Handgranate geschickt – für Täter bloss ein «Denkzettel»

Ein 41-Jähriger schickte eine Bombe in die Zürcher Redaktion einer kosovo-albanischen Zeitung. Seit heute wird der Fall am Bundestrafgericht Bellinzona verhandelt.

Ziel des Angriffs: Die kosovo-albanische Zeitung «Bota sot», aufgenommen am Donnerstag 29. März 2001 in Zürich.

Ziel des Angriffs: Die kosovo-albanische Zeitung «Bota sot», aufgenommen am Donnerstag 29. März 2001 in Zürich.

Die Bombe sollte nicht zünden, sondern nur ein Denkzettel sein. Dies erklärte der Angeklagte vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona. Das Gericht verhandelt heute Mittwoch und morgen den Fall um die Paketbombe, die am 27. September 2002 bei der Zürcher Redaktion der kosovo-albanischen Zeitung «Bota sot» einging.

Der schweizerisch-mazedonische Doppelbürger gab vor dem Bundesstrafgericht zu, die Paketbombe mit einer Handgranate gebaut zu haben. Damit habe er aber niemanden verletzen wollen. Er sei davon ausgegangen, dass die Granate nicht funktionsfähig sei. Dass dem nicht so war, haben die im Laufe des Strafverfahrens erstellten Berichte gezeigt. Die Paketbombe wäre in die Luft gegangen, wenn das in jeder Poststelle erhältliche PostPac normal geöffnet worden wäre.

Weil der Chefredaktor von «Bota sot» das Paket jedoch seitlich öffnete, wurde der Auslöser nicht betätigt. Die Polizei konnte die Paketbombe in der Folge entschärfen.

«Emotionale Betroffenheit»

Vor dem Bundesstrafgericht zeigte sich am Mittwoch ein Angeklagter, der drei Kinder hat und bis zu seiner Verhaftung am 31. Januar dieses Jahres einer geregelten Arbeit nachging. Die Führungsberichte der beiden Gefängnisse, in denen er bisher war, sind positiv.

Als Beweggrund für den Bau der Paketbombe nannte der Angeklagte eine starke emotionale Betroffenheit mit der im Kosovo-Krieg massakrierten Zivilbevölkerung. Er habe damals einen Dokumentarfilm darüber gesehen und in einer Kurzschlussreaktion die Bombe gebaut.

Dem 41-Jährigen wird versuchter mehrfacher Mord und Widerhandlung gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Bei der Hausdurchsuchung wurde bei ihm eine Pistole gefunden, die in der Sowjetunion entwickelt und gebaut wurde. Auch Munition fand die Polizei. Beides habe er beim Abbruch des alten Hauses gefunden. Er habe die Absicht gehabt, diese zur Polizei zu bringen.

Zufallsfund führte zum Angeklagten

Ein DNA-Abgleich führte fast 15 Jahre nach der Tat zum Angeklagten. Im Dezember 2016 wurde beim Angeklagten eine DNA-Probe genommen. Er war an einer Schlägerei vor einem Zürcher Tanzlokal beteiligt gewesen.

Am 31. Januar 2017 nahm ihn die Polizei an seinem Arbeitsort fest. Er befindet sich seit dem 26. Mai im vorzeitigen Strafvollzug im Flughafengefängnis Zürich. Die für die Paketbombe verwendete Handgranate erhielt der Angeklagte in Mazedonien, wie die Bundesanwaltschaft in der Anklageschrift schreibt.

Die Granate soll ein Geschenk für den mehrmonatigen Einsatz des Angeklagten bei der Befreiungsarmee des Kosovo UCK im Jahr 2001 gewesen sein. Der Angeklagte soll die Granate Ende Juni 2001 in seinem Auto über die Grenze in Chiasso TI in die Schweiz eingeführt haben. Zunächst hat er sie in der Vitrine in seinem Wohnzimmer ausgestellt, wie er anlässlich des Prozesses bestätigte. Die Anträge des Bundesanwaltschaft zum Strafmass sind noch nicht bekannt. Die BA wird sie anlässlich der Verhandlung bekannt geben. Das Urteil wird erst am 20. September eröffnet.

kaf/sda

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