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Gericht billigt Teilräumung von Asyllager in Calais

Ein Flüchtlingslager in Nordfrankreich wird teils geräumt. Das hat ein Gericht entschieden. Der genaue Zeitpunkt ist noch nicht bekannt.

Die Zustände im Lager werden scharf kritisiert: Flüchtlinge im Camp. (23. Februar 2016)
Die Zustände im Lager werden scharf kritisiert: Flüchtlinge im Camp. (23. Februar 2016)
Jerome Delay/AP Photo
Die Bewohner leben in Zelten oder in selbst errichteten Hütten.
Die Bewohner leben in Zelten oder in selbst errichteten Hütten.
Jerome Delay/AP Photo
Dabei sei die Situation lösbar, in Calais hielten sich lediglich 3000 Migranten auf.
Dabei sei die Situation lösbar, in Calais hielten sich lediglich 3000 Migranten auf.
Philippe Huguen, AFP
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Zahlreiche Bewohner des südlichen Teils des Flüchtlingslagers im nordfranzösischen Calais müssen gehen. Die französische Justiz hat die geplante Räumung eines Teils des Flüchtlingslagers in Calais gebilligt. Das Verwaltungsgericht der nordfranzösischen Stadt Lille erklärte ein entsprechendes Dekret der zuständigen Präfektur am Donnerstag für rechtmässig.

Dies verlautete aus Verwaltungskreisen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Damit können die Behörden wie geplant den südlichen Teil des als «Dschungel» bekannten Lagers am Ärmelkanal räumen. Die Behörden wollen aber nicht sofort Polizisten schicken: Die Flüchtlinge sollen laut Präfektur vielmehr «überzeugt» werden, in Aufnahmezentren zu gehen.

Hilfsorganisationen sprechen von 3500 Flüchtlingen

In diesem Abschnitt leben nach Angaben der Behörden bis zu 1000 Flüchtlinge in selbstgebauten Hütten oder Zelten. Hilfsorganisationen sprechen dagegen von rund 3500 Flüchtlingen.

Die Flüchtlinge sollen in Wohncontainern in Calais oder in Aufnahmezentren in anderen Landesteilen untergebracht werden. Hilfsorganisationen kritisierten aber, die Alternativen seien für die Flüchtlinge nicht ausreichend.

Viele Flüchtlinge wollen das am Ärmelkanal gelegene Lager zudem nicht verlassen: Sie hoffen, auf Fähren oder durch den Eurotunnel nach Grossbritannien zu gelangen.

Räumung zu verhindern versucht

Flüchtlinge und Hilfsorganisationen versuchten deswegen, die Räumung des südlichen Lagerteils per einstweiliger Verfügung zu verhindern, und zogen vor das Verwaltungsgericht von Lille.

Damit wurde ein von den Behörden gestelltes Ultimatum an die Flüchtlinge, das am Dienstagabend ausgelaufen wäre, zunächst unwirksam - die Präfektur musste die Entscheidung der Justiz abwarten. Nun erklärte das Verwaltungsgericht das Dekret für rechtens und machte den Weg frei für eine Räumung.

Innenminister Bernard Cazeneuve begrüsste das Urteil. Damit werde das Handeln des Regierung in Calais bestärkt, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Es sei das «humanitäre Ziel», die Flüchtlinge zu schützen und in Unterkünfte zu bringen.

Kein grosser Polizeieinsatz

Die Präfektur erklärte, einen grossangelegten Polizeieinsatz zur Räumung des südlichen Lagerabschnitts solle es zunächst nicht geben. «Wir setzen unsere Bemühungen mit den Hilfsgruppen fort, die Flüchtlinge zu überzeugen, zu gehen und sich in Schutz bringen zu lassen», sagte ein Behördenvertreter.

Calais ist schon lange ein Brennpunkt der Flüchtlingskrise in Europa. Seit Jahren zieht es Flüchtlinge aus Krisenstaaten wie Syrien, Afghanistan, Eritrea, dem Irak oder dem Sudan in die am Ärmelkanal gelegene Hafenstadt, um von dort aus nach Grossbritannien zu gelangen.

An den Zuständen in dem Slum-ähnlichen Lager wurde massive Kritik laut, es herrschen miserable hygienische Zustände. Den Behörden ist der «Dschungel» zudem ein Dorn im Auge, weil von dort aus immer wieder Flüchtlinge versuchen auf das Hafengelände oder in den Eurotunnel zu gelangen. Ausserdem gibt es Spannungen mit den Bewohnern von Calais.

Im Januar wurde am Rande des «Dschungels» ein provisorisches Wohncontainer-Lager mit Platz für 1500 Flüchtlinge eingerichtet. Der Platz reicht damit bei weitem nicht für alle Flüchtlinge in Calais.

AFP/sda/pat

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