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Jetzt müssen sich die New Yorker auf eine Kältewelle einstellen

Tage nach Sturm Sandy herrschen in New York immer noch chaotische Zustände: Die aufgebrachte Bevölkerung soll mit Gratisbenzin beruhigt werden. Zehntausende müssen vorübergehend umziehen.

Der grosse Brocken der Arbeit liegt noch vor ihnen: US-Soldaten räumen im Queens Trümmer weg. (12. November 2012)
Der grosse Brocken der Arbeit liegt noch vor ihnen: US-Soldaten räumen im Queens Trümmer weg. (12. November 2012)
Reuters
Regelt den Verkehr: Der 12-jährige John Papanier in Staten Island, New York. (10. November 2012)
Regelt den Verkehr: Der 12-jährige John Papanier in Staten Island, New York. (10. November 2012)
Keystone
Packt selbst an: Ein Mann trägt sein Hab und Gut aus dem beschädigten Haus. (30. Oktober 2012)
Packt selbst an: Ein Mann trägt sein Hab und Gut aus dem beschädigten Haus. (30. Oktober 2012)
Keystone
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Sinkende Temperaturen, mangelnde Strom- und Treibstoffversorgung sowie Angst vor zunehmender Kriminalität halten gut eine Woche nach Supersturm Sandy die Ostküste der USA in Atem. In der Nacht auf heute fiel die Temperatur in New York auf frostige Minusgrade. Zehntausende müssen im Bundesstaat nun vorübergehend umziehen. Wo die Stromversorgung noch nicht wiederhergestellt sei, seien viele Häuser wegen der herrschenden Niedrigtemperaturen derzeit «unbewohnbar», sagte der Gouverneur Andrew Cuomo. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg sagte, allein in der Metropole seien bis zu 40'000 Menschen betroffen. Er rief ältere Menschen ohne Heizung auf, in Notunterkünfte zu gehen, und liess 25'000 Decken in der ganzen Stadt verteilen. Als Reaktion auf die Benzinknappheit erhöhte die Polizei ihre Präsenz, gemäss Behördenangaben wurden seit Freitag mindestens elf Menschen festgenommen.

Die Zahl der Todesopfer durch Sandy stieg laut der Nachrichtenagentur AP auf mindestens 107. «Wir sind New Yorker und wir werden das durchstehen», sagte gestern Bloomberg. «Aber ich will nicht, dass irgendjemand denkt, dass wir aus dem Gröbsten heraus sind.» Er warnte, dass noch Tage vergehen könnten, bis wieder ausreichend Benzin zur Verfügung stehe. Vielerorts bildeten sich kilometerlange Schlangen vor den Tankstellen, unter anderem auch im von Sandy schwer getroffenen Norden von New Jersey. Der Gouverneur des US-Staates, Chris Christie, ordnete dort die Rationierung von Benzin an. Nach mehreren Festnahmen wegen Übergriffen an Tankstellen setzten die Behörden mehr Sicherheitskräfte ein, um einen Anstieg der Kriminalität zu verhindern.

Gratisbenzin zur Lageentspannung

Ein chaotisches Bild bot sich an einer Tankstelle im New Yorker Stadtteil Brooklyn, an der die Nationalgarde gratis Benzin ausgab, um die Lage zu entspannen. Viele Menschen kamen mit leeren Wasserflaschen und warteten stundenlang zwischen hupenden Autos, um an Benzin zu kommen. «Es ist ein Chaos, ein wildes Durcheinander», sagte Chris Demon, der rund dreieinhalb Stunden an einer Tankstelle anstehen musste.

Zuvor hatte der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo angekündigt, das Verteidigungsministerium werde an fünf Orten der Metropolregion mobile Notfalltankstellen aufstellen, die kostenlos maximal 38 Liter Benzin pro Person bereitstellen sollten. «Das Benzin ist auf dem Weg», beschwichtigte Cuomo. «Geratet nicht in Panik.»

Strom in Lower Manhattan

Zumindest im New Yorker Stadtteil Lower Manhattan gingen gestern wieder die Lichter an. Bewohner, die in den vorherigen Nächten im Dunkeln ausgeharrt hatten, brachen in Jubel aus, als die Stromversorgung wiederhergestellt wurde. In anderen Vierteln wie Staten Island stieg die Frustration darüber, dass die Reparaturen in Manhattan schneller vorangingen als in den Aussenbezirken. Rund 900'000 Menschen hatten im ganzen Staat New York am Wochenende immer noch keinen Strom, wie Gouverneur Cuomo erklärte, an der gesamten Ostküste waren es mehr als 2,2 Millionen Menschen. Der New Yorker U-Bahnverkehr wurde inzwischen zu rund 80 Prozent wieder in Betrieb genommen.

Der für Sonntag geplante New-York-Marathon wurde hingegen abgesagt. Viele der bereits angereisten Marathonläufer waren im Central Park zu sehen, in dem die Ziellinie liegt, die nun nicht gebraucht wird. Zahlreiche Athleten verabredeten sich über das Internet trotz der Absage zu privaten Läufen.

US-Präsident Barack Obama informierte sich derweil bei der nationalen Katastrophenschutzbehörde Fema über den Stand der Aufräumarbeiten, bevor er sich in die letzten entscheidenden Tage des Wahlkampfs stürzte. Der Wiederaufbau sei noch lange nicht abgeschlossen, sagte Obama. Zugleich versprach er, dass sich alle Beteiligten zu «120 Prozent» einsetzen würden. «Es gibt nichts Wichtigeres für uns, als das in Ordnung zu bringen», sagte Obama.

(dapd/AFP)

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