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Geisterschiff überquert den Atlantik

Sturm Dennis treibt einen führerlosen Frachter an die irische Küste – eineinhalb Jahre, nachdem er aufgegeben wurde.

Fabian Müller
Das 77 Meter lange Geisterschiff "MV Alta" an der irischen Küste. Foto: Keystone
Das 77 Meter lange Geisterschiff "MV Alta" an der irischen Küste. Foto: Keystone

Die Bilder, die die irische Küstenwache am Sonntag veröffentlicht hat, sind beeindruckend. Ein 77 Meter langes Frachtschiff wird da vom Wasser an die schroffe irische Küste gepresst, die Wellen schlagen hoch an den Bug. Die Irish Coast Guard schrieb zu dem Video, es handele sich um das Frachtschiff «MV Alta», das vor fast eineinhalb Jahren von seiner Besatzung aufgegeben wurde – rund 2200 Kilometer südöstlich der Bermudainseln. Ein sogenanntes Geisterschiff. Ein Jogger hatte den 77 Meter langen Frachter in den Felsen vor Ballycotton in der Grafschaft Cork im Südwesten des Landes aufgefunden. Sturmtief «Dennis» soll den Frachter angeschwemmt haben.

Irischen Medienberichten zufolge wurden die zehn Crewmitglieder der «Alta» im September 2018 von der US Küstenwache von Bord geholt. Der unter tansanischer Flagge stehende Frachter war demnach auf dem Weg von Griechenland nach Haiti, das Schiff soll vor der Evakuierung fast drei Wochen manövrierunfähig gewesen sein. Die Eigner wollten die «Alta» zunächst abschleppen lassen, überliessen das Schiff dann aber sich selbst. Für eineinhalb Jahre trieb es im Anschluss über den Ozean. Die afrikanische Küste entlang, dann an Spanien vorbei, westlich der englischen Küste. So etwas habe er noch nie gesehen, sagte John Tattan, der Leiter der Seenotrettungsorganisation RNLI, dem Irish Examiner.

156 Geisterschiffe im Jahr

Dabei sind Geisterschiffe nicht ungewöhnlich. Immer wieder gibt es Meldungen von teils kleineren Fischerbooten, aber auch von grösseren Frachtern, die herrenlos auf den Weltmeeren herumschwimmen. Die japanische Zeitung Yorimuri Shimbun berichtete, dass im vergangenen Jahr mindestens 156 Geisterschiffe mit vermutetem Ursprung aus Nordkorea an die Küsten Japans geschwemmt worden sind.

Oder das ehemalige sowjetische Passagierschiff «Lyubov Orlova», dass 2013 führerlos wurde, weil auf dem Weg zu einer Abwrackwerft in der Dominikanischen Republik die Schleppverbindung riss. Jahrelang trieb das rund 100 Meter lange Geisterschiff durch den Nordatlantik, mittlerweile wird spekuliert, es sei gesunken.

Zukunft liegt in Händen anderer

Die «MV Alta» war im vergangenen September durch ein Patrouillenboot der britischen Royal Navy in der Mitte des Atlantiks entdeckt worden. Die Navy wollte ihre Hilfe anbieten. Da aber niemand reagierte und das Schiff offensichtlich verlassen war, «liegt die Zukunft in den Händen anderer», teilte die britische Marine damals mit. Sechs Monate später trieb Sturm Dennis das Schiff dann an die irische Küste. Die Behörden versuchen nun herauszufinden, wem das Schiff gehört. Sollte ein Besitzer ausfindig gemacht werden, muss der wohl die Bergungskosten übernehmen.

Was nun genau mit der «Alta» passieren soll, ist noch unklar. Am Dienstag bewertete ein Gutachter das Verschmutzungsrisiko durch Öl oder andere gefährliche Substanzen, die sich möglicherweise noch an Bord befinden. Zudem wird befürchtet, dass das Schiff auseinander brechen könnte.

Ein Sprecher der örtlichen Behörden sagte, die Öffentlichkeit solle sich von der Wrackstelle fernhalten, «da sie sich an einem gefährlichen und unzugänglichen Küstenabschnitt befindet und in einem instabilen Zustand ist».

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