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Sektenführerin Uriella ist tot

Die Chefin der Sekte Fiat Lux ist am Sonntagnachmittag verstorben. Am vergangenen Mittwoch hatte Uriella ihren 90. Geburtstag gefeiert.

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Das war Uriella: Sie verstand sich als Sprachrohr von Jesus Christus und gründete die religiöse Bewegung Fiat Lux. (Video: SRF/Tamedia)

Die Gründerin und Chefin der Sekte Fiat Lux, Erika Bertschinger-Eicke alias Uriella, ist tot. Die Schweizerin, die in den 1980er Jahren im Appenzellerland als Geistheilerin begonnen hatte, starb im Alter von 90 Jahren in Ibach im Schwarzwald.

Bestätigt vom Bürgermeister der Gemeinde: Die Sektenführerin Uriella verstarb im Alter von 90 Jahren in ihrer Wahlheimat im Schwarzwald.
Bestätigt vom Bürgermeister der Gemeinde: Die Sektenführerin Uriella verstarb im Alter von 90 Jahren in ihrer Wahlheimat im Schwarzwald.
WINFRIED ROTHERMEL, Keystone
Folgen eines schweren Sturzes: Seit einem Reitunfall im Jahr 1973, wo sich Uriella schwere Kopfverletzungen zuzog, behauptete sie, hellsehend zu sein.
Folgen eines schweren Sturzes: Seit einem Reitunfall im Jahr 1973, wo sich Uriella schwere Kopfverletzungen zuzog, behauptete sie, hellsehend zu sein.
Martin Ruetschi, Keystone
Perlen und ein weisses Kleid: Uriella setzte auf ihre Markenzeichen. Die schwarze Perücke trug sie, um die Narben ihrer Kopfverletzung zu verdecken.
Perlen und ein weisses Kleid: Uriella setzte auf ihre Markenzeichen. Die schwarze Perücke trug sie, um die Narben ihrer Kopfverletzung zu verdecken.
Walter Bieri, Keystone
Soll mit Jesus in Kontakt gestanden sein: Uriella ernannte sich selbst als direktes Sprachrohr Gottes.
Soll mit Jesus in Kontakt gestanden sein: Uriella ernannte sich selbst als direktes Sprachrohr Gottes.
Martin Ruetschi, Keystone
Fungierte zeitlebens als Führerin der Gemeinschaft: 1980 gründete Uriella die religiöse Sekte Fiat Lux.
Fungierte zeitlebens als Führerin der Gemeinschaft: 1980 gründete Uriella die religiöse Sekte Fiat Lux.
Michael Kupferschmidt, Keystone
Sie polarisierte: Nach ihrer Gründung scharrte Uriella Tausende Anhänger um sich und trat bis zur Jahrtausendwende regelmässig in den Medien auf.
Sie polarisierte: Nach ihrer Gründung scharrte Uriella Tausende Anhänger um sich und trat bis zur Jahrtausendwende regelmässig in den Medien auf.
Walter Bieri, Keystone
Uriella, Gruenderin und Oberhaupt der neureligioesen Bewegung Fiat Lux, betaetigt sich als Geistheilerin, aufgenommen am 17. April 1994 in ihrem Haus in Egg, Kanton Zuerich. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)
Uriella, Gruenderin und Oberhaupt der neureligioesen Bewegung Fiat Lux, betaetigt sich als Geistheilerin, aufgenommen am 17. April 1994 in ihrem Haus in Egg, Kanton Zuerich. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)
Mehrmals vorbestraft: Uriella stand wegen verschiedenster Delikte vor Gericht. Unter anderem wurde sie wegen Verstössen gegen das Kantonale Heilmittelgesetz und Medikamentenschmuggel verurteilt.
Mehrmals vorbestraft: Uriella stand wegen verschiedenster Delikte vor Gericht. Unter anderem wurde sie wegen Verstössen gegen das Kantonale Heilmittelgesetz und Medikamentenschmuggel verurteilt.
Str, Keystone
Nur ihnen würde Gnade gelten. Uriella verkündete mehrfach den Weltuntergang. Die Mitglieder ihrer Sekte hätten dabei durch Ausserirdische mit Raumschiffen gerettet werden sollen.
Nur ihnen würde Gnade gelten. Uriella verkündete mehrfach den Weltuntergang. Die Mitglieder ihrer Sekte hätten dabei durch Ausserirdische mit Raumschiffen gerettet werden sollen.
Michaela Rehle, Keystone
Schwer krank: Uriella soll seit Jahren gelähmt und auf intensive Pflege angewiesen gewesen sein. Auch von Krebs war in den Medien immer wieder die Rede.
Schwer krank: Uriella soll seit Jahren gelähmt und auf intensive Pflege angewiesen gewesen sein. Auch von Krebs war in den Medien immer wieder die Rede.
Martin Ruetschi, Keystone
Verlor viele Anhänger: In den vergangenen zehn Jahren lebte Uriella zurückgezogen im deutschen Ibach. In der Öffentlichkeit wurde sie seit Jahren nicht mehr gesehen.
Verlor viele Anhänger: In den vergangenen zehn Jahren lebte Uriella zurückgezogen im deutschen Ibach. In der Öffentlichkeit wurde sie seit Jahren nicht mehr gesehen.
Michael Kupferschmidt, Keystone
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Dies teilte die Gemeinde Ibach am Montag mit. Uriellas Ehemann, der Sprecher der Sekte ist, bestätigte ebenfalls den Tod. Bertschinger-Eicke war am 20. Februar 90 Jahre alt geworden. Sie hatte Fiat Lux nach Angaben der Sekte 1980 gegründet. Die Gruppe hat ihren Sitz im Dorf Ibach im Schwarzwald.

Nach Jahren der Kontroversen sei es um die umstrittene religiöse Bewegung und ihre Gründerin in den vergangenen Jahren ruhig geworden, sagte Ibachs Bürgermeister Helmut Kaiser am Montag. Fiat Lux habe in der Öffentlichkeit kaum noch eine Rolle gespielt.

Medienberichten zufolge hat die Sekte, die ihren Sitz in einem früheren Schwarzwaldbauernhof hat, nur noch wenige Mitglieder. In den 1990er Jahren gehörten ihr eigenen Angaben zufolge noch 700 Personen in der Schweiz, Deutschland und Österreich an.

Von Ausserrhoden in den Schwarzwald

Uriella hatte die Sekte in der Schweiz gegründet und war mit ihr dann ins deutsche Ibach gezogen. Sie verschrieb sich der Missionierung und kündigte mehrfach den Weltuntergang an.

Die christlichen Kirchen stufen Fiat Lux als Sekte ein. Wegen juristischer Auseinandersetzungen beschäftigten sich mehrfach Gerichte mit der Sekte und deren Gründerin. Wegen Zoll- und Steuerhinterziehung wurde Uriella 1998 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Uriella, die von sich behauptete, Sprachrohr Gottes zu sein, besass seit 1983 eine Bewilligung als Heilpraktikerin in Appenzell Ausserrhoden. Die Sektenchefin führte eine «mediale naturärztliche» Praxis in Schwellbrunn AR. In den 1990er Jahren geriet sie damit in Konflikt mit Gesetzen und Behörden.

Im Visier des «Kassensturzes»

Die Ausserrhoder Sanitätsdirektion beschlagnahmte 1992 nach kritischen «Kassensturz»-Berichten in Schwellbrunn grössere Mengen von Heilmitteln und wollte Uriella die Bewilligung entziehen. Die Behörden warfen der Geistheilerin Abgabe von nicht registrierten Heilmitteln, verbotenen Versandhandel sowie Diagnosen und Therapien an Patienten ohne vorherige Konsultation vor.

Uriella und ihr Ehemann Icordo wehrten sich gegen den Entzug der Heilpraktiker-Bewilligung und hielten 1994 vor dem Ausserrhoder Obergericht Recht. Die Sektenführerin wurde aber zu einer Busse verurteilt und musste 50'000 Franken urechtmässig erzielten Gewinns abliefern.

Weit härtere Vorwürfe als im Appenzellerland musste sich das Ehepaar Bertschinger in Bayern gefallen lassen. Dort kam es 1993 zu einer Strafuntersuchung wegen fahrlässiger Tötung, Steuerhinterziehung und Bestechung. Die Anklage warf der Chefin von Fiat Lux vor, für den Tod zweier Sektenmitglieder mitverantwortlich zu sein. Vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung wurde Uriella aber freigesprochen.

Zahlreiche Prozesse

2002 verpflichtete das Schweizer Bundesgericht die Geistheilerin, einer ehemaligen Anhängerin 625'000 Franken zurückzuzahlen. Die Klägerin aus dem Kanton Zürich hatte dem Orden Fiat Lux 16 Jahre angehört und wiederholt Darlehen gewährt. Nach dem Austritt aus der Sekte 1997 forderte die Frau das Geld zurück, Uriella weigerte sich zu zahlen.

Mehrmals prophezeite Uriella den Weltuntergang, vor dem die Mitglieder von Fiat Lux mit Raumschiffen gerettet würden. Nachdem sich eine solche Ankündigung 1998 als falsch erwies, erklärte Uriella in einer Gerichtsverhandlung, Gott habe den Menschen Aufschub gewährt. Der grosse Knall komme aber sicher vor dem Jahr 2000.

Bildstrecke: Hier residierte Uriella in der Schweiz

Uriellas Villa in Egg ZH: 2009 verkaufte sie das Haus.
Uriellas Villa in Egg ZH: 2009 verkaufte sie das Haus.
homegate.ch
So war das Inserat 2009 bebildert: Die 248 Quadratmeter Wohnfläche kaufte laut «Blick» ein Zürcher Ingenieur.
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homegate.ch
Hier hatte Uriella nach einem Reitunfall ihre ersten Botschaften von Jesus erhalten.
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homegate.ch
Das Haus mit Baujahr 1963 wurde vor dem Verkauf letztmals 1991 renoviert.
Das Haus mit Baujahr 1963 wurde vor dem Verkauf letztmals 1991 renoviert.
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(SDA)

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