Zum Hauptinhalt springen

Darum stürzte im Bernaqua die Decke ein

Ein halbes Jahr nach dem Unfall im Erlebnisbad Bernaqua liegt ein erster Expertenbericht vor. Der 136-seitige Rapport listet mehrere Mängel an der Decke der Badehalle auf.

Bild eines bestellten bzw. verwendeten Hängers.
Bild eines bestellten bzw. verwendeten Hängers.
Empa
Linker Teil des Bildes: Querschnitt gemäss Plan der Decke an ihrem seitlichen Rand mit Ausbildung des Lüftungskanals. Die in Bild rechts eingerahmte Ecke wurde effektiv durch Falten der grünen Gipskartonplatte ausgebildet.Rechter Teil des Bildes: Blick von oben auf die abgehängte Decke mit Verteilbalken, schwarzen Stahlprofilen und senkrecht hineingreifenden Abhängern sowie dem Lüftungskanal am Seitenrand
Linker Teil des Bildes: Querschnitt gemäss Plan der Decke an ihrem seitlichen Rand mit Ausbildung des Lüftungskanals. Die in Bild rechts eingerahmte Ecke wurde effektiv durch Falten der grünen Gipskartonplatte ausgebildet.Rechter Teil des Bildes: Blick von oben auf die abgehängte Decke mit Verteilbalken, schwarzen Stahlprofilen und senkrecht hineingreifenden Abhängern sowie dem Lüftungskanal am Seitenrand
Empa
Die Gäste warten im Westside.
Die Gäste warten im Westside.
Marc Mischler, Leserreporter
1 / 6

Hauptgrund für den Deckeneinsturz war eine fehlerhafte Aufhängung der Unterdecke. Zu diesem Schluss kommen die Experten der Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), wie die Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland mitteilt. Bei dem Unfall vom 12. April war ein Teil der Decke aus 15 Metern in die Tiefe gestürzt. Dabei wurde ein Mann verletzt; eine Frau erlitt einen Schock.

Das in Bernaqua gewählte Deckensystem sei verbreitet und «grundsätzlich für den Einsatz in Hallenbädern geeignet», schreiben die Experten: Eine abgehängte Deckenplatte wird von Hängern getragen, die in regelmässigen Abständen angeordnet sind.

Längeres Reissgeräusch

Doch in einem weit auskragenden Deckenbereich fehlte ein Hänger. Das führte zur rund fünffachen Belastung des nächstgelegenen Hängers gegenüber der Nennlast - und schliesslich zur Kettenreaktion am Unfalltag.

Dass die Decke erst drei Jahre nach der Montage abstürzte, führen die Experten auf die besondere Randkonstruktion zurück. Im Randbereich schlossen die Deckenplatten an einen Lüftungskanal an, der durch gefalteten Gipskarton gebildet wurde.

Dieser Karton half die Hänger entlasten, ehe er am Falz infolge Alterung und Feuchtigkeit teilweise einriss. Gestürzt wird diese Erkenntnis laut Empa durch Zeugen, die ein längeres Reissgeräusch, ein «Chrosen», gehört hatten.

Weitere Mängel

Die Experten machen auf weitere Umstände aufmerksam, die den Deckenabsturz begünstigten. So sei ein Hängertyp eingesetzt worden, der rund 30 Prozent schwächer gewesen sei als der bestellte. Wäre der stärkere Hängertyp zum Einsatz gekommen, wäre die Decke «wahrscheinlich nicht abgestürzt».

Zudem seien die Hänger an nachgiebigen Befestigungspunkten montiert worden. Das habe zu ungleichmässigen Belastungen einzelner Hänger geführt. Schliesslich gebe es weitere Montagefehler ausserhalb des kritischen Eckbereichs.

«Erste Fachmeinung»

Die Staatsanwaltschaft würdigte die Expertise als «erste Fachmeinung zur Absturzursache». Ob sie ein entscheidendes Beweismittel sein werde, sei offen.

Zunächst könnten die Parteien den Experten nun Ergänzungsfragen stellen. Sollten sich die vorliegenden Erkenntnisse erhärten, will die Staatsanwaltschaft untersuchen, wer für die fraglichen Mängel verantwortlich ist.

Die Justiz ermittelt bekanntlich wegen des Verdachts der Verfehlungen gegen die anerkannten Regeln der Baukunde; im Vordergrund stehen Planungs- und Montagefehler. Zudem wird das Verfahren wegen der verletzten Person unter dem Aspekt der fahrlässigen Körperverletzung geführt.

Badehalle weiter zu

Die Neue Brünnen AG als Betreiberin des Einkaufszentrums Westside würdigte die Expertise als «wichtigen Schritt für das weitere Verfahren». Die umfangreichen Erkenntnisse müssten nun im Detail analysiert werden.

Die Badehalle bleibt einstweilen geschlossen. Die Neue Brünnen AG will bekanntlich zunächst eine vollständig neue Konstruktion und Deckenverkleidung einbauen. Wann dies geschehen soll, ist offen.

Denn parallel zum strafrechtlichen Verfahren ist ein Zivilrechtsstreit im Gang. In diesem Zusammenhang hat der Totalunternehmer beim Handelsgericht Bern zusätzliche Abklärungen angestrengt.

Am weiteren Verfahren wird sich die Neue Brünnen AG als Privatklägerin beteiligen, wie sie am Freitag bekräftigte. Ihr seien seit dem Unfall bereits Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe entgangen.

SDA/met

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch