Zum Hauptinhalt springen

Bieler versuchte Frau mit Kopfkissen zu ersticken

Ein Bieler wollte seine ganze Familie auslöschen. Im letzten Moment kam er zu Besinnung. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 3 1/2 Jahren.

Für einen abgebrochenen Tötungsversuch ist ein 60- jähriger Mann vom Kreisgericht Biel-Nidau zu einer Freiheitsstrafe von 3 1/2 Jahren verurteilt worden. Der Schweizer hatte seiner Frau ein Kopfkissen aufs Gesicht gedrückt; nur mit grösstem Kraftaufwand konnte sie sich befreien.

Das Gericht qualifizierte das Geschehen als Versuch der vorsätzlichen Tötung. Das Delikt geschah im Juli 2009 in einem Dorf in der Umgebung von Biel. Dort lebte die Ehefrau gerichtlich getrennt von ihrem Mann. Sie strebte die Scheidung an; er war damit nicht einverstanden.

Zuvor ein Selbstmordversuch

Kurzarbeit habe seine Sorgen verstärkt und ihm zu viel Zeit zum Nachdenken über seine ausweglos erscheinende Situation gegeben, berichtete der Angeschuldigte dem Gericht. Deshalb habe er zwei Tage vor der Tat einen Selbstmordversuch unternommen.

Am Tatabend habe er zum Nachtessen und danach vier bis fünf Gläser Wein konsumiert. Anschliessend habe er eine Aussprache mit seiner Frau erzwingen wollen. Immer noch im Besitz eines Hausschlüssels, sei er in ihr Schlafzimmer marschiert und habe sie geweckt.

Darauf habe er seinen Kropf geleert und Vorwürfe wegen früherer Vorkommnisse geäussert. Er habe Aussichtslosigkeit, Missmut und Wut verspürt. Seine Frau habe kaum geantwortet und sich von ihm abgewendet. «Da habe ich die Nerven verloren», erklärte der Angeklagte.

Kinder brachten ihn zur Besinnung

Er setzte sich auf die im Bett liegende Frau und drückte ihr ein Kissen aufs Gesicht. Sie wehrte sich mit allen Kräften und konnte sich so etwas Luft verschaffen. «Als sie mich mit meinem Vornamen anrief und mich bat, an die Kinder zu denken, bin ich zur Besinnung gekommen. Ich erkannte, dass ich das nicht tun durfte», erzählte der Angeschuldigte.

Zuvor habe er kurz den Gedankenblitz gehabt, beide auszulöschen. Doch dann habe er den Druck gelöst. Der amtliche Verteidiger schloss daraus auf einen Rücktritt von der Tat. Dafür beantragte er eine bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr.

Mindeststrafe unterschritten

Staatsanwalt Peter Bohnenblust hingegen argumentierte, die Frau habe sich aus eigener Kraft befreit. Er beantragte vier Jahre Freiheitsstrafe. Das Gericht folgte ihm weitgehend. Die Schilderungen des Opfers deuteten nicht darauf hin, dass der Druck plötzlich stark gelockert worden sei, erläuterte Gerichtspräsident Markus Gross in der Urteilsbegründung. Da es sich jedoch um einen Versuch gehandelt habe, könne gemäss Strafgesetz die Mindeststrafe für vorsätzliche Tötung unterschritten werden.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch