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Das Rätsel um die vergifteten Piloten

Zurzeit müssen alle F-22-Jets der US-Luftwaffe am Boden bleiben. Ein Problem in der Luftversorgung führt bei den Piloten zu Schwierigkeiten mit der Orientierung. Über die Ursachen kann nur spekuliert werden.

Aushängeschild von Lockheed Martin: F-22 Raptor während einer Flugschau in Grossbritannien. (Archivbild)
Aushängeschild von Lockheed Martin: F-22 Raptor während einer Flugschau in Grossbritannien. (Archivbild)
Reuters

Innert weniger Monate kam es bei der US-Luftwaffe zu mehreren Zwischenfällen, bei denen Kampfpiloten während des Fluges über Orientierungslosigkeit klagten. Und stets war es derselbe Flugzeugtyp: die F-22 Raptor.

Beim Kampfjet handelt es sich um das technologische Aushängeschild des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin, wie die «Financial Times Deutschland» berichtet. Medizinische Untersuchungen führten laut der Militärzeitung «Air Force Times» verschiedene Gifte im Blut der betroffenen Piloten auf. Darunter Öldämpfe und Spuren eines Frostschutzmittels.

Wegen des Verdachts auf Probleme mit der bordeigenen Sauerstoffversorgung hat die Flugaufsichtsbehörde im Mai dieses Jahres über sämtliche 150 Maschinen des Typs ein Flugverbot verhängt.

Absturz in Alaska

Erste Untersuchungen liessen die Vermutung aufkommen, die Piloten könnten unter starkem Sauerstoffmangel leiden, berichtet die «Air Force Times». Sie hätten teilweise während des Fluges nicht mehr gewusst, wie die Funkfrequenz einzustellen sei, oder hätten gar bei der Landung Baumspitzen gestreift; Zeichen, die auf Hypoxie hinweisen können.

Im November 2010 stürzte dann aus noch unbekannten Gründen eine F-22 in Alaska ab. Der Pilot, so berichtet die «Financial Times Deutschland», habe in den letzten Funksprüchen getönt, als sei er betrunken.

Nach diesem Vorfall kam es zu Spekulationen, wonach die Piloten möglicherweise unter Kohlenmonoxidvergiftung leiden. Wegen des rauen Klimas werden die Raptor-Maschinen in Alaska im Hangar gestartet. Dabei besteht die Gefahr, dass die Abgase von der Luftversorgung angesogen werden.

Doch, so sagen Informanten gegenüber der «Air Force Times», traten die Fälle von Orientierungsproblemen oftmals erst lange nach dem Start auf. Zudem sei es in sechs der insgesamt sieben F-22-Stützpunkten zu solchen Vorkommnissen gekommen.

Zeit wird knapp

Auch drei Monate nach dem Start der Untersuchungen ist nach wie vor nicht klar, wie die Gifte in die bordeigene Sauerstoffversorgung gelangen, geschweige denn welche Kombination von Stoffen überhaupt zu den Vorfällen führt. Zwar unterstützt Lockheed Martin die Ursachenforschung, doch das Flugverbot für die F-22 verunmöglicht es dem Rüstungskonzern, Abnahmeflüge zu Untersuchungszwecken durchzuführen.

Nachdem die Raptors nun bereits seit gut 90 Tagen am Boden geblieben sind, kommt noch ein weiteres Problem auf die US-Luftwaffe zu. Wie die «Air Force Times» hervorhebt, entgehen den F-22-Piloten mit dem Flugverbot praktische Stunden im Cockpit des Fliegers. Wird die Problematik nicht innert den kommenden vier Monaten gelöst, müssen sich sämtliche Raptor-Kampfpiloten von neuem für die Maschine qualifizieren.

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