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«Es hat nicht funktioniert»

Ein erster Versuch, das offene Ölleck mit einer Stahlbetonglocke abzudecken, ist gescheitert. BP-Ingenieure erwägen nun Beton in die Quelle zu Pumpen.

Öl so weit das Auge reicht: Selbst die Fischerboote sind im Einsatz gegen den sich ausbreitenden Ölteppich.
Öl so weit das Auge reicht: Selbst die Fischerboote sind im Einsatz gegen den sich ausbreitenden Ölteppich.
Reuters
An der Unfallstelle: Die Plattform «Development Driller III» soll mit einem zusätzlichen Bohrloch den Öldruck entlasten.
An der Unfallstelle: Die Plattform «Development Driller III» soll mit einem zusätzlichen Bohrloch den Öldruck entlasten.
Keystone
Der Hoffnungsträger wird im Meer versenkt.
Der Hoffnungsträger wird im Meer versenkt.
Reuters
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Die Bemühungen zur Eindämmung der Ölpest im Golf von Mexiko haben am Wochenende einen Rückschlag erlitten. Ein erster Versuch, das offene Ölbohrloch am Meeresgrund mit einer Stahlbetonglocke abzudecken scheiterte, weil sich in der riesigen Konstruktion Eiskristalle aus Gas und Wasser bildeten. Dadurch wurden die Öffnungen verstopft, durch die das Öl kontrolliert abgepumpt werden sollte.

Wegen der Verstopfung erhielt die 100 Tonnen schwere Glocke zu starken Auftrieb. Die Einsatzkräfte hätten die Konstruktion daher wieder angehoben und 180 Meter seitlich platziert, teilte der Betriebsvorstand des Mineralölkonzerns BP, Doug Suttles, mit. «Was wir versucht haben, hat nicht funktioniert», sagte Suttles.

«Top-Kill»-Methode

Es werde nun mindestens bis Montag dauern, bis eine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen werde. Bis zu einem neuen Versuch könnten Tage vergehen. Ursprünglich war geplant, mit Hilfe der Glocke von der Grösse eines viergeschossigen Hauses ab Sonntag bis zu 85 Prozent des austretenden Öls aufzufangen.

Parallel prüfen BP-Ingenieure weiter, ob das Leck auch mit der sogenannten «Top-Kill»-Methode abgedichtet werden könnte. Dabei wird ein Gemisch aus Lehm und Beton direkt in die Quelle gepumpt, wie ein BP-Sprecher erläuterte.

Eine Million Liter Chemikalien

Umstritten ist im Kampf gegen die Katastrophe der Einsatz von Chemikalien zur Zersetzung des Ölfilms, da sie weitere Schäden in der Natur anrichten. Rund eine Million Liter Chemikalien seien inzwischen eingesetzt worden, um das Öl aufzulösen. Am Samstag forderten drei Regierungsvertreter aus Louisiana BP-Chef Tony Hayward auf, ihnen mehr Informationen über die Chemikalien und die Folgen für die Umwelt zu liefern.

Die Zersetzungsmittel lassen den Teppich nach Angaben der US-Umweltschutzbehörde nicht verschwinden, sorgen jedoch für eine allmähliche Unterteilung, so dass etwa mit kontrolliertem Verbrennen leichter gegen die Ölpest vorgegangen werden kann. Umweltgruppen kritisieren den Einsatz solcher Chemikalien.

Seit dem Beginn der Ölpest wurden nach Angaben der US-Küstenwache vom Samstag fast acht Millionen Liter eines Öl-Wasser-Gemischs abgesaugt. BP hat erklärt, es handele sich um etwa zehn Prozent Öl, der Rest sei Wasser. An den Reinigungsarbeiten sind laut Küstenwache fast 190 Schiffe beteiligt.

Täglich 800'000 Liter Öl

Aus den Lecks in 1500 Metern Tiefe am Meeresgrund strömen täglich rund 800'000 Liter Öl, seit die von BP genutzte Bohrplattform «Deep Water Horizon» am 22. April bei einer Explosion zerstört wurde. Dabei kamen elf Arbeiter ums Leben. Ursache des folgenschweren Unglücks 80 Kilometer vor der Küste von Louisiana war offenbar eine Methangasblase und eine Serie von Pannen.

Unterdessen wurden an den weissen Sandstränden der fünf Kilometer vor Alabama gelegenen Dauphin-Insel erste Teerklumpen angespült. Die Substanz stamme wahrscheinlich von der zerstörten Bohrplattform, teilte die Küstenwacht mit. Einsatzkräfte fuhren in Schlauchbooten die Küste entlang, um die Teerklumpen einzusammeln.

ddp/afp/sda/jak

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