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«Die Rettung kostet schnell 50'000 Franken»

Gegen 100 Retter standen bei der Lawine in Andermatt im Einsatz. Die Kosten sind hoch – und bleiben oft an den Rettern hängen.

Helikopter, Hunde und Menschen helfen bei Lawinenunglücken: Das ist nicht gratis. (Keystone/Urs Flüeler/26. Dezember 2019)
Helikopter, Hunde und Menschen helfen bei Lawinenunglücken: Das ist nicht gratis. (Keystone/Urs Flüeler/26. Dezember 2019)

Eine Lawine donnert am Stephanstag auf eine Skipiste oberhalb von Andermatt und begräbt sechs Menschen unter sich. Zwei von ihnen müssen wegen leichten Verletzungen ins Spital geflogen werden, aber alle überleben. Was genau die Lawine ausgelöst hatte, ist noch unklar. (Lesen Sie hier den Artikel dazu).

Es passiere selten, dass eine Lawine auf eine Piste niedergeht, sagt die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) auf Anfrage von 20 Minuten. Aber obwohl die Pisten zuerst vom Rettungsdienst gesichert würden, könne eine Lawine nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Pro Jahr sterben rund 20 Menschen bei Lawinenunfällen, die meisten allerdings ausserhalb der markierten Pisten.

Wer nach einem Lawinenunfall haftet und etwa die Kosten für die Rettung übernehmen muss, kann die BfU nicht allgemein beurteilen. Zur Verantwortung gezogen kann aber werden, «wer durch sein Verhalten eine Lawine auslöst und dadurch andere Personen gefährdet».

Video: Hier geht die Lawine nieder

Glück im Unglück: Alle sechs Verschütteten sind gerettet worden. (Video: Leserreporter 20 Minuten/Tamedia)

Und falls eine Lawine – wie in Andermatt geschehen – auf eine markierte Piste niedergeht, könne dies unter Umständen auch rechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen der Bergbahnen haben. «Die konkreten Umstände sind entscheidend», so die BfU.

Rega bleibt oft auf Kosten sitzen

Koordiniert wurde die gestrige Rettungsaktion von der Rega. An wen sie die Rechnung für ihren Rettungseinsatz sendet, weiss sie laut einem Mediensprecher noch nicht. Er gibt aber an, dass die Rega in vielen Fällen auf den Kosten sitzen bleibe und diese abschreiben müsse. Grundsätzlich bezahlten aber diejenigen Personen, die effektiv gerettet wurden oder deren Versicherungen.

Das kann teuer werden. Wie viel der Einsatz insgesamt kostete, kann der Mediensprecher in diesem Fall in der Nähe des Oberalppasses nicht beziffern. Da bei einem Lawineneinsatz jede Minute zähle, biete die Rega sofort nicht nur die eigenen Helikopter, sondern auch Hundeführer, SAC-Retter und allenfalls kommerzielle Helikopterunternehmen auf.

Pistenchef von Saas-Fee nimmt Kollegen in Schutz

Albert Hegner, der Pistenchef des Skigebiets Saas-Fee, wo in den Jahren 2011 und 2017 eine Lawine über die Piste rollte, schätzt die Kosten auf einen fünfstelligen Betrag: Der Rettungseinsatz am Donnerstag sei ein grosses Ereignis gewesen, es habe viel Personal gebraucht. Es seien wohl um die hundert Leute im Einsatz gewesen, vermutet er: «Da werden schnell mal 50'000 Franken fällig.»

Hegner nimmt den Pistenchef der Skiarena Andermatt-Sedrun in Schutz: «Als Pistenchef kann man nie garantieren, dass nichts passiert.» Er kenne den äusserst erfahrenen Mann persönlich. Für ihn ist klar: «Man hätte die Lawine nicht verhindern können.»

«Mich beschäftigt, dass oft der Pistenchef beschuldigt wird, er habe nicht genau hingeschaut», sagt Hegner. Die grosse Verantwortung dieses Amtes werde oft unterschätzt, besonders von den Gästen: «Sie stören sich einfach daran, dass eine Piste nicht offen ist.»

Hegner will niemandem die Schuld geben: «Weder einem Freerider noch einem Pistenchef.»

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