«Die Zecken hingen wie Trauben an den Schafen»

25 Schafe verendeten auf einer Walliser Weide. Der Bauer ist überzeugt, dass ein extremer Zeckenbefall den Tod der Tiere verursachte.

«Geschätzte 300 Zecken pro Tier»: Der Schäfer ist fassungslos. (zvg)

«Geschätzte 300 Zecken pro Tier»: Der Schäfer ist fassungslos. (zvg)

Etwas Vergleichbares hat Reto Julier bisher noch nie gesehen, erzählt der erfahrene Landwirt dem «Walliser Boten». Seine 60-köpfige Schafherde aus Muttertieren und rund zwei Monate alten Lämmern weidete diesen Frühling oberhalb von Leuk. «Nach etwa zehn Tagen bemerkten wir zahlreiche Tiere, die apathisch im Gras lagen. Zuerst dachte ich an einen Blitzschlag, der die Lämmer niedergestreckt hat.»

Bei genauerem Hinsehen habe er bemerkt, dass die Unterseiten der Tiere massiv von Zecken befallen gewesen seien. «Grob geschätzt waren es 300 Zecken pro Tier», sagt der Bauer. Wie Trauben seien die mit Blut vollgesogenen Zecken an den Bäuchen der Lämmer gehangen. «18 Tiere waren bereits eingegangen oder mussten noch auf der Weide von ihren Qualen erlöst werden.»

Nur die stärksten Jungtiere überlebten

Die überlebenden Schafe seien so schnell wie möglich wieder in den Stall gebracht und behandelt worden. «Der Kreislauf einiger Lämmer war derart schwach, dass sie immer wieder zusammensackten und bewusstlos wurden.» Insgesamt verendeten 24 Lämmer und ein einjähriges Schaf. Überlebt hätten nur die stärksten Jungtiere.

Die Schleimhäute der toten Tiere seien «schneeweiss» gewesen, was gemäss dem erfahrenen Schäfer auf ein klares Symptom von Blutarmut schliessen lasse. Der Tierarzt, der einige der Kadaver kontrolliert habe, habe ihm bestätigt, dass die Lämmer aufgrund von Anämie, verursacht durch Zeckenbisse, zugrunde gegangen seien. «Auch der Veterinär hat einen solchen massiven Befall noch nie gesehen.»

Claire Zen-Ruffinen vom Veterinärwesen des Kantons Wallis erklärt auf Anfrage: «Da wir erst nachträglich informiert wurden, konnten die Tiere nicht von uns angeschaut werden.» Allgemein könne sie aber sagen, dass Blutarmut verschiedene Ursachen haben könne, sie sei besonders auch durch Würmer oder Parasiten bedingt. Mehrere Faktoren könnten dann zum Tode geführt haben, vor allem wenn die Tiere in einem so kurzen Abstand gestorben und sehr krank gewesen seien.

6000 Franken Verlust

Zwar habe es auf der Weide immer wieder mal Zecken gegeben, aber niemals in einem solchen Ausmass wie diesen Frühling, weiss der Bauer. Nun müsse geklärt werden, ob es sich beim immensen Zeckenbefall um ein einmaliges Ereignis gehandelt habe oder ob die ganze Weide aufgegeben werden müsse. «Ich kann es mir nicht leisten, eine eineinhalb Hektar grosse Weide nicht mehr zu nutzen», erklärt Julier. Er schaue nun, ob das Terrain möglicherweise behandelt werden könne, um das grosse Zeckenvorkommen zu reduzieren.

Ein Zeckenspezialist sei zu Rate gezogen worden. Seine Rückmeldung stehe aber noch aus. «Der finanzielle Schaden – die Behandlungs- und Futterkosten nicht mit eingerechnet – beträgt durch den Verlust der Schafe rund 6000 Franken.» Für den Schäfer sei es aber auch schmerzlich gewesen, mit anzusehen, wie die Tiere dahinvegetieren mussten.

fal

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt