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Entgleisung drückte Schienen bis zu zehn Zentimeter auseinander

Am Tag nach der Entgleisung des ICE in Basel haben die SBB über den Zwischenstand informiert. Der Bahnbetrieb bleibt wohl den ganzen Tag beeinträchtigt.

Ein Schienenkran gleist den entgleisten Unfallzug auf.

Noch immer blockieren am Donnerstagmorgen zwei Wagen des entgleisten ICE einen Teil der Bahnhofseinfahrt im Basler Bahnhof SBB. Fahrzeugspezialisten der Deutschen Bahn haben zusammen mit dem Interventions-Team der SBB die ganze Nacht lang gearbeitet und Vorbereitungen getroffen, dass die beiden Wagen, die am schwersten beschädigt wurden, wieder zurück auf die Schienen gehoben werden können.

In einem ersten Schritt wurden jene Teile des Zuges abgekoppelt und weggestellt, die unbeschädigt waren. Der Zug steht derzeit auf Gleis 1 im Bahnhof. Ebenfalls bereits abtransportiert ist einer der drei entgleisten Wagen, bei dem nur eines der beiden Drehgestelle aus den Schienen gesprungen war.

Schadenssumme noch unklar

Während der Nacht haben sich die Spezialisten zudem eine erste Übersicht über die Schäden an der Gleisanlage verschafft und Ersatzteile bestellt, um diese zu beheben. Ersatzschienen und weitere Teile sind bereits vor Ort eingetroffen. Noch ist allerdings nicht klar, wie gross das Ausmass des Schadens wirklich ist.

Zum Beispiel konnte noch nicht abschliessend beurteilt werden, ob und wie stark jene Teile der Gleisanlage beschädigt sind, die unter den beiden havarierten Wagen liegen. Darum kann die SBB am Morgen nach der Entgleisung noch keine Angaben zur Schadenshöhe machen, wie Franziska Frey, Mediensprecherin der SBB, an einer Medienkonferenz vor Ort sagte.

Am Donnerstagvormittag standen noch zwei Wagen des entgleisten ICE auf dem Gleisfeld vor dem Bahnhof SBB in Basel.
Am Donnerstagvormittag standen noch zwei Wagen des entgleisten ICE auf dem Gleisfeld vor dem Bahnhof SBB in Basel.
KEYSTONE/Georgios Kefalas
Mit speziellen Schienenkränen werden diese auf das Gleis zurückgehoben.
Mit speziellen Schienenkränen werden diese auf das Gleis zurückgehoben.
KEYSTONE/Georgios Kefalas
Wagen eines am Vorabend entgleisten ICE-Zuges werden geborgen am Bahnhof SBB in Basel, am Donnerstag, 30. November 2017. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
Wagen eines am Vorabend entgleisten ICE-Zuges werden geborgen am Bahnhof SBB in Basel, am Donnerstag, 30. November 2017. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
KEYSTONE/Georgios Kefalas
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Die entgleisten Wagen werden nun mithilfe zweier Schienenkräne geborgen. Man habe sich für dieses Vorgehen entschieden, weil es für das Material schonender sei als eine Bergung mit Hebezylinder vom Boden her, erklärte Edgar Renz, Leiter Instandhaltung der SBB. Die beiden Schienenkräne wurden Stunden nach dem Unglück aus Aarau und Zürich geordert und mussten den Weg durch einen durcheinandergewirbelten Bahnbetrieb nach Basel finden. Laut Renz sind die Kräne gegen Mitternacht vor Ort eingetroffen.

Ursache weiterhin unklar

Die Entgleisung des ICE hat einen Teil der Schienen um bis zu zehn Zentimeter auseinandergedrückt. Nun wird versucht, den Schaden am Gleisbett zu reparieren. Sollte dies nicht möglich sein, müssen neue Schienen verlegt werden.

Ebenfalls instand gesetzt werden muss die Fahrleitung. Der entgleiste Zug hat einen Fahrleitungsmasten weggedrückt, was zu einem Stromausfall auf der gesamten Gleisanlage des Bahnhofs führte. Nachdem der betroffene Sektor rund um die Unfallstelle vom Stromnetz getrennt wurde, konnte Stunden nach dem Unglück ein Teil des Bahnhofs wieder in Betrieb genommen werden.

Über die Ursachen des Unglücks können die SBB nach wie vor keine Auskunft geben. Spezialisten der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST ermitteln die Ursachen der Entgleisung und nicht etwa die Basler Verkehrspolizei, wie es gestern in einer ersten Mitteilung der Basler Kantonspolizei hiess.

Teil der Gleisanlage war neu

Den Vorwurf, dass die Bahnanlagen zu wenig unterhalten werden, wies SBB-Sprecherin Frey gegenüber den Medien am Donnerstag zurück: «Wir investieren laufend in den Unterhalt.» Es bestehe aber ein gewisser Nachholbedarf.

Laut Renz sei just ein Teil der betroffenen Gleisanlage erst letzten September ersetzt worden. Die Beantwortung der Frage, wieso der Zug, der an dieser Stelle maximal mit 40 Kilometern pro Stunde fahren darf, dennoch entgleisen kann, muss daher auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

Der Bahnbetrieb ist am Donnerstag noch immer beeinträchtigt. Am Vormittag standen aufgrund der platzintensiven Bergung des Unglückszuges nur die Gleise 8 bis 17 zur Verfügung. SBB-Spezialisten disponieren im Laufe des Tages die Zufahrtsrouten in den Bahnhof um und versuchen so, weitere Bereiche der Einfahrt für den Verkehr freizugeben. Laut Frey kann der Bahnbetrieb vermutlich bis Betriebsschluss nicht wie gewohnt geführt werden.

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