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«Er hat nur komisch gelächelt»

Ein 15-Jähriger brach vor einem Bankomaten zusammen und wurde von mehreren Passanten liegen gelassen. Jetzt rechtfertigt sich der 48-jähriger SVP-Politiker, der wegen unterlassener Nothilfe angeklagt ist.

Vor diesem Bankomaten brach das Opfer zusammen: Bankfiliale in Aesch (BL). (Foto: BLKB)
Vor diesem Bankomaten brach das Opfer zusammen: Bankfiliale in Aesch (BL). (Foto: BLKB)

Die Empörung ist gross. Mehrere Hundert Onlinekommentatoren forderten bisher eine harte Strafe für einen Baselbieter Unternehmer und ehemaligen SVP-Gemeinderatskandidaten. Die Basler Ausgabe der «Schweiz am Sonntag» berichtete, dass der 48-Jährige am kommenden Freitag wegen unterlassener Nothilfe vor dem Strafgericht in Liestal steht. Der Mann eilte einem 15-Jährigen nicht zu Hilfe, als dieser neben ihm am Bankomaten in Aesch zusammenbrach. Der Vorfall ereignete sich im Jahr 2011.

Der Jugendliche erlitt einen Hirnschlag. Er ist seither teilweise gelähmt, da ihm über eine Stunde lang nicht geholfen wurde. Die Videokameras der Bank filmten zehn weitere Personen, die an dem zusammengebrochenen Teenager vorbeigingen, ohne sich um ihn zu kümmern. Sie erhielten von der Staatsanwaltschaft keinen Strafbefehl, da sie den Sturz im Gegensatz zum Angeklagten nicht miterlebt hatten.

«Ich kannte die Anzeichen nicht»

Der Angeklagte meldet sich nun in der «Schweiz am Sonntag» erstmals zu Wort. Den jungen Mann habe er gefragt, ob «alles okay» sei, als dieser zusammengesackt und auf die Knie gefallen sei: «Doch er hat nur komisch gelächelt.» Der Unternehmer verteidigt sich: «Ich habe noch nie einen Schlaganfall miterlebt. Ich kannte die Anzeichen nicht.» Selbst die Spezialisten im Spital hätten erst nach langen Abklärungen gemerkt, dass die Verletzungen nicht die Folge eines Raubüberfalls gewesen seien. Heute würde der Beschuldigte anders handeln. Er sagt: «Wenn ich den Fall nicht selbst erlebt hätte, würde ich auch sagen, dass man doch hätte merken müssen, dass der Mann Hilfe braucht.»

Der Angeklagte erhält prominente Unterstützung. Alec von Graffenried, Präsident der Rechtskommission des Nationalrats, sagt, dass er eine Verurteilung für ungerechtfertigt halten würde. Der Rechtsanwalt fragt: «Ist es gerecht, wenn einer von zehn herausgepickt und bestraft wird?» Ohnehin sei das Strafrecht in diesem Fall vermutlich der falsche Ansatz, um das Problem zu lösen. «Stattdessen sollten die Selbstverantwortung und die Nachbarschaftshilfe gestärkt werden», argumentiert er.

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