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«Ein gebrochener Mann, der alles verloren hat»

In den nächsten Tagen wird klar, wie lange Oscar Pistorius ins Gefängnis muss. Der südafrikanische Olympionike wurde am 12. September bereits wegen Totschlags verurteilt.

Warten auf das Strafmass: Oscar Pistorius (r.) spricht mit einem seiner Anwälte. Foto: Reuters
Warten auf das Strafmass: Oscar Pistorius (r.) spricht mit einem seiner Anwälte. Foto: Reuters

Für Oscar Pistorius tickt die Uhr. Der wegen Totschlags für schuldig gesprochene südafrikanische Ausnahmesportler wird in den kommenden Tagen erfahren, ob und für wie lange er möglicherweise ins Gefängnis muss: Der 27-jährige beinamputierte Läufer hat schlimmstenfalls mit einer 15-jährigen Freiheitsstrafe zu rechnen oder kann bestenfalls mit einer blossen Geldstrafe davon kommen – dazwischen ist alles möglich. Am Montag begann vor dem Landgericht in Pretoria die Verhandlung um das Strafmass des bereits am 12. September des Totschlags für schuldig befundenen Olympioniken, die in Südafrika mehrerer Tage in Anspruch nehmen kann. Sowohl die Verteidigung wie die Anklage laden während der Verhandlung um das Strafmass neue Zeugen vor, um mildernde beziehungsweise verschärfende Umstände geltend zu machen.

Am Montagmorgen sagte zunächst die Psychologin Lora Hartzenberg für die Verteidigung aus, die den Verurteilten seit kurz nach der Tatnacht im Februar des vergangenen Jahres als Therapeutin betreut. Hartzenberg beschrieb Pistorius als einen «gebrochenen Mann, der alles verloren hat»: Der Olympionike werde die Folgen der versehentlichen Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp «vermutlich niemals überwinden». Die «maliziösen Medienberichte und Kommentare in der Öffentlichkeit » hätten Pistorius Heilungschancen endgültig zerstört, fuhr die Psychologin fort: Sie selbst habe ihren Klienten als «respektvollen Menschen mit guten Manieren» kennen gelernt, dem der Tod der 29-Jährigen zutiefst Leid tun würde.

«Ein schwerern Fall von Nachlässigkeit»

Pistorius hatte Steenkamp am frühen Morgen des 14. Februar 2013 in seinem Haus in Pretoria mit vier Schüssen aus seiner Pistole nach eigenen Angaben aus Versehen getötet: Er habe angenommen, dass sich in der verschlossenen Toilette nicht seine damalige Freundin, sondern Einbrecher befanden. Dagegen war die Anklage davon ausgegangen, dass Pistorius Steenkamp im Streit erschossen hatte, und hatte eine Verurteilung wegen vorsätzlichen Mordes angestrebt. Richterin Thokozile Masipa zeigte sich von der Beweisführung des Staatsanwaltes Gerrie Nel allerdings nicht überzeugt: Die Anklage habe es versäumt, die Vorsätzlichkeit der Tat gegen alle Zweifel zu belegen, hiess es in ihrem Urteil. Masipa sprach Pistorius deshalb lediglich des Totschlags für schuldig: Eine Entscheidung, die in Südafrika heftige Reaktionen auslöste. In manchen Kreisen wurde das Urteil als Beweis dafür gewertet, dass begüterte Angeklagte besser weg kämen als mittellose. Nach südafrikanischem Recht kann Totschlag – je nach der Schwere des Falles – mit bis zu 15 Jahren Haft oder einer blossen Geldbusse bestraft werden: Doch indem Richterin Masipa in ihrem Urteil bereits von einem «schweren Fall der Nachlässigkeit» seitens Pistorius sprach, scheint eine blosse Geldstrafe ausgeschlossen zu sein.

Nach der Psychologin Hartzenberg sagte am Montag auch ein Sozialarbeiter im südafrikanischen Strafvollzug aus, der als Strafmass für Pistorius drei Jahre Hausarrest mit sozialer Arbeit empfahl. Seine Empfehlung stiess bei Staatsanwalt Nel auf Empörung: Ein derartiges Strafmass sei «auf schockierende Weise unangemessen», erwiderte Nel. Zu Wort kam auch Peet van Zyl, der Manager: «Er unternimmt alles, um andere glücklich zu machen». Auf Initiative der Verteidigung zählte van Zyl zahlreiche wohltätige Aktivitäten auf, die Pistorius zugunsten von Behinderten unternommen habe. Mit der Teilnahme an der Olympiade für Nichtbehinderte in London 2012 sei der Läufer auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt: Werbeverträge in mehrstelliger Millionenhöhe seien nach dem Tod Steenkamps ausnahmslos storniert worden. Für den heutigen Dienstag sind auch Aussagen von Zeugen der Staatsanwaltschaft vorgesehen, die zugunsten eines schärferen Strafmasses eintreten werden.

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