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Glatteis auf Schweizer Strassen und eine trübe Weihnachtsprognose

Schnee für Weihnachten bleibt Wunschdenken: Das Wetter wird während der Festtage den hohen Erwartungen nicht genügen. Für heute droht auf den Schweizer Strassen erhebliche Rutschgefahr.

Damit ist auch heute im Verlauf des Tages zu rechnen: Eine Passantin schützt sich in Zürich mit einem Schirm vor der Nässe. (2. Dezember 2012)
Damit ist auch heute im Verlauf des Tages zu rechnen: Eine Passantin schützt sich in Zürich mit einem Schirm vor der Nässe. (2. Dezember 2012)

Nässe in unterschiedlichsten Formen: So wird sich das Wetter heute im Verlauf des Tages verbreitet präsentieren. Regen, Schneeregen, Eiskörner – unterhalb von 1200 Metern sei ein Schirm heute ein nützliches Utensil, sagt Reto Vögeli, Meteorologe bei Meteonews, gegenüber Redaktion Tamedia. Dabei bestehe die Gefahr, dass der Regen einfriere, besonders dort, wo es am Morgen frostig war. «Velo- und Autofahrer, aber auch Fussgänger müssen vorsichtig sein», so Vögeli.

Morgen Freitag wird es trockener, die Schneefallgrenze liegt bei 1000 Metern. Sie steigt jedoch im Verlauf des Wochenendes deutlich an – auf bis zu 2000 Meter. In der Nacht auf Sonntag wird es zudem wieder nass; lokal kann es gemäss Vögeli gar zu Überschwemmungen kommen.

Heiligabend wird schliesslich wechselhaft und sehr mild. «Es wird nicht schneien – Weihnachten wird im Flachland mit grosser Wahrscheinlichkeit grün», so Vögeli. In höheren Lagen seien die Temperaturen sogar rekordverdächtig hoch. So werde es beispielsweise auf dem Napf über 10 Grad Celsius warm.

Vergebliche Hoffnungen durch frühen Schnee

Am Weihnachts- und am Stephanstag sinken die Temperaturen jedoch wieder; es schneit bis auf 1000 Meter. Das Wetter bleibt jedoch unbeständig mit freundlicheren Abschnitten und Regen. Wer dennoch weisse Weihnachten wolle, der müsse in die Wintersportorte gehen, sagt Vögeli. Die frühen ersten Flocken in diesem Jahr bereits Ende Oktober und dann Anfang Dezember hatten insofern vergeblich Hoffnungen geweckt. Ein Blick in die Statistik zeigt zudem, dass weisse Weihnachten im Schweizer Mittelland keineswegs die Regel sind.

So lag in Bern in den vergangenen 80 Jahren nur in 43 Prozent der Jahre an einem Weihnachtstag Schnee, in Zürich waren es 44 Prozent. Schnee an allen drei Weihnachtstagen gab es in Bern lediglich in 26 Prozent und in Zürich in 25 Prozent der Jahre.

Nach dem Hoch schlägt ein Tief zurück

Typisch dagegen ist das Weihnachtstauwetter, das in sieben von zehn Jahren auftritt. Dieses Jahr kam es fast lehrbuchmässig, allerdings eine Woche zu früh, sagte Felix Blumer von SRF Meteo. Grund für das Tauwetter sind physikalische Gesetzmässigkeiten und nicht eine Laune von Petrus. Denn in der ersten und zweiten Dezemberdekade liegt häufig ein Hoch über dem Kontinent, und in dessen Folge gelangt Kaltluft in unsere Breiten.

Sehr kalte Luft aus Nordosten strömt dann hinaus auf den Atlantik und bildet mit der milden und feuchten Meeresluft der Azoren ein Tiefdrucksystem. Dies wiederum führt sehr milde Luft von Süden in den Alpenraum, und im Norden stellt sich zeitweise Föhn ein: Die weisse Pracht verschwindet.

Abnahme der Schneemenge

Das Thema weisse Weihnachten ist im Übrigen ein Dauerbrenner. So findet sich in Witterungsaufzeichnungen der Jahre 1911 bis 1914 aus dem Kanton Luzern folgende Bemerkung: «Echte Winterkälte und Schneeherrschaft sind dem Christmonat seit einigen Jahren fast unbekannte Dinge geworden. Kein Weihnachtsgedicht, das von Kälte und Schnee redet, wollte mehr passen. Hörte ich doch jemanden sagen: ‹Heute wird Weihnachten im Freien gefeiert; im Garten draussen muss das Bäumchen brennen, und dort singen wir unsere Lieder und deklamieren die Gedichte.›»

Die Klimagrösse Schnee reagiert sehr empfindlich auf langfristige Änderungen der winterlichen Temperatur- und Niederschlagsbedingungen. Die Messdaten der Schweiz belegen in tieferen Lagen eine Abnahme der Schneemengen und der Schneehäufigkeit im Zusammenhang mit den starken klimatischen Änderungen gegen Ende des 20. Jahrhunderts.

Wie sich der Klimawandel tatsächlich auf die Winter in Mitteleuropa auswirkt, ist eine komplizierte Frage. Denn steigende globale Durchschnittstemperaturen führen nicht zwangsläufig zu höheren Temperaturen und weniger Schnee. Einzelne Modelle der Klimaforscher gehen sogar von vermehrt kälteren Wintern in unseren Breiten aus. Denn durch die globale Erwärmung schmilzt das Eis in der Arktis immer schneller. Wird jedoch die Arktis wärmer, nimmt damit der Westwind ab, der im Winter milde und feuchte Atlantikluft zu uns bringt. Als Folge davon strömt häufiger kalte Luft aus Norden und Osten zu uns.

Langzeitprognose im Winter besonders schwierig

Langfristige Wettervorhersagen sind schwierig, denn die Atmosphäre ist ein hoch chaotisches System, in dem sich kleinste Störungen rasch ausbreiten können. Bei Prognosen für mehrere Monate sprechen Meteorologen daher auch nicht von einzelnen Wetterereignissen, sondern vom mittleren Wettergeschehen, also vom Klima.

Dieses wird von einer ganzen Reihe äusserer Faktoren beeinflusst, etwa der Feuchtigkeit im Boden, der Schneebedeckung oder dem Zustand der Ozeane. Für saisonale Vorhersagen nutzen Meteorologen ein komplexes Berechnungsmodell, in das Messungen von Satelliten, Bojen, Flugzeugen und Bodenstationen einfliessen.

Schwierig ist vor allem die Prognose für Herbst und Winter, die bislang nur eine Zuverlässigkeit von 55 Prozent erreicht. Mit einfachem Raten wären es 50 Prozent. Entsprechend kann Vögeli von Meteonews auch keine Voraussage für Silvester machen. Es sei noch zu früh, um einen Trend auszumachen, sagt er. Die saisonale Prognostik ist ein sehr junges Forschungsgebiet, auf dem zurzeit intensiv gearbeitet wird. In Zukunft rechnen die Meteorologen daher mit weiteren Verbesserungen.

SDA/rbi

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