Feuerwerk für Sydney – und rundherum toben Buschbrände

In wenigen Stunden schiessen die Raketen in den Himmel über Sydney. 270'000 Unterschriften sollen das verhindern. Und jetzt?

Eine Milliarde Menschen weltweit soll hier Jahr für Jahr zuschauen: Das Silvesterfeuerwerk von Sydney. Foto: Reuters

Eine Milliarde Menschen weltweit soll hier Jahr für Jahr zuschauen: Das Silvesterfeuerwerk von Sydney. Foto: Reuters

Australiens Premierminister Scott Morrison wählte pathetische Worte. «Am Silvesterabend schaut die Welt nach Sydney. Jedes einzelne Jahr», sagte er. «Und sie schaut auf unsere Lebendigkeit, schaut auf unsere Leidenschaft, schaut auf unseren Erfolg und denkt sich: Was für ein einmaliger Ort.»

Nun, da die Welt schon länger als nur für einen Abend auf sein brennendes Land schaut, in dem die schlimmsten Buschbrände seit Langem wüten, musste Morrison sich positionieren. In einer Frage, die viele Australier umtrieb: Soll das berühmte Silvesterfeuerwerk in Sydney wegen der Brände abgesagt werden?

Eine Online-Petition, die das gefordert hatte, sammelte bis zum Montagmorgen mehr als 270'000 Unterschriften. Geld, das sonst für Feuerwerkskörper ausgegeben wird, solle lieber der Feuerwehr sowie betroffenen Landwirten und Tierschutzorganisationen zugute kommen. Sydneys Stadtverwaltung hatte Berichten zufolge im vergangenen Jahr rund 5,8 Millionen Australische Dollar für die Feuerwerksshow ausgegeben. «Das Risiko ist zu hoch. Wir müssen die erschöpften Freiwilligen der Feuerwehr respektieren», twitterte der stellvertretende Premierminister des Bundesstaates New South Wales, John Barilaro.

Die Premierministerin von New South Wales, Gladys Berejiklian, hielt dagegen: «New South Wales war immer ein Staat, der hoffnungsvoll in die Zukunft blickt, der belastbar und optimistisch bleibt.» Die Silvestershow dürfe daher ruhig veranstaltet werden, findet sie. Man müsse stark bleiben, um jene Gemeinden zu unterstützen, die es gerade schwer haben. Gemeinden wie Balmoral, ein Dorf 120 Kilometer südwestlich von Sydney, das quasi komplett von den Flammen zerstört wurde.

Premierminister Scott Morrison jedenfalls hat sich für das Silvesterfeuerwerk entschieden. Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit verfolgen das Feuerwerk in Sydney jedes Jahr im Fernsehen, mehr als eine Million vor Ort im Hafen. Die Stadt nimmt eigenen Angaben zufolge rund 130 Millionen Australische Dollar mit dem etwa 20-minütigen Spektakel ein.

Dieses abzusagen, hätte «für die betroffenen Gemeinden nur einen geringen praktischen Nutzen», teilte der Stadtrat mit. Schliesslich liefen die Vorbereitungen bereits seit 15 Monaten, der überwiegende Teil des Budgets sei längst aufgebraucht. Die Show könne trotz der andauernden Buschfeuer stattfinden, teilte die Feuerwehr am Montag mit. Sie habe keine Einwände, auch wenn Meteorologen im Westen Sydneys Temperaturen von bis zu 44 Grad und starke Winde erwarten.

Sydneys Oberbürgermeisterin Clover Moore will der Welt, wenn sie schon auf ihre Stadt schaut, zeigen, dass ihr Feuerwerk auch Gutes tun kann. Die enorme Reichweite der Veranstaltung solle genutzt werden, sagte Moore dem Sydney Morning Herald, um «Menschen auf der ganzen Welt» zu ermutigen, das Rote Kreuz zu unterstützen. Dessen Arbeit helfe Menschen, «die von einer Katastrophe betroffen sind.»

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