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Ein Todesschütze auf Betteltour

Mit steigender Spannung wartet Amerika darauf, ob George Zimmerman für die Erschiessung von Trayvon Martin angeklagt wird. Der Todesschütze von Florida hat bereits das Fundraising gestartet.

«Jede Spende ist willkommen»: George Zimmerman bittet um finanzielle Zuwendung.
«Jede Spende ist willkommen»: George Zimmerman bittet um finanzielle Zuwendung.
AFP

«Am 26. Februar wurde ich in einen Vorfall verwickelt, der mein Leben veränderte und mich schliesslich zum Gegenstand ausführlicher Medienberichterstattung machte. Deshalb war ich gezwungen, mein Haus, meine Schule, meinen Job, meine Familie und in letzter Konsequenz mein Leben aufzugeben.»: Diese Worte richtet George Zimmerman auf seiner Website an interessierte und potenzielle Unterstützer.

Den «Vorfall» beschreibt er nicht näher. Doch die ganze Welt weiss: am 26. Februar erschoss Zimmerman, Mitglied einer Bürgerwehr, den afroamerikanischen Teenager Trayvon Martin. Martin war dem aktuellen Stand der Ermittlungen zufolge unbewaffnet. Zimmerman behauptet, er habe in Notwehr gehandelt. Der 17-jährige Trayvon habe ihn tätlich angegriffen und verletzt, worauf er sich zur Schussabgabe gezwungen gesehen habe. Zum Abend, an dem Trayvon starb, äussert sich Zimmerman nicht: es handle sich um ein laufendes Verfahren, schreibt er sinngemäss.

«Jede Spende ist willkommen»

Zimmerman ward seit dem «Vorfall» nicht mehr gesehen. Wie er auf seiner Website beschreibt, hat er sich vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen – und verdient daher natürlich auch kein Geld. Auf seinem Internetauftritt hat Zimmerman einen Account des Online-Bezahldienstes Pay Pal verlinkt: «Ich versichere euch, jede Spende ist willkommen.» Die Spenden würden ausschliesslich für seine Lebenshaltungskosten sowie für seine Anwälte verwendet.

Zimmermans Anwälte haben die Authentizität der Website gegenüber lokalen Medien bestätigt.

Gerechtigkeit über das Internet

Seit Martins Tod brodelt es im Vielvölkerstaat USA. Kaum ein Tag vergeht ohne Solidaritätskundgebung für Martin oder Zimmerman. Der Fall habe die überwunden geglaubten Spannungen zwischen den Rassen wieder zum Vorschein gebracht, darüber sind sich die Kommentatoren einig.

Die Behörden setzten Zimmerman nach der Tat wieder auf freien Fuss, nachdem sie ihn vernommen hatten. Das «Stand-your-Ground»-Gesetz, nach dem das Prinzip der Notwehr sehr weit ausgelegt werden kann, spaltet die Rechtsexperten: Können und müssen die Behörden Zimmerman festnehmen und zur Anklage bringen? Oder eben nicht?

Der gewaltsame Tod des jungen Schwarzen ist zum Politikum geworden, und das Internet spielt dabei eine zentrale Rolle. Jene, die Zimmerman vor Gericht sehen wollen, haben eine Online-Petition gestartet, die zumindest eine Strafuntersuchung gegen den geständigen Schützen fordert. Bisher sind über 2,2 Millionen Unterschriften eingegangen.

Stellt er sich demnächst?

Laut dem Lokalsender WFTV soll sich Zimmerman noch diese Woche stellen. Dies hätten Quellen gemeldet, auf die der Sender jedoch nicht näher eingeht.

Ursprünglich sollte heute eine aus Geschworenen bestehende Grand Jury über die Anklageerhebung befinden, wie die Agentur AFP berichtet. Gestern erklärte Sonderstaatsanwältin Angela Corey jedoch, dass sie allein über eine Anklage entscheiden werde.

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