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Brief zeigt sanfte Seite von Al Capone

Der Gangsterboss im Chicago der 1920er- und 1930er-Jahre gilt als harter Bursche. Doch wenn es um Familie und Musik ging, konnte Al Capone zärtlich sein, wie ein ersteigerter Brief zeigt.

Mörder, Vater und Musikliebhaber: Drogenboss Al Capone an einem Football-Game in Chicago. (19. Januar 1931)
Mörder, Vater und Musikliebhaber: Drogenboss Al Capone an einem Football-Game in Chicago. (19. Januar 1931)
AP Photo, Keystone

Al Capone war nicht nur ein brutaler Verbrecher – er hatte allem Anschein nach tatsächlich auch eine sanfte Seite. Ein vertraulicher Brief aus dem Gefängnis zeigt, dass der gnadenlose Gangsterboss gegenüber einigen Mitmenschen durchaus zärtliche Töne anschlagen konnte – und nicht nur mit der Pistole ein Virtuose war. Am Montag ersteigerte ein Sammler aus der Gegend um Chicago das sentimentale Charakterzeugnis für 62'500 Dollar (rund 60'500 Franken).

Das dreiseitige Schreiben ist an Capones Sohn Albert «Sonny» adressiert und quillt geradezu über vor väterlichen Gefühlen. «Junge, bleib wie du bist und lass dich von nichts kleinkriegen», schreibt Vater Al aus dem Gefängnis Alcatraz in der Bucht von San Francisco. «Wenn du traurig bist, Sonny, leg eine der Schallplatten mit Liedern auf, von denen ich dir geschrieben habe.» An anderer Stelle heisst es: «Mein Herz, (ich) hoffe sicher, dass die Dinge nächstes Jahr für uns laufen werden. Dann werde ich da sein, in deinen Armen.» Das Schreiben endet mit den Worten: «Liebe & Küsse, dein lieber Vater Alphonse Capone.»

Staatsfeind Nummer 1

Auktionator Robert Livingston nennt den Brief ein äusserst seltenes persönliches Schreiben Capones, das die weiche Seite eines Mannes zeige, der für seine Brutalität berüchtigt war. Sein Unternehmen RR Auction hatte mit um die 50'000 Dollar (gut 48'000 Franken) Erlös gerechnet. «Sie werden denken, dass Gestalten wie er verachtet werden, aber stattdessen werden sie im Bewusstsein der amerikanischen Öffentlichkeit irgendwie vergöttert», sagt Livingston.

Dabei spricht er über einen Mann, der 1929 das berüchtigte Valentinstag-Massaker in Chicago befahl, bei dem sieben Mitglieder der rivalisierenden Bugs Moran-Schmugglerbande niedergemetzelt wurden. Doch nicht dafür wanderte der in Brooklyn geborene Al Capone schliesslich hinter Gitter, sondern weil ihn die Steuerfahndung ertappte. Wegen Steuerhinterziehung brummte ihm ein Gericht schliesslich elf Jahre Gefängnis auf, von denen Capone die meisten in Alcatraz absass. Dort wurde aus dem «Staatsfeind Nummer 1», der zu Zeiten der Prohibition die Gangsterwelt Chicagos beherrschte, der Häftling Nummer 85.

Syphilis und Schlaganfall

1938 wurde Capone vorzeitig entlassen und kehrte in sein Haus in Miami Beach zurück. Dort zerfrass Syphilis die Gangsterlegende, ein Schlaganfall streckte ihn zu Boden, 1947 schliesslich starb er, gerade 48 Jahre alt.

Den Brief an seinen Sohn schrieb Capone wahrscheinlich kurz vor seiner Haftentlassung. Als Datum ist zwar nur «16. Jan» vermerkt, Experten gehen aber davon aus, dass er im Jahr 1938 geschrieben wurde. «Sonny, Kopf hoch, mach dir keine Sorgen um deinen lieben Vater», schrieb er und bat um einen Besuch von Mutter und Sohn, der damals noch zur Schule ging.

Liebe zur Musik

In beinahe heiterem Ton schildert Capone die Schinderei des Haftalltags, die er sich mit Musik zu vertreiben suchte. Er spielte Banjo und Mandola – ein Saiteninstrument, das der Mandoline ähnelt.

In Alcatraz, einem der berüchtigtsten Gefängnisse der USA, gründete der einstige Verbrecherkönig mit anderen Häftlingen die Band The Rock Islanders. «Sonny, ich habe einen Song, so ähnlich wie ‹Rainbow on the River›, den Bobby Breen gesungen hat», schrieb er an seinen Sohn. «Wenn ich heimkomme, werde ich nicht nur dieses Lied spielen, sondern etwa 500 mehr ... Junge, es ist kein Song geschrieben worden, den ich nicht spielen könnte.»

SDA/foa

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