Ebola-Patient innert 48 Stunden in Genf

Die Schweiz hat ihren ersten Ebola-Patienten. Wer den kubanischen Arzt nach Genf fliegt und wie er im Unispital behandelt wird.

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In der Schweiz wird zum ersten Mal ein Ebola-Kranker behandelt. Ein kubanischer Arzt, der sich bei einem Hilfseinsatz in Sierra Leone mit dem Virus angesteckt hat, wird in den nächsten Tagen ins Genfer Universitätsspital überflogen, um dort behandelt zu werden.

Der Patient wird nach Angaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) vom Mittwoch in den nächsten 48 Stunden im Genfer Universitätsspital eintreffen. Er soll von einer privaten amerikanischen Fluggesellschaft aus Sierra Leone in die Schweiz gebracht werden.

Spitalzimmer vorbereitet

Gesundheitsminister Alain Berset sagte in Bern vor den Medien, es handle sich um den ersten Ebola-Fall in der Schweiz. Das Risiko einer Ebola-Epidemie in der Schweiz sei nach wie vor sehr klein.

In der Schweiz wurden nach Angaben des Bundesamtes für Gesundheit bisher mehrere Personen medizinisch auf Ebola untersucht. Zwei Personen, ein Jugendlicher aus Guinea und ein Krankenpfleger, der in Sierra Leone gearbeitet hatte, wurden speziell beobachtet und überwacht. Bei beiden erhärtete sich der Verdacht jedoch nicht.

Nach dem Ausbruch der Epidemie in Westafrika habe sich die Schweiz zur Verfügung gestellt, um Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die sich in Ebola-Ländern bei Einsätzen ansteckten, zu behandeln, sagte Berset. Es sei alles vorbereitet für qualitativ gute Behandlungen.

Im Genfer Universitätsspital (HUG) wird der Patient direkt in ein für Ebola-Behandlungen eingerichtetes Unterdruck-Zimmer gebracht, das sich in einem von den Hospitalisierungs- und Behandlungseinheiten isolierten Gebäude befindet.

Das Spital hat nach Angaben des BAG die Abläufe für die Behandlung von Ebola seit längerem geübt, zu Gunsten der Sicherheit von Personal und Patienten. Dabei trainierte das Personal namentlich das korrekte An- und Ausziehen der Schutzkleidung, die vor dem gefährlichen Virus schützen soll.

Positiv getestet

Nach Angaben des BAG organisierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Behandlung des erkrankten Kubaners in Genf. Grundlage ist ein Abkommen zwischen Kuba und der WHO, das Behandlungen von Helfern aus dem Inselstaat in Westafrika in einem Drittland vorsieht.

In Sierra Leone sagte Jorge Delgado Butillo, Leiter der kubanischen Hilfsmission am Mittwoch nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP, dass sich der Arzt in einem Behandlungszentrum des Roten Kreuzes in der Nähe der Hauptstadt Freetown befinde. Der Kubaner habe am Sonntag Fieber bekommen, aber keine Symptome verspürt.

Er sei positiv auf Ebola getestet worden. Wie sich der Arzt angesteckt hatte, war laut Aussagen von Butillo nicht bekannt. Er solle nun für die Behandlung nach Genf ausgeflogen werden. Sein Zustand sei nicht kritisch, und es sei sicher, dass er genesen werde. Gemäss den Angaben ist der Patient 43 Jahre alt.

Sierra Leone ist neben Liberia und Guinea das am stärksten von der Ebola-Epidemie betroffene Land in Westafrika. Kuba schickte bisher 165 medizinische Fachleute nach Sierra Leone. Insgesamt sind in den drei Ländern rund 250 Helferinnen und Helfer aus Kuba im Einsatz.

Nach kein Partner für Schweizer Einsatz

Die Schweiz plant eine eigene Hilfsmission in Ebola-Gebieten, hat aber trotz intensiver Bemühungen noch keinen militärischen Partner gefunden, wie das Verteidigungsdepartement (VBS) mitteilte. Deshalb war am Mittwoch offen, ob Schweizer Armeehelikopter eingesetzt werden können. Ein Bedarf dafür besteht namentlich in Liberia.

Ein militärischer Partner sei eine notwendige Voraussetzung für den Einsatz zugunsten der UNO-Mission UNMEER, so das VBS. Weshalb es noch nicht geklappt hat bei der Suche nach einem Partner und welche Staaten kontaktiert worden waren, gab VBS-Sprecher Renato Kalbermatten nicht bekannt. Er verwies auf laufende Abklärungen.

Für den Einsatz im Ebola-Gebiet bereit ist dagegen das Detachement des VBS: Am Montag hat die Ausbildung von Freiwilligen begonnen.

fko/AFP

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