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Betancourt wie Kampusch und Fritzl-Opfer

Die sechs Jahre von kolumbianischen Rebellen festgehaltene Ingrid Betancourt vergleicht ihr Schicksal mit dem Leid von Natascha Kampusch und den Opfern des Inzestfalls von Amstetten in Österreich.

Bei der Entgegennahme der Auszeichnung zur «Frau des Jahres» sagte sie in Wien, sie empfinde grosse Liebe und Mitgefühl für die Opfer von Josef F., der seine Tochter 24 Jahre lang in einem Kellerverlies als Gefangene hielt und sieben Kinder mit ihr zeugte.

Treffen mit Kampusch geplant

Sie plane ausserdem ein Treffen mit Natascha Kampusch, die als Zehnjährige auf dem Schulweg entführt und knapp achteinhalb Jahre in einem Kellerverlies gefangen gehalten wurde. «Ich weiss, ich werde die Familie F. nicht treffen, da sie in ihrer eigenen Welt leben. Aber von hier aus möchte ich ihnen sagen, wie sehr ich sie liebe, wie sehr ich mich um sie sorge, und wie sehr ich sie verstehe», sagte sie mit tränenerstickter Stimme. Betancourt kündigte an, sie werde sich im nächsten Jahr vorübergehend aus der Öffentlichkeit zurückziehen, um ein Buch über ihre Verschleppung zu schreiben.

Betancourt war bei der Verleihung sichtlich gerührt und erklärte, es sei ihr wichtig, dass die Welt das Leiden Kolumbiens verstehe. Lob sprach die ehemalige Geisel dem Staat Österreich aus, da sie während ihrer Gefangenschaft immer die Liebe und Hilfe des Landes gespürt habe, sagte sie der österreichischen Nachrichtenagentur APA zufolge.

«Fürsprecherin für Frieden und Demokratie»

Der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer lobte Betancourt bei der Überreichung des «Woman of the Year Award 2008» als «Fürsprecherin für Frieden und Demokratie». Betancourt sei als Überlebende sinnlosen Terrors gleichzeitig «Botschafterin der Hoffnung, für all jene, die noch in Hoffnungslosigkeit leben und leiden».

Rebellen der linksgerichteten FARC hatten 2002 die damalige Präsidentschaftskandidatin verschleppt. Nach sechs Jahren im kolumbianischen Dschungel war sie im Juli bei einer Militäraktion befreit worden. Anschliessend kehrte die Politikerin in ihre Wahlheimat Frankreich zurück. Eine Rückkehr in die kolumbianische Politik lehnt sie bislang unter Hinweis auf Sicherheitsrisiken für ihre Familie ab.

AP/cpm

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