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Im Norden Kenias sterben selbst die Hyänen

In Ostafrika sind immer mehr Menschen von der Dürrekatastrophe betroffen. Jüngere Kinder haben in ihrem Leben noch keinen Tropfen Wasser vom Himmel fallen sehen.

Die Kleinen trifft der Hunger am stärksten: Ein Kind weint, während es in einem Feldlazarett in Dadaab, Kenia, gewogen wird. (25. Juli)
Die Kleinen trifft der Hunger am stärksten: Ein Kind weint, während es in einem Feldlazarett in Dadaab, Kenia, gewogen wird. (25. Juli)
Keystone
Schwer gezeichnet: Ein Mädchen in einem Spital von Mogadischu. (24. Juli 2011)
Schwer gezeichnet: Ein Mädchen in einem Spital von Mogadischu. (24. Juli 2011)
Keystone
Die Dürre wird zuweilen von heftigen Regenfällen unterbrochen: Kinder spielen in den überfluteten Strassen im Quartier Hamar Jajab der somalischen Hauptstadt Mogadiscio. (14. Juli 2011)
Die Dürre wird zuweilen von heftigen Regenfällen unterbrochen: Kinder spielen in den überfluteten Strassen im Quartier Hamar Jajab der somalischen Hauptstadt Mogadiscio. (14. Juli 2011)
Reuters
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Am Ende blieb Raho Jimale kein anderer Ausweg als die Flucht, um ihre drei Kinder zu retten. In ihrer Heimat in Somalia war ihre Ernte auf dem Feld verdorrt, ihre Ziegen waren verhungert und ihr Mann war vor drei Monaten auf der Suche nach Wasser fortgegangen und niemals wiedergekehrt. «Wir hatten nichts zu essen, wir mussten etwas essen», sagt die Frau und klammert sich an eine Dose mit Keksen.

Nach einer Woche Fussmarsch mit ihren Kindern durch den Staub und die Hitze Südsomalias hat sie schliesslich das Flüchtlingslager Kobe nahe dem äthiopischen Städtchen Dolo Ado erreicht.

In dem Camp gibt es Essen, doch viele der Flüchtlinge sind von den langen Fussmärschen so erschöpft, dass sie kurz nach ihrer Ankunft sterben. «Dass sie in einem solch verzweifelten Zustand ankommen und selbst trotz medizinischer Nothilfe nicht zu retten sind, zeigt, wie furchtbar die Lage ist», sagt Joe Belliveau von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF). Mit täglich 7,4 Todesfällen pro 10'000 Menschen ist die Sterblichkeitsrate in dem Lager so hoch wie kaum irgendwo sonst auf der Welt.

Mehr als zwölf Millionen Menschen betroffen

Rahmo Mohammed hat vor drei Wochen ihre Heimat in Somalia verlassen, um ihren dreijährigen Sohn Saeed zu retten. Er ist stark unterernährt, doch trotz der Versorgung durch die MSF, die in dem Lager unweit der somalischen Grenze rund 2200 Kinder betreut, hat sich sein Zustand verschlechtert. Sein Körper ist so stark geschwächt, dass er keine Medikamente verträgt. «Es geht ihm noch schlechter», sagt seine etwa 30-jährige Mutter. «Auch wenn sie ihm Medizin geben, nimmt er sie nicht.»

Mehr als zwölf Millionen Menschen sind am Horn von Afrika von der schlimmsten Dürrekatastrophe seit 60 Jahren betroffen. 78'000 Menschen flohen in den vergangenen zwei Monaten aus Somalia nach Kenia und Äthiopien. In beiden Ländern sind die Flüchtlingslager längst überfüllt, doch täglich kommen weitere Menschen. In Äthiopien will das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR kommende Woche ein viertes Lager eröffnen. Am Mittwoch erklärte die UNO zwei Provinzen im Süden Somalias offiziell zu Hungergebieten.

Nicht einmal Geier wollen die Kühe fressen

Doch auch im Norden Kenias leiden die Menschen. «Seit 2006 hat es nicht mehr geregnet», sagt der Lehrer Adan Mohammed in dem Dorf Lokuta. «Meine jüngeren Schüler haben seit ihrer Geburt noch keinen Tropfen Wasser vom Himmel fallen gesehen.» Das UN-Welternährungsprogramm verteilt in der Region Nahrungsmittel, doch es reicht nicht für alle – schon gar nicht für die Tiere. «Ich hatte einst 200 Ziegen, doch nun sind es nur noch 40», sagt Abdi Seikh Musa, ein älterer Hirte aus dem Dorf Elaada in der verdorrten Ebene an der Grenze zu Somalia.

Am Rande der sandigen Strassen liegen die Kadaver verendeter Kühe, deren Fleisch so vertrocknet ist, dass nicht einmal Geier es fressen wollen. Selbst wilde Tiere finden keine Nahrung mehr, und in den Büschen wurden schon die Kadaver von Hyänen und Giraffen gesehen. «Vor der Katastrophe konnten wir eine Kuh verkaufen, um die Schuluniformen unserer Kinder zu bezahlen», sagte Musa und blickt traurig auf das verdorrte Gerippe eines Rinds. «Doch heute sind wir ganz auf die Hilfe anderer angewiesen.»

AFP/rub

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