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«Irgendwann musste das passieren»

Strassburg im Schockzustand: Ein Angreifer hat drei Menschen getötet. Die Polizei sucht mit Helikoptern nach dem flüchtigen Mann. Der Weihnachtsmarkt ist hermetisch abgeriegelt.

Die französische Polizei hat den mutmasslichen Attentäter von Strassburg erschossen.  (13. Dezember 2018)
Die französische Polizei hat den mutmasslichen Attentäter von Strassburg erschossen. (13. Dezember 2018)
Christian Hartmann, Reuters
Ermittler arbeiten im Stadtviertel Neudorf, wo der mutmassliche Täter von der Polizei getötet wurde. (13. Dezember 2018)
Ermittler arbeiten im Stadtviertel Neudorf, wo der mutmassliche Täter von der Polizei getötet wurde. (13. Dezember 2018)
Christian Hartmann, Reuters
Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft leitete noch am Abend eine Untersuchung ein.
Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft leitete noch am Abend eine Untersuchung ein.
Vincent Kessler, Reuters
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Blaulicht und Sirenengeheul statt besinnlicher Feststimmung: Der berühmte Strassburger Weihnachtsmarkt – jedes Jahr Anziehungspunkt für hunderttausende Touristen – ist am späten Abend abgeriegelt. Schwer bewaffnete Polizisten bewachen die verbarrikadierten Zugänge und lassen nur die ständig heranrasenden Polizeiautos durch.

Gegen 20 Uhr am Dienstagabend war in der Umgebung des Weihnachtsmarktes geschossen worden. Schnell spricht die Polizei von einem terroristischen Hintergrund. Der mutmassliche Täter soll nach Medienberichten ein knapp 30-jähriger Strassburger sein. Drei Menschen starben, wie der müde wirkende Innenminister Christophe Castaner mitten in der Nacht bei einer Presseerklärung in Strassburg sagt. Zwölf Menschen wurden demnach verletzt, sechs von ihnen sehr schwer. Laut Castaner ist der mutmassliche Täter polizeibekannt und wurde bereits wegen Delikten in Frankreich und Deutschland verurteilt.

Weil der Mann auf der Flucht ist, herrscht bis tief in die Nacht Grossalarm in der elsässischen Metropole, die sich so stolz «Weihnachtshauptstadt» nennt. Menschen, die in der Nähe des Tatorts wohnen, können nicht nach Hause und stehen ratlos vor den Absperrgittern.

«Irgendwann musste das passieren»

Ein 73-Jähriger, der noch am Abend Bücher auf dem zentralen Place Kléber verkauft hatte, erzählt, dass nach den Schüssen alle Menschen aus der Gefahrenzone gebracht worden seien. «Irgendwann musste das passieren», sagt er fatalistisch. Der Strassburger Weihnachtsmarkt sei wegen seiner Bekanntheit einfach ein prädestiniertes Ziel. Angst habe er eigentlich keine, sagt ein anderer Buchverkäufer. Aber mulmig werde ihm bei dem Gedanken an mögliche Mittäter.

Hermetisch abgeschirmt ist über lange Stunden auch das Viertel rund um die Route de l'Hôpital, ganz in der Nähe des Strassburger Polizeipräsidiums. In dem Strassburger Stadtviertel Neudorf ist kaum ein Mensch zu sehen. Über den dunklen Strassen kreisen lärmende Helikopter. Sirenen heulen, immer wieder rasen Polizeiautos vorbei. Anwohner werden von der örtlichen Präfektur aufgefordert, das Gebiet zu meiden. Offensichtlich gehen die Sicherheitskräfte zeitweise davon aus, dass sich der flüchtige Terrorverdächtige noch in der Nähe aufhält.

Rund um die Polizeipräfektur ist die Anspannung gross. Als sich ein offenbar Betrunkener der Absperrung nähert, fordern ihn Polizisten schreiend zur Umkehr auf. Er kommt jedoch immer näher, bis die Sicherheitskräfte ihre Waffen auf ihn richten und ihn auffordern, die Hände zu heben. Schliesslich macht der Mann kehrt und verschwindet.

Schreie gellen durch die Strassen

In einer Seitenstrasse kniet ein Polizist in schwerer Schutzkleidung neben einem Auto. Plötzlich hebt er seine Waffe und richtet sie auf ein unbekanntes Ziel. Immer wieder gellen Schreie durch die Strassen, wenn Menschen sich den Einsatzkräften nähern. Polizisten gehen mit Taschenlampen durch die Strassen.

Am Grenzübergang zu Deutschland in Kehl kontrolliert die Polizei am Abend die Autos, die von Strassburg aus kommen. Auf der Brücke über den Rhein staut sich der Verkehr. Eine Strassenbahn-Verbindung über die Grenze wird eingestellt. In ganz Strassburg sind unzählige Polizeiautos unterwegs.

Das EU-Parlament, das in dieser Woche in Strassburg tagt, ist über Stunden komplett abgesperrt. Niemand darf das Gebäude verlassen. Der SPD-Abgeordnete Arne Lietz erzählt, er habe mitten in einer Fraktionssitzung von den Schüssen erfahren. Er sei angewiesen worden, seine Mitarbeiter zu informieren. Das Parlament arbeite aber weiter.

Eine seiner Mitarbeiterinnen sei den Abend über von der Polizei in einem Restaurant in der Innenstadt festgehalten worden, berichtet Lietz weiter. Erst am späten Abend habe sie das Lokal verlassen dürfen. Am frühen Mittwochmorgen wird die Blockade aufgehoben. Der Polizeieinsatz läuft bis in die frühen Morgenstunden, der Gesuchte, der angeblich verletzt ist, ist weiter auf der Flucht.

SDA/chk

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