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«Der Schlag war der schlimmste Fehler meines Lebens»

Im Prozess um den Tod von Tugçe Albayrak fordert die Staatsanwaltschaft drei Jahre Haft für den geständigen Täter. Dieser zeigt sich reuig.

Die Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre und drei Monate Haft für Sanel M., der im November 2014 die Studentin Tugçe Albayrak tödlich verletzt hat: Sanel M. mit seinem Anwalt bei Prozessbeginn im April.
Die Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre und drei Monate Haft für Sanel M., der im November 2014 die Studentin Tugçe Albayrak tödlich verletzt hat: Sanel M. mit seinem Anwalt bei Prozessbeginn im April.

Sanel M. räusperte sich, stockte kurz und fand dann doch noch einmal Worte für den gewaltsamen Tod von Tugce Albayrak: «Ich kann das nie wieder gut machen; ich kann nur sagen, dass es mir leid tut», sagte der 18-jährige Angeklagte am Freitag vor dem Landgericht Darmstadt. Ihm gehörten die letzten Worte in einem Prozess, der am kommenden Dienstag mit dem Urteil zu Ende gehen wird und doch viele Fragen offen lässt.

«Er hat erhebliche Schuld auf sich geladen», sagte Staatsanwältin Birgit Lüter über den Angeklagten Sanel M. Im Prozess um den tödlichen Angriff auf die Studentin Tugçe Albayrak hat die Staatsanwaltschaft für den Angeklagten wegen Körperverletzung mit Todesfolge eine Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten gefordert.

Opferfamilie äussert Zweifel

Die Anwälte der Familie Albayrak, die im Prozess als Nebenkläger auftritt, plädierten ebenfalls für eine Jugendstrafe, zweifelten aber daran, ob die von der Staatsanwaltschaft geforderten drei Jahre und drei Monate ausreichen. Ein genaues Strafmass forderten sie nicht.

Sanel M. soll die 22-jährige Tugce Mitte November auf dem Parkplatz vor einem Schnellrestaurant in Offenbach nach einem Streit geschlagen haben, woraufhin sie fiel und mit dem Kopf auf den Asphalt schlug. Einige Tage später erlag sie ihren schweren Verletzungen. Der Angeklagte räumte im Prozess ein, ihr eine Ohrfeige gegeben zu haben. Das Urteil wird am Dienstag kommender Woche erwartet.

Tat habe «keinesfalls Ausnahmecharakter»

Die Staatsanwaltschaft wertete zu Gunsten des Angeklagten sein Geständnis. Dies sei von Reue getragen gewesen, sagte Lüter. Zudem sei von ihm in der Öffentlichkeit «ein verzerrtes Bild» gezeichnet worden. Zu seinen Lasten führte sie auf, dass er bereits wegen verschiedener Delikte verurteilt worden sei. Die Tat habe «keinesfalls Ausnahmecharakter», sagte Lüter.

Ihr Kollege Alexander Homm mahnte eine objektive Betrachtung des Falls an. «Die Rollen waren sehr schnell verteilt», sagte der Oberstaatsanwalt. Tugçe Albayrak sei das «Symbol für Zivilcourage» gewesen, Sanel M. dagegen ein «dumpfer, unbelehrbarer Schläger». Es seien zum Teil «jegliche Grautöne» vermieden worden. Ein Verfahren müsse beiden Seiten gerecht werden.

Laut Anwalt von Tugçes Familie war die Tat abgesprochen

Der Anwalt der Familie Albayrak, Macit Karaahmetoglu, zeigte sich dagegen überzeugt, dass es sich bei der Tat des Angeklagten um ein abgesprochenes Vorgehen mit einem Freund gehandelt habe, um die jungen Frauen zu bestrafen. Die Gruppe um Tugçe Albayrak war bereits im Schnellrestaurant mit den jungen Männern um Sanel M. aneinander geraten. Die Erklärung des Angeklagten zum Prozessbeginn sei auch nicht von Reue getragen, sondern von Prozesstaktik geleitet gewesen, sagte der Anwalt.

«Er ist sich ganz offensichtlich nicht im Klaren darüber», was er der Familie Tugçes angetan habe, sagte Karaahmetoglu. Es sei «unerlässlich», mit einer «längeren Gesamterziehung» auf den Angeklagten einzuwirken. Er bezweifle, dass drei Jahre und drei Monate dafür ausreichten. Am Freitagnachmittag wird noch das Plädoyer der Verteidigung erwartet.

AFP/ofi

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