cosby 77» werde vorerst auf Eis gelegt. Ein Grund wurde nicht genannt. Cosbys Sprecher David Brokaw sagte, sein Chef sei mit der Entscheidung einverstanden. Ein Kommentar zu den Anschuldigungen Dickinsons gab er zunächst nicht ab.

ajk/AP

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