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Italiens Vorzeigezug entgleist – mindestens zwei Tote

Bei einem Zugunglück in der Nähe von Mailand sind die Lok und mehrere Waggons umgekippt.

red
Freccia Rossa entgleist: Das Video der Feuerwehr zeigt die Unglücksstelle in Lodi. Video: Twitter Vigili del Fuoco

Bei einem schweren Bahnunfall in Norditalien sind am Donnerstag zwei Lokführer ums Leben gekommen, als die Lok vom Rest des Zuges abriss. Ausserdem wurden 31 Menschen bei dem Unglück des Hochgeschwindigkeitszuges auf der Strecke zwischen Mailand und Bologna verletzt, wie die Behörden mitteilten.

Nach ersten Ermittlungen entgleiste gegen 5.30 Uhr der Triebwagen. Dabei dürfte eine falsch gestellte Weiche eine Rolle gespielt haben, sagte Staatsanwalt Domenico Chiaro am Abend in Lodi.

Als weitere mögliche Aspekte, die untersucht würden, nannte er Wartungsarbeiten und menschliches Versagen. «Wenn die Weiche geradeaus gestellt gewesen wäre, wäre der Zug nicht entgleist», sagte Chiaro vor der Presse. Aber noch sei keine endgültige Bewertung der Hintergründe möglich.

«Ich dachte, ich wäre tot»

«Ich dachte, ich wäre tot», sagte ein 21-jähriger Überlebender aus einem Spital in Piacenza der Zeitung «Liberta». «Ich habe meine Augen zugemacht und gebetet.» Der Zug sei vor seiner Entgleisung «sehr schnell» gefahren – «vielleicht 300 Stundenkilometer», sagte der Mann. Dann habe er einen «heftigen Stoss» gespürt und «wirklich lautes Getöse» gehört.

Die Passagiere hätten sich festgeklammert, um nicht zu stürzen. Dann hätten sie zunächst auf Hilfe gewartet, sich schliesslich aber selbst durch ein Loch im Zug in Sicherheit gebracht.

An der Unfallstelle in der Nähe von Casalpusterlengo südöstlich von Mailand lagen Trümmer weit verstreut. Helfer sagten, es hätte noch viel schlimmer ausgehen können, wenn mehr Reisende im Zug gesessen hätten. Die Strecke ist eine viel genutzte Verbindung in Richtung Süden. Nach den Worten des Präfekts der Provinz Lodi, Marcello Cardona, waren so früh morgens nur etwas mehr als 30 Menschen an Bord. Der Unglückszug fuhr nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa mit etwa 290 Kilometern pro Stunde auf gerader Strecke.

«Der ganze Zug hat einen Ruck gemacht. Dann hat sich die Lok gelöst und ist in eine andere Richtung weitergefahren», berichtete eine Reisende nach Angaben von Ansa. Ausser ihr hätten zwei weitere Passagiere bei ihr im Wagen gesessen. «Wir hatten Glück, wunderbar.»

Der Triebwagen des «Frecciarossa» (Roter Pfeil) mit der Nummer 9595 stiess, so hiess es, kurz nach der Trennung gegen ein Objekt auf einem anderen Gleis, raste weiter in ein Bahn-Gebäude und blieb erst danach liegen. Die restlichen Wagen seien alleine weitergefahren, bis der erste Waggon entgleiste, umkippte und ebenfalls liegenblieb.

An den Schienen sei am Vorabend gearbeitet worden, hiess es. Cardona warnte, es sei zu früh, einen Zusammenhang zwischen den Reparaturarbeiten und dem Unfall herzustellen. Schliesslich gebe es ständig Wartungsarbeiten an Schienen. Italiens Regierungschef Giuseppe Conte sagte in Rom, er sei «zutiefst traurig» über den Tod der Bahnarbeiter. Zur Unglücksursache könne er noch nichts sagen.

Staatsanwaltschaft und Polizei in der Lombardei nahmen Untersuchungen zur Unfallursache auf. Die Verletzten wurden in Spitäler gebracht. Einige von ihnen erlitten den Angaben zufolge schwerere Verletzungen. Die Behörden teilten jedoch mit, niemand sei in Lebensgefahr. Mehrere Betroffene konnten die Hospitäler noch am selben Tag verlassen. Die Strecke wurde zeitweise gesperrt. Es kam zu Zugverspätungen.

(SDA)

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