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Eine Leiche für zu Haus

Gunther von Hagens hat mit seinen Plastinaten von toten Menschen neue Massstäbe in der Vermarktung des Morbiden gesetzt. Jetzt übertrifft er sich selbst mit seinem Webshop für Leichenteile.

Gunther von Hagens posiert in der Ausstellung «Körperwelten», die von September 2009 bis Februar 2010 in Zürich gezeigt wurde.
Gunther von Hagens posiert in der Ausstellung «Körperwelten», die von September 2009 bis Februar 2010 in Zürich gezeigt wurde.
Keystone
Die Ausstellung erregte einiges Aufsehen, weil die Leichen nicht nur bei alltäglichen Tätigkeiten gezeigt wurden...
Die Ausstellung erregte einiges Aufsehen, weil die Leichen nicht nur bei alltäglichen Tätigkeiten gezeigt wurden...
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Gunther von Hagens ist nicht unumstritten. Kritiker werfen ihm unter anderem vor, ihm ginge es vor allem ums Geldmachen.
Gunther von Hagens ist nicht unumstritten. Kritiker werfen ihm unter anderem vor, ihm ginge es vor allem ums Geldmachen.
Keystone
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Dem umstrittenen Plastinator Gunther von Hagens wird ein guter Geschäftssinn nachgesagt. Dies zeigt er nun mit der im November geplanten Eröffnung eines Online-Shops, der echte anatomische Dauerpräparate unter die Leute bringen will. «Jetzt können Sie solche einmaligen Objekte zu sich nach Hause holen», heisst es auf der Webseite der Gubener Plastinate GmbH. Diese deutsche Firma, die rund 200 Mitarbeitende beschäftigt, arbeitet im Auftrag von Gunther von Hagens.

Wie in einem gewöhnlichen Online-Shop bietet die Gubener Plastinate GmbH allerhand Produkte an. Ein Ganzkörper-Plastinat eines Menschen kostet 69'615 Euro (inklusive Mehrwertsteuer, zuzüglich Versand). Ein Torso kann für 56'644 Euro erworben werden. Ein Kopf ist für 22'015 Euro zu haben und ein Gehirn für 4165 Euro. Und das ist nicht alles: Frühbucher können von einem Rabatt von zehn Prozent profitieren.

«Demokratisierung der Anatomie»

Die Eröffnung seines Online-Shops hat der Anatom aus Heidelberg in einem Rundmail an sein Netzwerk aus «Körperspendern, Kunden, Zulieferanten und interessierten Freunden» angekündigt. Dies berichtet die «Süddeutsche Zeitung», die im Besitz des Schreibens ist, das nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte. «Bisher verkauften wir vorrangig Plastinate an Kunden mit Lehr- und Forschungsauftrag», schreibt von Hagens. «Um die aufwändige Plastinationsforschung fortzuführen» sei es aber «notwendig, die begonnene Demokratisierung der Anatomie zu stärken und die Produkte einem grösseren Kreis potenzieller Interessenten zugänglich zu machen.»

Für den interessierten Käufer öffnet sich auf der Webseite des Hagens-Shops ein Formular, auf dem er nachweisen muss, dass er ein «qualifizierter Nutzer» ist. Dazu gehören «juristische oder natürliche Personen, die verkaufsbeschränkte Plastinate nur zum Zweck der Forschung, Lehre oder der medizinischen, diagnostischen bzw. therapeutischen Berufsausübung verwenden wollen». Für Interessierte, die keine berufliche Motivation nachweisen können, gibt es echt aussehende Reproduktionen im Angebot. Die Reproduktion eines Schnitts durch Kopf und Nacken auf A3-Grösse kostet 980,26 Euro - statt der 1383,38 Euro für das Leichen-Original.

Business oder anatomische Fortbildung?

Schliesslich verkauft die Gubener Plastinate GmbH auch Lifestyle-Produkte. «Alles Unikate, alles Handarbeit!», wie es auf der Webseite heisst. Solche Produkte, für die Teile von Tieren verarbeitet werden, sind zum Beispiel Silber-Ohrringe aus Giraffenschwanz-Scheiben oder Ringe aus einem Bullen-Penis.

Der Online-Shop von Gunther von Hagens dürfte ihm erneut den Vorwurf eintragen, er wolle mit toten Menschen vor allem Geld verdienen. Dagegen betont von Hagens, dass es ihm um eine anatomische Fortbildung für die breite Bevölkerung gehe.

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