Mach mal lieber die Mücke!

Es gibt Leute, die ziehen Mücken geradezu magisch an. Was macht sie zur Beute – und wie überleben sie den Sommer? Eine Typologie.

Für Manche gibt es einfach kein Entkommen vor dem Mückenterror. Foto: istock/martinedoucet

Für Manche gibt es einfach kein Entkommen vor dem Mückenterror. Foto: istock/martinedoucet

Sssssssssssssst. Sssssssssssssssst. ssssssssssssssssst. Sie machen sich Sorgen, dass es nun ausgerechnet Sie treffen wird? In einem Raum mit 20 Personen gibt es ja immer den einen, den es garantiert erwischt. Doch wer sind diese Menschen, die perfekt ins Beuteschema der hundsgemeinen Stechmücke passen? Eine Typologie der Gestochenen.

Hochschwangere

Lebensraum: Geburtsvorbereitungskurs, Babyausstattungsgeschäft, Café.

Verhaltensmuster: Machen es ihren Jägern einfach, indem sie: atmen. Und das schwerer als andere. Dummerweise lockt ausgerechnet ausgeatmetes Kohlendioxid Mücken an. Der Beutetyp Schwangere weist zudem eine erhöhte Körpertemperatur auf, die vermehrt Duftstoffe auf der Haut freisetzt. So sind sie für die Blutsauger noch leichter zu orten. So leicht, dass sie Studien zufolge tatsächlich doppelt so oft gestochen werden.

Überlebensstrategie: Mückenstiche? Babykram!

Sportler

Lebensraum: Tennis- oder Fussballplatz, Parks und andere Freiluftgehege.

Verhaltensmuster: Läuft und schwitzt. Der Schweiss wiederum verstärkt den Körpergeruch, den Mücken, je nach individuellem Geruchmix (unter anderem aus Milchsäure, Buttersäure, Aminosäuren), unterschiedlich attraktiv finden. Auch Körperwärme lockt Moskitos. Besonders gefährdete Exemplare des Sportlers sind in der Region Ammersee zu finden. Dort fiel kürzlich ein Mückenschwarm über eine Fussballmannschaft her. Die Spieler des FC Eichenau kassierten je bis zu 40 Stiche. Bis auf einen. Der kam mit 500 in die Klinik.

Überlebensstrategie: Bahnenschwimmen im Freibad – ist doch bei dem Wetter eh viel besser.

Bodenständige

Lebensraum: Erdgeschosswohnung.

Verhaltensmuster: Wenn Brutstätte von Jäger und Gejagtem sehr nahe beieinanderliegen, ist das meist ein gutes Arrangement für Ersteren. Die Mücke kommt aus der Regentonne und anderen stehenden Gewässern, und warum in den zehnten Stock eines Wohngebäudes fliegen, wenn der Erdgeschossbewohner so nahe ist? Parterrebewohner, das haben Forscher der Uni Bern übrigens mal herausgefunden, leben im Schnitt kürzer als ihre Artgenossen in oberen Geschossen. Was aber an sozialen Unterschieden liegen soll. Die Mücke trägt nach SZ-Recherchen daran ausnahmsweise keine Schuld.

Überlebensstrategie: Anti-Mücken-Netze, Anti-Mücken-Gitter, Anti-Mücken-Sprays, Anti-Mücken-Voodoo. Oder ins Penthouse umziehen.

Gruftis

Lebensraum: Finsternis. Und andere Events der Gothic-Kultur.

Verhaltensmuster: Tarnen sich mit viel Schminke (Leichenblässe!) und tiefschwarzen Klamotten. Nur blöd, dass der Vampir-Look nicht verhindert, Blutsaugern selbst zum Opfer zu fallen. Im Gegenteil: Mücken landen lieber auf dunklen Kleidern als auf hellen. Und auf die blutleeren Schminkgesichter fallen sie nun wirklich nicht herein.

Überlebensstrategie: Weiss ist das neue Schwarz!

Blutgruppe 0

Lebensraum: Überall, wo es Menschen gibt.

Verhaltensmuster: Unauffällig. Aber laut einer japanischen Studie aus dem Jahr 2004 bevorzugt die untersuchte Asiatische Tigermücke Menschen mit Blutgruppe 0 als Landeplatz, wenn diese Menschen gleichzeitig über ihre Haut auch einen bestimmten Signalstoff absondern, der mit dieser Blutgruppe zu tun hat. Die Zahl der Probanden allerdings war nicht besonders gross und die Forscher schreiben selbst, dass ihre Studie kein starker Nachweis für diese These ist.

Überlebensstrategie: Bei «Fridays for Future» demonstrieren. Denn wegen der Erderwärmung verbreitet sich die Asiatische Tigermücke mittlerweile auch in Europa.

Britische Pendler

Lebensraum: Londoner Untergrund, die Gewölbe der ältesten U-Bahn der Welt.

Verhaltensmuster: Sie präsentieren sich dem «London Underground mosquito», einer Unterart der Gemeinen Stechmücke Culex pipiens, die sich im Londoner Tunnelsystem angesiedelt hat, als Essen auf Rädern: Appetitlich in rollende Boxen (Waggons) verpackt, werden die Pendler auf unterirdischen Gleisen transportiert. Je nach Bedarf werden sie den Blutsaugern über sich automatisch öffnende Schiebetüren portionsweise zugeführt. Wie beim Running Sushi.

Überlebensstrategie: Auf Taxi oder Bus umsteigen. Wo man gepflegt im Stau steht und bereits die überirdisch lebende Artgenossin Culex pipiens pipiens wartet.

Biertrinker

Lebensraum: Flussufer, Biergarten, Grillparty, ach, im Sommer einfach überall.

Verhaltensmuster: Sie trinken Bier, was irgendwann zielsicher zu einem hohen Alkoholpegel führen kann. Ein hoher Alkoholpegel wiederum führt zu mehr Durchblutung und mehr Durchblutung führt zu mehr Körperwärme, womit wir wieder bei der Mücke wären. Einwandfrei belegt ist die Theorie, dass Alkoholtrinker wegen der Körperwärme mehr gestochen werden, jedoch nicht. Eine andere geht davon aus, dass Schweiss durch Alkoholgenuss anders riecht, also mehr Stoffe enthält, die Mücken anziehen.

Überlebensstrategie: Mehr Bier, mehr Mückenstiche? Also, wir wissen wirklich nicht, was dagegen helfen könnte.

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