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Bootsflüchtlinge werden zum Ebola-Risiko

Täglich kommen Flüchtlinge aus Afrika in Italien an. Die Bevölkerung befürchtet, dass sie das Ebola-Virus mitbringen. Die Regierung reagiert mit einer beispiellosen Aktion.

Italien hat die Gesundheitskontrollen verschärft: Afrikanische Flüchtlinge kommen in Sizilien an. (30. Juni 2014)
Italien hat die Gesundheitskontrollen verschärft: Afrikanische Flüchtlinge kommen in Sizilien an. (30. Juni 2014)
Andrea Scarfo, Keystone

Die Ebola-Epidemie, in Westafrika ausser Kontrolle geraten, musste in Italien Sorgen und Befürchtungen auslösen. Denn immerhin kommen in diesen Monaten mehr Flüchtlinge denn je zuvor von Nordafrika an italienischen Küsten an – dieser Tage werden es bereits 100'000 für das Jahr 2014 sein.

Manche Migranten bringen Krankheiten mit, etwa Tuberkulose und Krätze. Wie gross die Gefahr ist, dass die Ebola-Epidemie auch den europäischen Süden erreicht, und ob denn von den Behörden genug zur frühzeitigen Erkennung getan wird, das hat in Italien zu Unsicherheiten geführt. Zudem löste es auch politischen Streit aus. Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin scheint jedoch felsenfest davon überzeugt, für den Ernstfall vorbereitet zu sein.

Medizinische Untersuchung auf hoher See

Das Gesundheitsministerium unterstütze die italienische Marine seit dem 21. Juni an Bord der Schiffe des Mare-Nostrum-Programms und habe bereits 33'000 Personen medizinisch kontrolliert, erläuterte Lorenzin.

Denn immer wieder schwappen Befürchtungen hoch, angesichts des Riesenansturms von Bootsflüchtlingen könnten bei dem Hilfsprogramm der Marine eventuelle Ebola-Fälle zu spät entdeckt werden. In einer beispiellosen Aktion sei ein «Screening auf See» eingeführt worden, ergänzte die Ministerin. Dabei geht es nicht nur um Ebola, sondern auch um andere Krankheiten, die eingeschleppt werden.

Dabei kommen in Sizilien oder Kalabrien nur wenige Migranten etwa aus dem von der Epidemie betroffenen Sierra Leone an – für Westafrikaner führt der Weg nach Europa eher über Spanien als über das viel weiter entfernte Italien. Wer von der italienischen Marine oder Küstenwache an Bord geholt wird, stammt meist aus Syrien, Eritrea, Somalia oder Pakistan.

Auch Kontrollen an Flughäfen

Nach dem Ebola-Ausbruch habe man die Kontrollen sofort auch an den Flughäfen verstärkt, ohne dies an die grosse Glocke zu hängen. So zeigen sich die Gesundheitsbehörden sicher, das Virus von Italien und damit von Europa fernzuhalten. Wissenschafter meinen, die kurze Inkubationszeit von bis zu drei Wochen mache diesen Weg ohnehin schlicht unwahrscheinlich.

Das hat Polemiken und auch Zeitungsenten in Italien nicht verhindert. Die Gegner des von der Marine erleichterten Flüchtlingsstromes sehen die Chance, einmal mehr den Stopp für Mare Nostrum zu fordern. Denn damit begünstige Italien die anschwellenden Flüchtlingsmassen noch.

Klage wegen Falschmeldung

Und eine Polizei-Gewerkschaft warf der Regierung von Matteo Renzi vor, nur zu schweigen oder das Risiko herunterzuspielen. Einer Gefahr seien auch alle ausgesetzt, die wie die Polizeibeamten an vorderster Stelle mit den ankommenden Migranten zu tun hätten. «Unser System der Kontrollen und der Vorbeugung ist absolut unwirksam», meinte der Gewerkschafter Gianni Tonelli. Er verwies auf Tbc-Ansteckungen bei vielen Beamten. Sanitäter verteilen auch Schutzmasken an Migranten.

Immer wieder tauchen, vor allem im Internet, Falschmeldungen über Ebola-Erkrankungen bei Flüchtlingen auf. Obwohl dementiert, machen sie die Runde. Die Insel Lampedusa hat jetzt einen 26-Jährigen auf zehn Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Via Facebook soll dieser vor Ebola-Fällen auf Lampedusa gewarnt und damit dem Tourismus dort geschadet haben.

SDA/thu

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