Die Braut des Massenmörders

Mit 17 nahm Afton Elaine Burton Kontakt zu Charles Manson auf. Jetzt darf sie den 80-jährigen Mörder heiraten. Ihre Familie hält zu ihr.

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Luca De Carli@tagesanzeiger

«Papa, ich werde Charlie heiraten.» Phil Burton überraschte der Anruf seiner Tochter Afton Elaine nicht. Das habe sich abgezeichnet. Bereits vor mehr als acht Jahren hatte die damals 18-Jährige das Haus ihrer Eltern in einem kleinen Ort in Illinois verlassen und war nach Kalifornien umgezogen. Genauer nach Corcoran, wo Charles Manson seine lebenslange Haftstrafe absitzt.

Der inzwischen 80-Jährige war der Kopf einer Gruppe, die 1969 mehrere Menschen brutal ermordete. Die Taten der «Manson Family» bewegen die USA bis heute. Doch Burton hält Manson für unschuldig und arbeitet an seiner Rehabilitation. Zu diesem Zweck betreibt sie mehrere Webseiten.

Afton Elaine Burton erklärt ihre Sicht auf Charles Manson. (Quelle: Youtube)

Als 17-Jährige hatte sie erstmals mit Manson Kontakt aufgenommen. Im Gespräch mit der «Daily Mail» beschreibt ihr Vater den Schritt als klassische Rebellion eines Teenagers. Burton wuchs in einer streng religiösen Familie auf.

Ihre Eltern bemerkten die Kontakte zu Manson erst, als Burton bereits volljährig war. Kurz darauf zog sie mit 2000 Dollar in der Tasche nach Corcoran. Dort arbeitete sie laut dem Vater eine Weile für McDonald's. Von was sie heute lebe, wisse er nicht genau, so Phil Burton. Von ihnen hätte sie aber «nie einen Penny» verlangt.

Die Ähnlichkeit mit «Sexy Sadie»

«Star» nennt Manson seine Zukünftige. Bereits in seiner Zeit als Anführer der Manson Family scharte er auffallend viele junge, attraktive Frauen um sich. Burton scheint eine weitere Eroberung des geübten Manipulators Manson zu sein. Auffallend ist ihre Ähnlichkeit mit Susan Atkins, die an den Morden von 1969 beteiligt gewesen war. «Sexy Sadie» starb 2009 in einem Gefängniskrankenhaus in Kalifornien.

Aussagen Mansons gegenüber dem Magazin «Rolling Stone» von Ende 2013 deuten darauf hin, dass in der Beziehung zu Burton nicht die Liebe im Vordergrund steht. Angesprochen auf die damals von Burton erstmals erwähnten Heiratspläne, sagte Manson: «Das ist Blödsinn. Das ist Mist. Wir spielen das nur für die Öffentlichkeit.»

Sass wegen der Beteiligung an den Morden der Manson Family bis zu ihrem Tod im Jahr 2009 im Gefängnis: Susan Atkins. (Bild: Keystone)

Dass es die Heiratspläne gibt, ist heute aber unbestritten. Die Nachrichtenagentur AP hatte Einsicht in die Heiratserlaubnis der Behörden. Diese bestätigten am Montag, dass die Erlaubnis inzwischen an das Gefängnis übermittelt wurde. Ein Datum für die Trauung gibt es noch nicht. Burton erzählte AP, sie und Manson würden nächsten Monat heiraten. Die Feier soll in einem Besuchsraum des Gefängnisses stattfinden. Bis zu zehn Gäste von ausserhalb dürfen teilnehmen. «Ich werde seinen Namen annehmen», sagt Burton.

Noch nie zu zweit in einem Raum

Im Besuchsraum des Gefängnisses hat sich bislang auch die Beziehung von Manson und Burton abgespielt. Jeden Samstag und Sonntag kann sie ihn besuchen – bis zu fünf Stunden pro Tag. Allein in einem Raum waren sie noch nie. Bewaffnete Wachen stehen immer in der Nähe. Anwesend sind stets auch andere Besucher, «die uns anstarren», wie Burton dem «Rolling Stone» erzählt. Küsse sind zu Beginn und zum Ende der Treffen erlaubt. Dabei wird es nach der Heirat bleiben. Sogenannte Familienbesuche, also Sex mit einem Ehepartner im Gefängnis, sind Manson nicht erlaubt.

Die offizielle Begründung Burtons für die Heirat ist denn auch wenig romantisch: Sie wolle weiter an seinem Fall arbeiten. Als Familienmitglied habe sie einen besseren Zugang zu Informationen. Ihre eigene Familie wird der Trauung nach eigenen Angaben fernbleiben. Und würde Manson auch nie in ihrem Haus empfangen. Zu seiner Tochter aber hält Phil Burton: Niemals werde er seine Tochter verstossen. Egal, was sie in ihrem Leben mache.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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