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Lubitz suchte vor dem Absturz 41 Ärzte auf

Andreas Lubitz war wegen einer Sehschwäche bei Dutzenden Ärzten und hatte Angst zu erblinden. Die französische Justiz präsentierte ihre neusten Ergebnisse.

Abwägen zwischen Patientengeheimnis und Sicherheit: Staatsanwalt Brice Robin zum Stand der Ermittlungen. (11. Juni 2015)

Der Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine war nach Angaben des zuständigen französischen Staatsanwalts zum Zeitpunkt des Unglücks flugunfähig. Staatsanwalt Brice Robin kündigte am Donnerstag in Paris Ermittlungen auch gegen Lufthansa und Germanwings an.

Der 27-jährige Co-Pilot Andreas Lubitz sei niedergeschlagen, instabil und psychisch krank gewesen, sagte Robin. Vor der Pressekonferenz hatte er mehrere Stunden lang Angehörige der Opfer in Paris über den Stand der Ermittlungen informiert.

Fast drei Monate nach dem Germanwings-Absturz mit 150 Toten weitet die französische Justiz ihre Ermittlungen aus: Untersuchungsrichter würden in Marseille die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung übernehmen, teilte Staatsanwalt Robin weiter mit.

Nach Angaben einer Opfervereinigung soll es dabei um mögliche Fehler bei der medizinischen Überprüfung von Co-Pilot Lubitz durch die Lufthansa gehen.

Problematisches Arztgeheimnis

Robin sagte mit Blick auf den Co-Piloten, der das Flugzeug den Ermittlern zufolge absichtlich abstürzen liess, er könne keine Untersuchung wegen Mordes eröffnen, «denn der Täter ist gestorben». Nun sollen die Untersuchungsrichter nach seinen Angaben die Frage beantworten, «wie das Arztgeheimnis und die Sicherheit von Flügen» gewährleistet werden könnten, «wenn man einen labilen Piloten hat».

Der Staatsanwalt hatte zuvor über vier Stunden lang in Paris mit etwa 200 Angehörigen von Opfern gesprochen, darunter Deutsche und Spanier, um sie über den Stand der Ermittlungen zu informieren.

Der Präsident der Opfervereinigung Fenvac, Stéphane Gicquel, sagte danach, es gehe bei den künftigen Ermittlungen «ganz klar» um die Frage «nach Fehlern oder Versäumnissen bei der Feststellung des Gesundheitszustandes» von Co-Pilot Lubitz «durch die Fluggesellschaft Lufthansa».

Seit längerem Depressionen

Den Ermittlungen zufolge hatte Co-Pilot Lubitz, der schon länger unter Depressionen litt, den Airbus in den französischen Alpen absichtlich in den Sinkflug gebracht. Den Flugkapitän hatte Lubitz zuvor aus dem Cockpit ausgesperrt.

Lubitz hatte laut Staatsanwalt Robin in «fünf Jahren 41 Ärzte» aufgesucht, davon sieben in den Monaten unmittelbar vor dem Absturz. Demnach hatte der Co-Pilot eine «Psychose begleitet von Sehstörungen».

Nach tödlichen Medikamenten gesucht

Nach Recherchen von «Süddeutscher Zeitung», NDR und WDR traten die psychischen Probleme, unter denen Lubitz bereits in seiner Ausbildung zum Piloten gelitten hatte, erst ab Ende 2014 wieder auf. Kurz vor dem Unglück soll er demnach im Internet auch nach tödlichen Medikamenten und Zyankali gesucht haben.

Der Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa war nach dem Unglück vorgehalten worden, den Co-Piloten womöglich nicht ausreichend medizinisch überprüft zu haben. So wurde die Frage gestellt, warum Lufthansa-Mediziner den Co-Piloten während seiner Ausbildung 2009 für flugtauglich erklärt hätten, obwohl bekannt gewesen sei, dass er weiterhin psychologisch behandelt werden müsse.

Nach der Katastrophe waren diese Woche die ersten 44 Särge mit Überresten von Opfern von Marseille nach Düsseldorf geflogen worden, darunter auch die 16 Schüler und zwei Lehrerinnen aus dem nordrhein-westfälischen Haltern, die auf dem Rückflug von einem Schüleraustausch waren. Die ersten Bestattungen in Deutschland waren noch diese Woche vorgesehen.

Die sterblichen Überreste weiterer Opfer sollen bis Ende des Monats übergeführt werden. Etwa 30 Särge sollen am Montag von Marseille nach Barcelona geflogen werden. Nach Angaben von Staatsanwalt Robin sollen nicht identifizierbare Leichenteile in einem Gemeinschaftsgrab im Dorf Vernet in der Nähe des Absturzortes bestattet werden.

150 Personen starben am 24. März

Die Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings war am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zerschellt. Alle 150 Insassen kamen ums Leben, darunter 72 Deutsche.

Die Luftfahrtbranche und die Bundesregierung begannen kurz nach dem Absturz in einer Arbeitsgruppe nach Verbesserungsmöglichkeiten bei der Sicherheit zu suchen. Zuletzt teilte Lufthansa im Mai mit, dass das Unternehmen über unangekündigte Medizinchecks für Piloten nachdenke.

SDA/woz

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