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Bern fordert nach Felssturz Geld für Lötschberg

Der Felssturz in Gurtnellen sorgt für Engpässe im Güterverkehr. Daher wird der Ruf nach einem Ausbau des Lötschbergs lauter. Derweil sucht vor Ort ein ferngesteuerter Bagger nach dem verschütteten Bauarbeiter.

Die Gotthardbahnlinie ist wieder in Betrieb: Ein SBB-Zug hält im Bahnhof Flüelen. (26. Juni 2012)
Die Gotthardbahnlinie ist wieder in Betrieb: Ein SBB-Zug hält im Bahnhof Flüelen. (26. Juni 2012)
Keystone
Zwischen Flüelen und Göschenen waren Ersatzbusse im Einsatz: SBB-Passagiere beim Umsteigen im Bahnhof Flüelen.
Zwischen Flüelen und Göschenen waren Ersatzbusse im Einsatz: SBB-Passagiere beim Umsteigen im Bahnhof Flüelen.
Keystone
Geologen haben den Berghang als instabil bezeichnet: Der Fels über dem Gotthard-Eisenbahntrassee wird gesprengt. (10. März 2012)
Geologen haben den Berghang als instabil bezeichnet: Der Fels über dem Gotthard-Eisenbahntrassee wird gesprengt. (10. März 2012)
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Im Bergsturzgebiet von Gurtnellen UR wird seit gestern Abend ein ferngesteuerter Bagger eingesetzt. Das unbemannte Gerät soll in dem steinschlaggefährdeten Gebiet den verschütteten Bauarbeiter bergen.

Fränzi Stalder, Sprecherin der Kantonspolizei Uri, bestätigte heute Medienberichte, dass der Bagger gestern um 17 Uhr mit ersten Bergungsarbeiten begonnen habe. Die Maschine stehe auch heute im Einsatz, sagte sie.

Am Dienstag war in der Gemeinde Gurtnellen ein 29-jähriger Urner von einem Felssturz verschüttet worden. Er war als Bauarbeiter damit beschäftigt, einen Damm wieder herzustellen, der die Gotthardbahnlinie vor Steinschlag schützen sollte.

Vermutlich grössere Sprengung

Weil weiterhin akute Felssturzgefahr herrscht, dürfen sich keine Menschen in das Unglücksgebiet begeben und nach dem Verschütteten suchen. Als besonders gefährlich eingestuft wird ein 400 bis 500 Kubikmeter grosses Felsstück, das abzustürzen droht.

Sofern sich der Block nicht selbst löst, wird er weggesprengt. SBB-Sprecher Christian Ginsig erklärte heute, dass vermutlich noch mehr gesprengt werden müsste. Diese Sprengungen dürften wohl nicht vor Mitte nächster Woche durchgeführt werden.

Was genau getan werden muss, um die Sicherheit der Arbeiter zu gewährleisten, wird ein geologisches Modell zeigen, das seit dem Felssturz erarbeitet wird.

ASTRA kommt Camionneuren entgegen

Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) kommt den Camionneuren entgegen und kürzt die für die nächsten drei Wochen vorgesehenen nächtlichen Sperrungen des Gotthardstrassentunnels. Statt von 20 Uhr bis 5 Uhr wird der Tunnel von 22.15 Uhr bis 5.15 Uhr gesperrt.

Mit Blick auf die mögliche Zunahme des Lastwagenverkehrs will das ASTRA die Rahmenbedingungen für den Schwerverkehr optimieren, wie das Bundesamt am Freitag mitteilte. Weil jedoch eine Lastwagenschwemme bisher ausgeblieben ist, werden keine ausserordentlichen Massnahmen getroffen. Es herrsche kein Notstand, sagte ASTRA-Sprecher Thomas Rohrbach auf Anfrage.

Die zwölf geplanten Sperrnächte wegen Unterhaltsarbeiten im Gotthardstrassentunnel zwischen dem 11. und dem 28. Juni werden beibehalten, aber verkürzt. Eine Verschiebung der Unterhaltsarbeiten sei aus Sicherheitsgründen und mit Rücksicht auf die beginnende Ferienreisezeit nicht möglich, teilte das ASTRA weiter mit.

Es sei möglich, dass wegen der gekürzten Sperrzeiten auf gewisse Arbeiten verzichtet werden müsse, sagte Rohrbach. Die zentralen Arbeiten würden aber gemacht.

Auch Simplon-Pass freier befahrbar

Das Tropfenzählerportal vor dem Gotthardstrassentunnel werde für Lastwagen bis zu einem Maximum von 150 Camions pro Stunde offen gehalten. Es ausser Betrieb zu nehmen, kommt gemäss ASTRA nicht in Frage, weil es die Sicherheit im Tunnel gewährleistet.

Weder das Nachtfahrverbot noch eine Erhöhung der Gewichtslimite seien derzeit notwendig - sowenig wie eine Lockerung für Sondertransportbewilligungen. Das ASTRA beobachte die Entwicklung des Verkehrs auf den Nationalstrassen durch die Alpen sorgfältig und nehme periodisch Lagebeurteilungen vor.

Erleichterungen gibt es auch auf der Simplon-Passstrasse. Die zwei Baustellen mit Spurreduktion und Rotlichtbetrieb werden soweit aufgehoben, dass die Strasse über den Simplon durchgehend zweispurig befahrbar wird.

Zusammenbruch des Verkehrs befürchtet

Der Felssturz am Gotthard und seine Folgen zeigen für den Kanton Bern, dass der Lötschbergbasistunnel voll ausgebaut werden muss. Er forderte heute, der Bund müsse «dringend» die nötigen Mittel für den durchgehend zweispurigen Betrieb des Tunnels freigeben.

Für den Kanton Bern braucht es ebenso dringend auch eine drittes Geleise auf der Zufahrtsstrecke im Aaretal zwischen Bern und Thun, wie die bernische Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion in einer Mitteilung schreibt. Ohne diesen Ausbau riskiere die Schweiz den Zusammenbruch des gesamten alpenquerenden Verkehrs.

Nur teilweise bahntechnisch ausgebaut

Der Lötschbergbasistunnel besteht zwar fast vollständig aus zwei Röhren, doch ist die eine nur teilweise bahntechnisch ausgebaut. Der andere Teil ist aus Kostengründen im Rohbau belassen worden. Die bernische Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin Barbara Egger-Jenzer hat wiederholt den Vollausbau des Tunnels gefordert.

Sie wird darin seit März 2011 unterstützt vom sogenannten Lötschberg-Komitee. Sieben Kantone machen im Komitee mit.

Nach dem Felssturz bei Gurtnellen ist die Gotthard-Bahnstrecke während eines ganzen Monats geschlossen. Das sorgt im Güterverkehr für grosse Engpässe. Die Lötschberg-Simplon-Strecke vermag nicht alle Güterzüge aufzunehmen, die normalerweise durch den Gotthardtunnel geführt werden.

SDA/rbi

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