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«Ich schoss nicht auf Reeva»

Oscar Pistorius verwickelt sich im Kreuzverhör in immer grössere Widersprüche. Die Staatsanwaltschaft hält seine Schilderungen für «völlig unplausibel».

Gab den wartenden Fans nach dem Prozesstag Autogramme: Pistorius verlässt den Gerichtssaal. (14. April 2014)
Gab den wartenden Fans nach dem Prozesstag Autogramme: Pistorius verlässt den Gerichtssaal. (14. April 2014)
AFP

Pistorius ändere seine Verteidigungslinie, beschuldigte Ankläger Gerrie Nel den 27-jährigen südafrikanische Paralympics-Star am vierten Tag des Kreuzverhörs. «Sie plädieren nicht mehr auf Selbstverteidigung. Sie sagen, sie wüssten nicht, warum sie geschossen haben», sagte Nel.

Er habe damals keine Zeit zum Nachdenken gehabt, sagte Pistorius, der des vorsätzlichen Mordes an seiner Freundin Reeva Steenkamp angeklagt ist. «Ich habe nicht auf Reeva geschossen.»

Gedächtnislücken

Pistorius hatte während der Befragung wiederholt Gedächtnislücken geltend gemacht. Auf die Fragen von Nel, der auf Widersprüche in den Aussagen des Athleten verwies, antwortete Pistorius am Montag mehrfach mit den Worten, er könne sich «nicht erinnern» oder sei sich «nicht sicher». Er verstehe die Fragen nicht, betonte der Athlet, der sein Gesicht in den Händen vergrub und laut schluchzte.

Pistorius' Version der Geschehnisse sei völlig unplausibel, betonte Nel. Der behinderte Profisportler hatte in der Nacht zum Valentinstag im Februar 2013 in seinem Haus seine damals 29 Jahre alte Freundin erschossen. Der 27-Jährige beteuert, er habe hinter der verschlossenen Toilettentür einen Einbrecher vermutet.

Pistorius habe laut dieser Version der Geschehnisse unverantwortlich gehandelt, sagte der Staatsanwalt. «Es hätte ein Kind sein können. Oder ein unbewaffneter Einbrecher. Aber sie haben ihnen keine Chance gegeben. Sie haben einfach gefeuert.» Ein vernünftiger Mensch hätte eine Warnung gerufen oder einen Warnschuss abgefeuert, meinte Nel. Pistorius sagte, er mache sich für «den Unfall» verantwortlich. «Ich gebe mir die Schuld daran, dass ich Reeva das Leben genommen habe.»

Blutspritzer in der Nähe des Betts

Pistorius wirkte am Montag im Prozess ruhig, aber erschöpft. Sein Gesicht war aschfahl. Auf die Frage des Staatsanwalts, warum es in der Nähe des Betts Blutspritzer gab, obwohl seine Freundin im Bad gestorben sei, antwortete Pistorius, er könne dem nicht folgen.

Schon am Freitag hatte sich der Athlet in Widersprüche verwickelt. Er gab zu, dass er seit der Tat unterschiedlich über Details wie das Ausschalten der Alarmanlage ausgesagt habe.

Nach dem Ende des Verhandlungstags verliess Pistorius rasch den Gerichtssaal in Pretoria, schrieb aber draussen ein paar Autogramme für wartende Fans.

SDA/ldc

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