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Autofahrt in den Abgrund des Kriegs

1910, noch vier Jahre bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Der Emmentaler Fotograf Griebel hat eine Familienidylle in einem Garten festgehalten. Das Foto ist der Auftakt zu einer neuen Bildserie in dieser Zeitung. In welchem Verhältnis die Personen wohl zueinander stehen? Drei bis vier Kinder sind damals in Schweizer Familien die Regel. Auch die Rollenteilung ist klar: Die Frauen kümmern sich um die Handarbeiten und winden Garn. Die Männer helfen entweder lesend mit, schauen zu oder sind in Lektüre vertieft. Ab August 1914 dürfte diese Familie wie viele andere auch auseinandergerissen werden: Die Eidgenossenschaft schickt wehrfähige Männer an die Grenzen. Die zurückgelassenen Frauen werden ihre Familien alleine durchbringen müssen.
Ob die Bewohner der Stadt Bern im Jahr 1915 Dichtestress empfunden haben? Der Erste Weltkrieg ist gerade ausgebrochen. Fussgänger und öffentlicher Verkehr müssen sich in der Bundesstadt den Platz immer mehr teilen. Das geht durchaus geordnet: In der Spitalgasse drängen sich die Einwohner auf der einen Seite durch die Strassen. Auf der anderen Seite machen sich bereits die Vorboten der Beschleunigung und des Fortschritts bemerkbar. Trams befördern die Stadtbewohner gradlinig und schnell durch Bern. Die Fahrzeuge weichen dazu sogar historischen Brunnen ehrfürchtig aus. Erste Automobile fahren auch schon durch die Innenstadt. Die modernen Maschinen haben die Pferdekutschen aus dem Stadtbild verdrängt. Bern kommt im 20. Jahrhundert an.
Jenseits der Schlachten und in der verschonten Schweiz ist der Krieg ein Kinderspiel. Jedenfalls auf diesem Bild, das wohl  im Herbst 1914 kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs  entstanden ist. Auf dem Berner Hausberg, dem Gurten, befinden sich Knaben  beim Kadettenspiel in einer Schiessstellung. Patriotisch zeigen sie dabei Flagge. Zeitgleich aufgenommene Bilder zeigen die gleichaltrigen Mädchen beim Ringelreihen. Auch wenn das Spiel der Knaben um einiges kriegerischer  ist, betreiben sie es doch mit einer ähnlichen Unschuld wie die Mädchen ihren Reigen. Die Schiessübung der Knaben ist noch erfüllt von der Begeisterung und der patriotischen Aufwallung der ersten Kriegswochen. Von der selbstverständlichen Militarisierung des Schulbetriebs. Und sie ist noch gänzlich unbeeindruckt vom sich bald einstellenden Schrecken auf den Schlachtfeldern, auf denen Europas Kriegsmächte vier Jahre lang ihre jungen Generationen verheizen werden.
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