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Ermittler tappen nach Bombenfund im Dunkeln

Nach der Entdeckung eines Sprengsatzes im Bahnhof Bonn hat sich ein anfänglicher Verdacht gegen Islamisten bislang nicht erhärtet. Mit einem Phantombild wird nun nach einem Hauptverdächtigen gesucht.

Spurensuche auf dem Gleis 1 am Bahnhof Bonn: Ermittler mit einem Schäferhund. (10. Dezember 2012)
Spurensuche auf dem Gleis 1 am Bahnhof Bonn: Ermittler mit einem Schäferhund. (10. Dezember 2012)
Reuters

Der Fund einer womöglich hoch gefährlichen Bombe am Bonner Hauptbahnhof gibt den Ermittlern nach der Freilassung von zwei Verdächtigen weiter Rätsel auf. «Ein anfänglicher Ermittlungsansatz in Richtung islamistischer Terrorismus hat sich bislang nicht als weiterführend erwiesen», sagte der deutsche Bundesanwalt Rainer Griesbaum heute in Karlsruhe.

Nach Angaben der Bonner Staatsanwaltschaft wird weiter in alle Richtungen ermittelt. Zwei Tage nach der Entdeckung des Sprengsatzes in einer blauen Reisetasche suchte die zuständige Polizei in Köln weiter mit einem Phantombild nach einem Hauptverdächtigen, der die Tasche am Gleis eins des Bahnhofs abgestellt haben soll. Konkrete Hinweise auf den Mann gingen zunächst nicht ein, wie der Bonner Oberstaatsanwalt Robin Fassbender der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Durch Wasserstrahl-Beschuss zerstört

Gestern am späten Abend hatten die Ermittler zwei Männer wieder auf freien Fuss gesetzt, die wenige Stunden zuvor in Gewahrsam genommen worden waren. Laut Polizei liess sich ein erster Tatverdacht gegen die Männer nicht erhärten, von denen zumindest einer aus dem islamistischen Spektrum stammen soll.

Nach Ermittlerangaben hatte sich in dem verdächtigen Gepäckstück «potenziell zündfähiges Material» befunden. Spezialisten hatten die Tasche vor Ort durch Beschuss mit einem Wasserstrahl zerstört. Unklar blieb auch am Mittwoch zunächst, ob die Konstruktion in der Tasche auch explosionsfähig war. Die entsprechenden Untersuchungen durch Experten dauerten auch noch an, sagte Fassbender.

Tasche könnte anderes Ziel gehabt haben

Vor diesem Hintergrund seien heute bekannt gewordene Mutmassungen über die Gefährlichkeit der Bombe «reine Spekulation», fügte der Bonner Oberstaatsanwalt hinzu. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» hatte zuvor auf ihrer Internetseite berichtet, es habe sich um eine extrem gefährliche Bombe gehandelt. Der Sprengsatz sei in dieser Hinsicht mit den Bomben des Anschlags von Madrid am 11. März 2004 zu vergleichen. Bei den Anschlägen mit mehreren Sprengsätzen auf vier Pendlerzüge in Madrid waren 191 Menschen getötet und mehr als 1800 weitere verletzt worden. Zu der Tat bekannten sich radikale Islamisten.

Laut faz.net gehen die Ermittler derzeit davon aus, dass die Taschenbombe eigentlich nicht im Bonner Bahnhof, sondern vermutlich in einem Zug oder an einem anderen belebten Ort hätte deponiert werden sollen.

Sicherheitslage unverändert

Generalbundesanwalt Harald Range sagte in Karlsruhe zu dem Bonner Fall, derzeit sei ein terroristischer Hintergrund «nicht mit zureichender Sicherheit» festzustellen. «Nur wenn dies der Fall wäre, könnten wir die Ermittlungen übernehmen.» Range zufolge steht die Karlsruher Behörde seit gestern in engem Kontakt mit der Bonner Staatsanwaltschaft. Die Bundesanwaltschaft werde das Verfahren «selbstverständlich» übernehmen, sobald «zureichende Anhaltspunkte für einen terroristischen oder staatsschutzrechtlichen Hintergrund» vorlägen.

Bundesanwalt Griesbaum unterstrich, der Fund in Bonn zeige einmal mehr das aktuell «diffuse Bedrohungsszenario, das potenziell gegenläufige Hintergründe aufweisen kann». Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte in Berlin, die Sicherheitslage in Deutschland sei nach dem Fund der Sprengstofftasche unverändert. Deutschland sei unverändert im Visier des internationalen Terrorismus.

AFP/rbi

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