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FBI dringt in die Wohnung des mutmasslichen Attentäters ein

Der Wohnsitz des mutmasslichen Amokläufers von Colorado ist versetzt mit Sprengfallen. Spezialeinheiten verschaffen sich Zugang. Und immer noch rätseln die Behörden über das Motiv des jungen Mannes.

War an der Verhaftung beteiligt: Polizeibeamter Jason Oviatt auf dem Weg in den Gerichtssaal. (7. Januar 2013)
War an der Verhaftung beteiligt: Polizeibeamter Jason Oviatt auf dem Weg in den Gerichtssaal. (7. Januar 2013)
Reuters
Polizist Justin Grizzle erzählt, was er an jenem Abend in Aurora erlebt hat. (7. Januar 2013)
Polizist Justin Grizzle erzählt, was er an jenem Abend in Aurora erlebt hat. (7. Januar 2013)
Reuters
Hier ereigneten sich die dramatischen Szenen: Eine Aufnahme zeigt den Kinokomplex am Tag.
Hier ereigneten sich die dramatischen Szenen: Eine Aufnahme zeigt den Kinokomplex am Tag.
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Die Polizei hat einige Sprengfallen in der Wohnung des mutmasslichen Amokläufers von Aurora entschärft. Es wurde mehrmals «Deckung» gerufen, dann ertönte eine Feuerwehrsirene. Wenige Sekunden später war ein Knall zu hören. Ein Sprengsatz sei mit einer Wasserkanone unschädlich gemacht worden, sagte ein Mitarbeiter der Sicherheitskräfte, der wegen der laufenden Ermittlungen nicht namentlich genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur AP. Zuvor hatte es geheissen, ein Teil der Sprengfallen sei mit einer kontrollierten Explosion entschärft worden.

Offenbar war die Wohnung des Verdächtigen mit unterschiedlichen Sprengfallen gesichert. Neben Krügen mit Brandbeschleunigern und Chemikalien, die bei Kontakt explodieren, seien auch 30 «improvisierte Granaten» entdeckt worden, hiess es aus Sicherheitskreisen. Die Sprengfallen «waren darauf ausgelegt, jemanden zu töten», sagte die Polizistin Cassidee Carlson. «Das hätte auch ein Polizeibeamter mit einem Haftbefehl sein können.»

Die Polizei bemühe sich, bei der Entschärfung der selbstgebauten Sprengsätze möglichst wenig Beweismaterial zu zerstören, sagte Carlson. «Wir wollen nichts verlieren, was von Wert sein könnte.»

Verdächtiger verweigert die Aussage

Der mutmassliche Schütze sitzt in Haft, doch das Motiv des jungen Mannes gibt den Ermittlern weiter Rätsel auf. Die Polizei äusserte sich nicht zu möglichen Beweggründen, und der Verdächtige James H. verweigerte nach Behördenangaben die Aussage. Unterdessen trauerten nahe des Tatorts in der Ortschaft Aurora die Hinterbliebenen um die Opfer der Bluttat.

Polizeibeamte informierten am Freitagabend die Angehörigen der Todesopfer. Zwölf Menschen kamen ums Leben, als ein Bewaffneter bei der Premiere des neuen «Batman»-Films in der Nacht auf Freitag das Feuer eröffnete. 58 Menschen wurden verletzt, elf von ihnen waren in kritischem Zustand. Bewohner von Aurora, eines Vororts von Denver, legten am Freitag Blumen vor dem Kino nieder und entzündeten in Gedenken an die Getöteten zwölf Kerzen.

Hinterbliebene halten Totenwache für Opfer

Auf einem nahe gelegenen Hügel hielten rund 350 Menschen eine Totenwache für die Opfer. Viele lagen sich in den Armen und weinten. Auf einem Schild war zu lesen: «7/20 - Tot, aber nicht vergessen». Colorados Gouverneur John Hickenlooper sagte am Freitag, die Menschen dürften sich nicht von dieser Tragödie definieren lassen. «Wir werden daraus stärker hervorgehen und darüber hinwegkommen», sagte er in einer emotionalen Ansprache.

Berichte, wonach die Tat in Zusammenhang mit dem neuen «Batman»-Film «The Dark Knight Rises» stand, bei dessen Premiere H. das Feuer eröffnete, wollte die Polizei zunächst nicht bestätigen. Der Polizeichef von New York, Raymond Kelly, sagte, der Verdächtige habe seine Haare rot gefärbt und gesagt, er sei der «Joker», ein Bösewicht aus den «Batman»-Comics. Er sei über den Vorfall unterrichtet worden. Der örtliche Polizeichef Dan Oates bestätigte die Angaben nicht.

Unterdessen versuchten die Behörden, den genauen Ablauf der Tat zu rekonstruieren. Ein FBI-Beamter erklärte, H. habe sich eine Karte gekauft und den Saal gemeinsam mit anderen Kinobesuchern betreten. Nach Beginn des Films habe er eine Ausgangstür geöffnet und sich offenbar ausserhalb des Saales einen Helm, eine schusssichere Weste sowie eine Gasmaske angezogen. Anschliessend warf er Behördenangaben zufolge Gaskartuschen in den Raum und begann inmitten des Rauches mit einem halbautomatischen Sturmgewehr, einer Pistole und einer Schrotflinte wahllos auf die Besucher zu feuern. Der Verdächtige wurde am dem Parkplatz festgenommen.

Vier Waffen wurden nach der Tat in dem Kino gefunden, die alle innerhalb der vergangenen 60 Tage legal gekauft wurden, wie Polizeichef Oates erklärte. Der Verdächtige habe ausserdem 6.000 Schuss Munition legal erworben.

Mutmasslicher Schütze verliess kürzlich Doktorandenprogramm

Der mutmassliche Täter wurde von der Polizei als 24-jähriger Student identifiziert, der bisher polizeilich nicht aufgefallen war. Er war für ein Doktorandenprogramm in Neurowissenschaften eingeschrieben, das er im vergangenen Monat allerdings aus bislang unbekannten Gründen abbrach. Seine akademischen Leistungen waren zuvor offenbar sehr gut. «Er war einer der Besten der Besten», sagte Kanzler Timothy White von der Universität von Kalifornien, an der H. ein Bachelor-Studium absolviert hatte.

Ein Bekannter, Tom Mai, beschrieb ihn als netten und schüchternen jungen Mann. Seine Eltern leben in einem wohlhabenden Vorort von San Diego in Kalifornien. Der Vater ist Manager bei einem Software-Unternehmen, die Mutter arbeitet als Krankenschwester.

Es war die folgenschwerste Schiesserei in den USA seit dem 5. November 2009, als ein Psychiater auf dem Stützpunkt Fort Hood in Texas 13 Soldaten und Zivilpersonen tötete. In Colorado war es das schlimmste Massaker seit den tödlichen Schüssen in der Columbine High School 1999. Dabei waren zwölf Schüler, ein Lehrer und die beiden Schützen ums Leben gekommen.

Angesichts der Bluttat stellten US-Präsident Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney ihren zuletzt immer härter geführten Wahlkampf zurück und sprachen den Familien der Opfer ihr Mitgefühl aus. Keiner der beiden äusserte sich aber zu strengeren Waffengesetzen.

dapd/kpn

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