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Die Gang als Vehikel für Machtfantasien

Mit seiner Jugend-Gang hat L. B. unzählige Opfer terrorisiert und erpresst. Damit zerstörte der Mann seine Karriere als Schiedsrichter und Fussballtrainer. Um Geld ging es ihm nicht.

Posieren mit Minderjährigen auf Facebook: Der 26-Jährige (Mitte) gefällt sich in der Rolle als «Vater der Gang».
Posieren mit Minderjährigen auf Facebook: Der 26-Jährige (Mitte) gefällt sich in der Rolle als «Vater der Gang».
zvg
Brutales Vorgehen: Auf solchen Bildern zeigt der Gang-Boss im Internet, wie er seine wehrlosen Opfer dominiert und quält.
Brutales Vorgehen: Auf solchen Bildern zeigt der Gang-Boss im Internet, wie er seine wehrlosen Opfer dominiert und quält.
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Gewalt als Strategie: Ein Mitglied der G-Level-Gang würgt ein Opfer.
Gewalt als Strategie: Ein Mitglied der G-Level-Gang würgt ein Opfer.
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Der Fall ist aussergewöhnlich: Ein junger Zürcher aus bestem Hause macht sich zum Boss einer Jugendgang, die in mehreren Kantonen Minderjährige bedroht, quält und Geld erpresst (Redaktion Tamedia berichtete, siehe Kontext-Artikel). Doch an Einkünften seiner kriminellen Tätigkeit ist der 25-jährige L. B.* gar nicht interessiert. Im Gegenteil: Sobald er das erpresste Geld von den Opfern in der Hand hält, gibt er es ihnen zurück. Ihm geht es um einen anderen «Gewinn», wie den Polizeiakten zu entnehmen ist, die Redaktion Tamedia vorliegen.

Für diesen «Gewinn» ist er sogar bereit zu investieren: L. B. verzichtet nicht nur auf die «Einnahmen», nein, er lässt sich die G-Level-Gang Monat für Monat viel Geld kosten. Um die Jugendlichen zu kontrollieren, terrorisieren und zu Gewalt anzustiften, steht er permanent via Internet und Handy mit ihnen in Kontakt. Die Verbindungskosten betragen alleine im Dezember 2010 mehr als 2500 Franken.

«Noch nie eine solche Brutalität»

Der mutmassliche Täter ist eine intelligente Person, die nach aussen eine engagierte Seite zeigt. Er hat die Matur abgeschlossen und betätigt sich als Schiedsrichter, ist Junioren-Fussballtrainer. Er kümmert sich um Heranwachsende, scheint ein netter junger Mann zu sein, wie Vereinsfunktionäre versichern.

Umso unverständlicher scheint die Tatsache, dass das sichergestellte Handy-Video, das die Misshandlung eines 14-Jährigen zeigt, sogar die hartgesottenen Polizisten überrascht. Noch nie zuvor hätten sie eine solche Brutalität unter Jugendlichen gesehen, haben sie Eltern gegenüber berichtet.

Nicht sexuell erregt

Während der Untersuchungshaft wird L. B. mehrmals befragt. Dabei zeigte er sich im Beisein seines Anwaltes geständig, gibt an, dass er einsehe, «Mist» gemacht zu haben. Gleichzeitig sagt er aus, dass er den G-Level-Mitgliedern eigentlich habe «Freude bereiten» wollen. Nun sei er aber froh, dass alles bekannt geworden sei und er endlich mit den Eltern und einem Psychologen über seine Taten reden könne.

Einen Grund für sein Handeln nennt er nicht. Auffällig ist jedoch die Art und Weise, wie er seine Opfer drangsalierte. Es sass auf ihre Brust und fixierte mit seinen Knien ihre Arme. Die Frage, ob er dabei sexuell erregt gewesen sei, verneinte er. Weiter sagt er gegenüber der Polizei, heterosexuell zu sein und früher eine Freundin gehabt zu haben. Das Motiv für diese Taten sei unverständlich, heisst es in einem Bericht der Polizei. Die Erklärung sei in der Psyche von L. B. zu suchen. Ihm ging es «offenbar lediglich darum, seine Machtfantasien auszuspielen».

Opfer nach Haft weiter belästigt

Trotz der geäusserten Einsicht und Ermahnung sowohl durch die Kantonspolizei Aargau als auch seinen Anwalt kontaktierte der 25-Jährige nach seiner Entlassung erneut Minderjährige – angeblich, um sich zu entschuldigen.

Das erlebten Eltern eines Opfers anders. «Er rief bei uns zu Hause nicht an, um sich zu entschuldigen, sondern verlangte teils unter falschem Namen, mit unserem Jungen zu sprechen», sagt eine Mutter gegenüber Redaktion Tamedia. Erst nachdem er mehrmals abgewiesen worden war, liess er davon ab. Die in der Untersuchungshaft geäusserte Absicht, seinen Opfern einen Entschuldigungsbrief zu senden, setzte L. B. bis heute nicht um.

*Name der Redaktion bekannt

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