Zum Hauptinhalt springen

Ehemalige Untergebene bezichtigen James Murdoch der Lüge

Im britischen Abhörskandal werden Zweifel an der Aussage von James Murdoch vor einem Parlamentskomitee laut. Er muss sich eventuell erneut erklären.

Protest nach der Veröffentlichung der Resultate der Untersuchungskommission: Ein als Rupert Murdoch verkleideter Demonstrant wirft Seiten des Leveson Berichts ins «Feuer ». (29. Juni 2012)
Protest nach der Veröffentlichung der Resultate der Untersuchungskommission: Ein als Rupert Murdoch verkleideter Demonstrant wirft Seiten des Leveson Berichts ins «Feuer ». (29. Juni 2012)
AP Photo/Sang Tan, Keystone
Vorsitzender der Untersuchungskommission: Richter Sir Brian Leveson. (28. Juli 2011)
Vorsitzender der Untersuchungskommission: Richter Sir Brian Leveson. (28. Juli 2011)
SEAN DEMPSEY, AFP
Liess Opferfamilien und Prominente bespitzeln: Logo der «News of the World».
Liess Opferfamilien und Prominente bespitzeln: Logo der «News of the World».
Keystone
1 / 22

In der britischen Abhöraffäre gerät der Sohn des Medientycoons Rupert Murdoch immer mehr in die Schusslinie. Der 38-jährige James Murdoch wird von ehemaligen Angestellten beschuldigt, am Dienstag vor dem Parlamentsausschuss für Kultur und Medien gelogen zu haben. Er hatte ausgesagt, keine Kenntnis von einer E-Mail gehabt zu haben, aus der hervorging, dass die Abhörpraktiken beim Murdoch-Boulevard-Blatt «News of the World» nicht auf einen einzigen Reporter beschränkt, sondern weit verbreitet waren.

Ein ehemaliger Redakteur der Zeitung, Colin Myler, und der frühere Leiter der Rechtsabteilung des Murdoch-Verlags News International, Tom Crone, erklärten nun, sie hätten Murdoch bereits vor Jahren über eine E-Mail informiert, derzufolge weit mehr Personen von Abhöraktionen bei der Zeitung «News of the World» gewusst hätten als bis dahin angenommen.

Schriftliche Erklärung nötig

Der Ausschussvorsitzende John Whittingdale sagte nun, Murdoch könnte aufgefordert werden, die Widersprüche in seiner Aussage schriftlich zu erklären. Bei der Anhörung hatten die beiden Murdochs die Verantwortung für die Abhöraffäre von sich gewiesen und die Schuld anderen gegeben.

Die «News of the World» war vor kurzem eingestellt worden, als herauskam, dass Journalisten nicht nur Prominente abgehört und Polizisten bestochen, sondern auch Handy-Mailboxen der Angehörigen von getöteten Soldaten sowie eines entführten Mädchens geknackt hatten. Premierminister David Cameron steht wegen seiner einst engen Kontakte zu Murdoch-Medien ebenfalls in der Kritik.

Offenbar mehr Journalisten involviert

Der britische Verlag News International teilte mit, James Murdoch stehe zu seinen Aussagen vom Dienstag. Er hatte Vermutungen zurückgewiesen, er habe vom vollen Ausmass der Abhöraktion bei «News of the World» gewusst, als er 2008 umfangreiche Zahlungen an den Vorsitzenden der Fussballspielervereinigung, Gordon Taylor, billigte. Taylor war eines der Abhöropfer.

Murdochs News International hatte lange Zeit erklärt, die Abhöraktion sei einzig auf den Reporter Goodman und einen Privatdetektiv beschränkt gewesen. Beide hätten zusammengearbeitet, um in Mailboxen der Königsfamilie einzudringen. Bei den Ermittlungen kam jedoch eine E-Mail mit der Abschrift einer illegal abgehörten Unterhaltung zutage, die von einem Jungreporter stammte und «für Neville» markiert war – offenbar eine Anspielung auf «News of the World»-Chefreporter Neville Thurlbeck.

Polizei zu Ermittlungen aufgefordert

Weil damit anscheinend weitere Personen mit der Abhöraktion in Zusammenhang gebracht wurden, könnte die Mail die Argumentation von News International, dass nur ein Reporter darin verwickelt war, potenziell widerlegen. Wenn Murdoch von der Mail gewusst haben und ihm die Konsequenzen bewusst gewesen sein sollten, würde dies den Verdacht nähren, dass er die Zahlungen an Taylor billigte, um das ganze Ausmass des Skandals zu vertuschen.

Ein Mitglied der Polizeiaufsichtsbehörde forderte Scotland Yard zudem zu Ermittlungen zum Vorwurf auf, wonach Journalisten Polizeibeamte bestochen haben sollen, um Personen mit Hilfe von deren Mobilfunksignalen aufzuspüren. Eine entsprechende Anschuldigung erhob der frühere «News of the World»-Reporter Sean Hoare gegenüber der «New York Times». Hoare, der 2005 entlassen wurde, erklärte, den Beamten seien 300 Pfund (340 Euro) pro aufgespürter Person gezahlt worden. Ein zweiter früherer Journalist des Blattes habe die Angaben bestätigt, schrieb die «New York Times». Hoare wurde am Montag tot in seiner Wohnung aufgefunden, nach Polizeiangaben liegt kein Verbrechen vor.

dapd/ afp/rub

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch