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Entführer behauptete, ein Triebwerk sei ausgefallen

Der äthiopische Kopilot, der ein Flugzeug nach Genf entführte, verhandelte vor der Landung mit der Flugsicherung Skyguide. Unter der Vorgabe technischer Probleme wollte er Asyl erzwingen.

«Viele merkten wohl erst in Genf, dass etwas Ausserplanmässiges geschehen ist»: Polizisten beobachten einen Passagier, der das Flugzeug der Ethiopian Airlines in Genf verlässt.
«Viele merkten wohl erst in Genf, dass etwas Ausserplanmässiges geschehen ist»: Polizisten beobachten einen Passagier, der das Flugzeug der Ethiopian Airlines in Genf verlässt.
Richard Juilliart, AFP
Gelandet: Das Flugzeug der Ethiopian Airlines wurde auf dem Weg von Addis Abeba nach Rom entführt und landete am internationalen Flughafen in Genf. (17. Februar 2014)
Gelandet: Das Flugzeug der Ethiopian Airlines wurde auf dem Weg von Addis Abeba nach Rom entführt und landete am internationalen Flughafen in Genf. (17. Februar 2014)
Salvatore Di Nolfi, Keystone
Passagiere werden in Genf aus der entführten Maschine der Ethiopian Airlines evakuiert. (17. Februar 2014)
Passagiere werden in Genf aus der entführten Maschine der Ethiopian Airlines evakuiert. (17. Februar 2014)
Salvatore Di Nolfi, Keystone
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Eines der Triebwerke sei ausgefallen und es bleibe nur noch wenig Treibstoff: Dies sagte der Kopilot, der am Montag ein Flugzeug der Ethiopian Airlines nach Genf entführte, der Flugsicherung Skyguide. Der Kopilot zögerte offenbar, zu landen, und verhandelte um Asyl.

Die Flugsicherung schlug dem Kopiloten bereits ab 5.30 Uhr vor, zu landen, obwohl dieser angab, noch für 35 Minuten Treibstoff zu haben, sagte Vladi Barrosa, Mediensprecher von Skyguide, der Nachrichtenagentur sda.

Das habe der Kopilot nicht getan, weil er noch verhandeln wollte, um grünes Licht für seinen Asylantrag zu erhalten. Man habe nicht gewusst, ob die Angaben zu den technischen Problemen der Wahrheit entsprachen, aber man habe gehandelt, als ob dies der Fall sei, sagte Barrosa.

Die Flugsicherung von Skyguide, die rund um die Uhr im Einsatz ist, trifft ihre Entscheidungen normalerweise in letzter Instanz. Am Montag musste der Fluglotse jedoch die Rolle des Vermittlers zwischen dem Kopiloten und einem Verhandlungsexperten der Polizei übernehmen. Skyguide habe dem Kopiloten ein zweites Mal vorgeschlagen, das Flugzeug zu Boden zu bringen, als dieses noch über Treibstoff für 20 Minuten verfügte. «Er lehnte erneut ab», sagte Barrosa.

Funk nicht verschlüsselt

Als die Zeit bis auf zehn Minuten zurückging, wurde die Maschine diesmal angewiesen, jetzt zu landen, auch wenn der Kopilot den Behörden kein Versprechen auf Asyl abringen konnte. «Das Risiko eines Absturzes wurde zu gross.»

Dass das Gespräch zwischen dem Kontrollturm und dem Kopiloten am Dienstag von der Zeitung «Le Temps» veröffentlicht wurde, sei nicht unbedingt auf ein Leck zurückzuführen, sagte Barrosa. «Die Gespräche sind nicht verschlüsselt, sie sind öffentlich», so der Skyguide-Mediensprecher. Es gebe sogar eine Gratis-App.

Der Flughafen Genf könne jederzeit reagieren, wenn ein Flugzeug in der Nacht in Genf landen müsse, auch wenn der Flugverkehr zwischen Mitternacht und 6 Uhr eingeschränkt sei, sagte Bertrand Stämpfli, Mediensprecher des Flughafens Genf.

Genf statt Rom angeflogen

Der Kontrollturm sei rund um die Uhr von Skyguide besetzt. In der Nacht stehe eine Person im Einsatz. Der Flug ET 702 der Ethiopian Airlines setzte um 6.02 Uhr in Genf auf. Die 202 Passagiere und Besatzungsmitglieder blieben unverletzt.

Während des Fluges nach Rom hatte sich der Kopilot im Cockpit eingesperrt, als der Chefpilot die Toilette aufsuchte. Danach gab er der italienischen Flugsicherung zu erkennen, dass er das Flugzeug entführt hatte.

Die Boeing 767-300 wurde darauf von zwei italienischen Kampfjets des Typs Eurofighter eskortiert, über den französischen Luftraum bis in die Schweiz übernahmen zwei Mirage 2000 die Begleitung. Nach der Landung in Genf liess sich der Kopilot widerstandslos festnehmen.

Der 31-jährige Äthiopier verlangte politisches Asyl in der Schweiz und gab an, dass er in seiner Heimat nicht sicher sei. Der Mann wurde festgenommen. Ihm droht eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren.

(SDA)

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