Gaffer und Selfie-Wütige behinderten Einsatzkräfte

Polizei und Feuerwehr mussten in der Brandnacht nicht nur gegen das Feuer, sondern auch gegen eine Menschenmenge ankämpfen.

Grossbrand am HB: Drohnenaufnahmen des Brandes und Augenzeugenvideos der Explosionen zeigen das Ausmass. (Tamedia)

Als das Feuer am Zürcher Bahnhofplatz ausbrach, waren viele Passanten und Nachtschwärmer unterwegs. Jenseits der Limmat fand das «Dörflifäscht» statt. Als die Einsatzkräfte die Umgebung absperrten, mussten sie Passanten wegweisen, die von sich und dem Unglück Selfies machten.

Einer, der das Geschehen hautnah mitbekam, war der Zürcher FDP-Gemeinderat Përparim Avdili. Just in der Brandnacht begleitete er die Stadtpolizei auf einer Patrouille. Beim Eintreffen am Einsatzort seien Hunderte Schaulustige den Polizisten im Weg gestanden, sagte er der «NZZ».

«Sie wollten ständig diskutieren»

«Rund um die Brücke gab es einen Auflauf von Menschen, viele kamen vom Dörflifäscht oder vom Ausgang», erklärt Avdili auf Anfrage von berneroberlaender.ch/Newsnetz. «Es gab Leute, die machten Selfies vor dem brennenden Gebäude oder vor Polizei- und Feuerwehrfahrzeugen.» Viele hätten sich der Polizei widersetzt. «Sie wollten ständig diskutieren, einige machten sich über die Einsatzkräfte lustig», sagt Avdili.

Wenn in nächster Nähe zehn Meter hohe Flammen in den Himmel schiessen würden, sollte es doch eigentlich selbstverständlich sein, dass man der Feuerwehr Platz mache, findet er. Dass viele den Anweisungen der Polizei nicht folgten, habe wohl auch mit dem Alkoholkonsum zu tun.

«Polizisten brauchen so viel Nerven»

Im Verlauf des Einsatzes sei es zudem immer wieder zu Beleidigungen gekommen. Viele Junge hätten keinen Respekt vor der Polizei. Als die erste Gasflasche explodierte, seien dann auch die Vorlauten schnell weg gewesen. «Ich habe die Druckwelle am ganzen Körper gespürt», sagt Avdili.

Der FDP-Politiker hat grossen Respekt vor den Einsatzkräften: «Polizei, Feuerwehr und Sanität waren extrem gut organisiert.» Das habe ihn tief beeindruckt. «Polizisten brauchen täglich so viel Nerven», sagt Avdili. «Dennoch haben sie sich immer professionell verhalten.»

Drohnenaufnahmen der Stadtpolizei Zürich zeigen das Ausmass des Grossbrandes. (Video: Tamedia mit Material der Stadtpolizei Zürich)

oli

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