Zum Hauptinhalt springen

Gotthard-Sperre: «Wir rechnen mit drei bis vier Wochen»

Nach dem Felssturz muss die Bahnlinie über den Gotthard länger gesperrt bleiben als bisher angenommen. Reisende ins Tessin müssen auf Busse ausweichen und mit Wartezeiten «von bis zu 60 Minuten» rechnen.

Der gestrige Felssturz bei Gurtnellen wird die Bahnlinie am Gotthard längere Zeit als erwartet blockieren. Gestern sprachen die SBB noch von rund 14 Tagen. Über Nacht hat sich die Ausgangslage offenbar weiter verschlechtert: «Wir rechnen mit drei bis vier Wochen», sagt Pressesprecher Reto Kormann gegenüber Redaktion Tamedia.

Der Reiseverkehr wird durch die Sperrung kräftig durcheinandergewirbelt: In beide Richtungen werden den Reisenden Busse zur Verfügung gestellt. «Zurzeit stehen 15 Busse im Einsatz», sagt Kormann. Pendelnde von und nach Bern, Olten und Basel werden auf die Simplonroute geleitet. Es muss in beiden Fällen mit erheblich mehr Reisezeit gerechnet werden: «Zurzeit gibt es Verspätungen von bis zu 60 Minuten», sagt Kormann. Am Wochenende, wenn der Reiseverkehr zunimmt, könnte sich die Lage noch verschärfen. Der SBB-Mediensprecher mutmasst deshalb schon jetzt: «Die Leute werden es sich wohl zweimal überlegen, ob sie in die Sonnenstube fahren wollen.»

Auf allen grösseren Bahnhöfen der Nord-Süd-Achse sowie in Zürich und Luzern stehen zudem Kundenbetreuer der SBB im Einsatz. Der Güterverkehr wird zurückgestellt und grossräumig umgeleitet.

Auch der Cargo-Bereich wird durch die Sperrung beeinträchtigt. «Zurzeit klären wir ab, wo wir welche Kapazitäten durchbringen können», sagt Kormann. Vor allem die Lötschberg–Simplon-Achse bietet Alternativen, aber auch ein Verlad über den Brenner wird in Erwägung gezogen.

Gefahr noch nicht gebannt

Grund für die lange Sperrung ist die unsichere Lage nach dem Felssturz: «Es drohen weitere Abbrüche», schreiben die SBB heute in einer Medienmitteilung. In den kommenden Tagen sind umfangreiche Vorarbeiten und auch Sprengungen notwendig, um die anstehenden Aufräumarbeiten in Angriff nehmen zu können, schreiben die SBB.

In Gurtnellen UR sind gestern Morgen 2000 bis 3000 Kubikmeter Gestein auf die Geleise der Gotthard-Bahn gestürzt. Dabei wurden drei Personen verschüttet, die im Gebiet mit Felssicherungsarbeiten beschäftigt waren.

Zwei Verletzte konnten unmittelbar nach dem Felssturz geborgen werden. Die dritte Person wird noch vermisst. Weil weitere 500 Kubikmeter Felsmassen ins Tal zu stürzen drohten, mussten die Bergungsarbeiten vorerst eingestellt werden. Einzig unbegleitete Suchhunde konnten ins Gebiet geschickt werden.

Beim Verschütteten handelt es sich um einen 29-jährigen Urner. Seine Bergung kann erst aufgenommen werden, wenn an der Anrissstelle Geo-Radargeräte installiert sind, welche die Felsbewegungen überwachen. Auch mit der Räumung der Felsmassen und den Reparaturarbeiten an Geleisen, Fahrleitung und einer Stützmauer kann frühestens am Mittwochmorgen begonnen werden.

Nicht der erste Felssturz

Mitte März war es im selben Gebiet zu einem Felssturz gekommen, der die Geleise mit 300 bis 400 Kubikmeter Gestein verschüttete. Damals mussten als Folge weitere Felsbrocken weggesprengt werden, welche auf Strasse und Schiene zu fallen drohten. Die Bahnstrecke blieb damals fünf Tage lang unterbrochen.

Nicht betroffen vom Felssturz sind Kantonsstrasse und Autobahn, die auf der anderen Talseite verlaufen. Deshalb werden Bahnreisende aus dem Raum Zürich/Luzern zwischen Erstfeld und Göschenen mit Bussen befördert.

Zwei Tote vor sechs Jahren

Im Raum Gurtnellen ist es in den letzten Jahren immer wieder zu Felsstürzen und Sperrungen von Strasse und Schiene gekommen. Der folgenschwerste Unfall ereignete sich am 31. Mai 2006, als zimmergrosse Felsblöcke auf die A 2 donnerten und einen Richtung Süden fahrenden Personenwagen unter sich begruben. Beide Insassen kamen dabei ums Leben.

Die SBB haben unter der Nummer 0800 99 66 33 eine Gratis-Hotline aufgeschaltet.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch